Bei Werder Bremen ist eine enge Verzahnung zwischen Profis und U23 wichtig. Trainer Ole Werner würde dem Aufstieg der zweiten Mannschaft in die 3. Liga eine große Bedeutung beimessen.
+
Bei Werder Bremen ist eine enge Verzahnung zwischen Profis und U23 wichtig. Trainer Ole Werner würde dem Aufstieg der zweiten Mannschaft in die 3. Liga eine große Bedeutung beimessen.

Werder U23 soll zurück in 3. Liga

Große Ziele mit der zweiten Mannschaft: Warum der Aufstieg der U23 für die Werder-Profis enorm wichtig wäre

Bremen – Dass im deutschen Profifußball gerade mal wieder Länderspielpause ist, ließ sich am Osterdeich in der vergangenen Woche schnell feststellen – und zwar an der verhältnismäßig großen Leere auf dem Trainingsplatz. Immer dann, wenn die Nationalspieler auf Reisen gehen, schrumpft der Kader des SV Werder Bremen zur Kleingruppe zusammen.

Einmal 13, dann zwölf, dann 15 Spieler – mehr standen Cheftrainer Ole Werner während der drei Einheiten am Mittwoch, Donnerstag und Freitag nicht zur Verfügung. Und auch die wenigen Zuschauer wurden durchaus vor eine Herausforderung gestellt – nämlich, den zum Teil doch eher unbekannten Gesichtern dort auf dem Platz Namen zuzuordnen. Um überhaupt ein vernünftiges Teamtraining abhalten zu können, hatte Werner gleich mehrere Akteure aus Werder Bremens U23 dazu geholt – also aus jener Mannschaft, die möglichst bald wieder in der 3. Liga spielen soll und der Werner als Unterbau des Profiteams per se sehr große Bedeutung beimisst.

„Eine enge Verzahnung beider Mannschaften ist bei unserer Kaderstruktur sehr wichtig“, betont der Chefcoach und verweist auf die vielen jungen Spieler, die dem Profikader des SV Werder Bremen angehören, dort aber aufgrund der großen Konkurrenz zum Teil nur wenig Einsatzzeit bekommen. „Da ist es eine gute Möglichkeit, diesen Spielern in der U23 Spielpraxis auf einem sehr guten Niveau zu verschaffen“, sagt Werner, der sich jüngst im Fall von Nick Woltemade so entschieden hatte. Nach einer langwierigen Fußverletzung sammelt der 20-jährige Angreifer gerade fleißig Spielminuten, um wieder in den Rhythmus zu finden. Während des Nordderbys gegen die U21 des Hamburger SV kam er in der Regionalliga Nord kürzlich über die volle Distanz zum Einsatz, was Woltemade gutgetan haben dürfte. Lieber wäre es Werder allerdings, wenn die eigene U23 den Talenten demnächst wieder Drittliga-Fußball bieten könnte. „Die 3. Liga ist natürlich ein Anreiz für die Jungs und den Verein“, weiß Werner. Die entsprechenden Lizenzunterlagen für die höhere Spielklasse hat Werder bereits fristgerecht beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) eingereicht.

Werder Bremen: Aufstieg der U23 aus der Regionalliga Nord in die 3. Liga wäre teuer - aber wichtig

In der Meisterrunde der Regionalliga Nord spielt die U23 von Trainer Konrad Fünfstück seit Mitte März um den Aufstieg. Ob der am Ende gelingt, lässt sich nach zwei Spielen – einem 3:3 gegen Teutonia Ottensen und einem 1:2 gegen den HSV – freilich noch nicht absehen, acht Partien stehen bis Ende Mai noch aus. Danach muss die erstplatzierte Mannschaft zudem noch in Hin- und Rückspiel gegen das Topteam der Regionalliga Nordost antreten. Heißt: Es ist ein ziemlich langer Weg, der in die 3. Liga führt. Für den Fall der Fälle möchte Werder Bremen aber vorbereitet sein.

Im Vorjahr hatte der Club aus Kostengründen noch darauf verzichtet, die Drittliga-Lizenz für seine U23 zu beantragen. Inzwischen hat ein Umdenken stattgefunden. „Das Credo des Vereins war es immer, einen Aufstieg auch wahrzunehmen, wenn er sportlich erreicht wurde. Letztes Jahr war der Verzicht aufgrund der Corona-Situation und der noch nicht abzusehenden finanziellen Auswirkungen aber notwendig“, sagt Björn Schierenbeck im Gespräch mit der DeichStube. Jetzt möchte der Direktor von Werders Nachwuchsleistungszentrum mit dem Verein einen neuen Anlauf nehmen - auch wenn ihm nur allzu gut bewusst ist, dass die 3. Liga schon vor dem ersten Anpfiff teuer für Werder Bremen wird. „Wir stellen uns auf einige Auflagen ein, trauen uns aber zu, sie zu erfüllen“, sagt Schierenbeck mit Blick auf die Rückmeldung des DFB auf den Bremer Lizenzantrag, die in wenigen Wochen erwartet wird.

Werder Bremen: Modernisierung von „Platz 11“ für die 3. Liga würde bis zu 500.000 Euro kosten

Seit Werders Abstieg aus der 3. Liga im Jahr 2018 haben sich die Anforderungen an die Vereine in dieser Spielklasse verschärft. Bedeutet: Da das Stadion „Platz 11“, in dem die U23 des SV Werder Bremen ihre Heimspiele austrägt, die Vorgaben nicht erfüllt, muss es modernisiert werden. „Um dauerhaft in der 3. Liga zu spielen, müssen wir auf Platz 11 einige Anpassungen vornehmen“, erklärt Schierenbeck. Beispielsweise muss das Stadion in vier voneinander abgetrennte Sektoren unterteilt und der Medien-Arbeitsbereich aufgewertet werden. Hinzu kommen viele Details – bis hin zur Vorgabe, dass in der Gästekabine zwei Toiletten vorhanden sein müssen, was auf „Platz 11“ nicht der Fall ist. Dort müssen die Auswärtsteams mit einer Toilette und einem Pissoir vorliebnehmen.

Werder Bremen arbeitet derzeit an Lösungen, um die kleineren und mittelgroßen Probleme beseitigen zu können und zeigt sich optimistisch, dass es klappt – zumal es denkbar ist, dass nicht alle Vorgaben bis Saisonstart erfüllt werden müssen, sondern gewisse Fristen für etwas Aufschub sorgen könnten. Insgesamt rechnet der Verein mit Kosten zwischen 200.000 und 500.000 Euro für die Modernisierung, die als wichtige Investition in die Zukunft gesehen wird. Schließlich profitieren auch die anderen Mannschaften des Clubs – allen voran das Frauen-Bundesliga-Team – von einem aufgewerteten „Platz 11“, weil sie dort ebenfalls ihre Spiele austragen. Und die Profimannschaft um Cheftrainer Ole Werner, für die wäre ein Unterbau in der 3. Liga ohnehin wertvoll.

Werder Bremen: Aufstieg in 3. Liga wäre für die Top-Talente wichtig - findet auch Cheftrainer Ole Werner

„Dort sind die Top-Talente nochmal anders gefordert als in der Regionalliga Nord“, sagt Werner, der bei seinem früheren Verein Holstein Kiel selbst lange die U23 in der Regionalliga betreut hat. Und deshalb weiß: „Auch dort hat man in etwas anderen Modellen gute Ausbildungsmöglichkeiten.“ In der 3. Liga wären sie für Werder Bremen aber noch besser. Spieler wie beispielsweise Luc Ihorst (Eintracht Braunschweig), Justin Njinmah (Borussia Dortmund U23) oder Yannik Engelhardt (SC Freiburg U23), die der Regionalliga leistungsmäßig entwachsen sind, müssten dann nicht mehr verliehen werden, um sich weiterentwickeln zu können, sondern könnten vor Ort bleiben und bei Bedarf auch in der Profimannschaft aushelfen. Ähnlich, wie es Werders heutiger Zweitligaspieler Niklas Schmidt einst getan hatte. „Die U23 war für mich extrem wichtig, weil ich dort die ersten Schritte im Profibereich gehen konnte. Wir waren damals in der 3. Liga, und da waren echt namhafte Gegner dabei“, erinnert er sich an eine Zeit, als die Profis noch in der Bundesliga spielten. Und auch das soll ja bekanntlich möglichst schon ab Sommer wieder so sein.

Steigen die Profis auf, wäre ein Aufstieg der U23 umso wichtiger. Das Leistungsgefälle zwischen beiden Mannschaften wäre dann nämlich nicht ganz so groß, auch wenn Werder Bremens U23 nicht wie ein klassischer Drittligist daherkommen würde. „Wir würden unseren Kader auch in der 3. Liga so aufstellen, dass wir jungen Talenten aus der U19 eine Chance geben und es bei maximal zwei Ü23-Spielern belassen“, erklärt Schierenbeck. Das würde die Personalkosten im Rahmen halten. Die zusätzlichen Ausgaben, die in der 3. Liga durch Reisen anfallen, wären zudem annähernd durch höhere Sponsoring-Einnahmen gedeckt, sodass ein Aufstieg der U23 Werder zwar Geld kosten, aber nicht vor unlösbare finanzielle Probleme stellen würde. (dco) Schon gelesen? Johannes Eggestein verließ Werder Bremen mit großen Hoffnungen, doch die Saison bei Royal Antwerpen ist eine einzige Enttäuschung!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare