Technischer Direktor Thomas Schaaf (l.) und Trainer Konrad Fünfstück stehen bei der U23 des SV Werder Bremen vielen Herausforderungen gegenüber.
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Technischer Direktor Thomas Schaaf (l.) und Trainer Konrad Fünfstück stehen bei der U23 des SV Werder Bremen vielen Herausforderungen gegenüber.

Zukunft von Coach Fünfstück offen

Entwicklung statt Aufstieg: Eine besondere Zeit für die Werder-Talente

Bremen – Sie stehen auf der Schwelle zum Profi-Fußballer, doch die Corona-Pandemie hat die ältesten Talente des SV Werder Bremen jäh gestoppt. Seit vier Monaten ruht der Spielbetrieb in der Regionalliga Nord – und nun hat der Club auch noch verkündet, auf einen möglichen Aufstieg der U23 in die Dritte Liga zu verzichten.

Doch von großem Frust im Team könne deshalb keine Rede sein, behauptet Björn Schierenbeck. Der Direktor des Werder-Nachwuchsleistungszentrums sieht in dieser etwas anderen Spielzeit auch eine Chance für besondere Entwicklungen und Erfahrungen. Außerdem bestätigt der 46-Jährige im Gespräch mit der DeichStube, dass die Zukunft von Werder Bremens U23-Coach Konrad Fünfstück noch offen ist.

Werder Bremen-Talente: Björn Schierenbeck sieht keine Verlierer-Generation kommen

„Wir wünschen uns sehnlichst den Spielbetrieb zurück. Aber wir wollen auch das Bestmögliche aus dieser Situation machen, denn Jammern und Klagen hilft nicht“, sagt Schierenbeck und fordert: „Wir müssen unseren Beitrag leisten, damit die Jungs so wenig wie möglich verlieren.“ Dass bereits von einer Verlierer-Generation im Fußball gesprochen wird, geht dem Ex-Profi viel zu weit. Zum einen habe es bis November Spiele gegeben, zum anderen gehe es in der U23 des SV Werder Bremen genauso wie in der U19 vor allem um die Ausbildung. „Wir haben sehr individuell und gezielt trainieren können. Ich bin davon überzeugt, dass sich unsere Spieler auch ohne Wettbewerb weiterentwickelt haben“, sagt Schierenbeck. Er lobt dabei nicht nur die Arbeit des Trainerteams und des Technischen Direktors Thomas Schaaf, sondern auch das Team: „Wir haben wirklich sehr zielstrebige Jungs. Sie wissen, warum sie das Ganze machen.“

Die sportliche Belohnung kann Schierenbeck den Spielern aber nicht ermöglichen. Ein Aufstieg in die Dritte Liga ist „aus wirtschaftlichen Gründen“ kein Thema. Eine Summe im hohen sechsstelligen Bereich müsste Werder Bremen nach der Rückkehr in den bezahlten Fußball wegen höherer Kader- und Reisekosten berappen. Geld, das der Club aufgrund der Corona-Pandemie nicht übrig hat. Das bedeutet aber auch, dass Talente wie zum Beispiel Ilia Gruev, Julian Rieckmann, Dominik Becker oder Kebba Badjie den nächsten Schritt woanders machen müssen, weil sie für die Regionalliga zu stark sind. Für die Bundesliga reicht es aber eben noch nicht.

Werder Bremen: Weitere Ausleihen von Talenten - Nachwuchs trainiert mehr bei den Profis

Da dürfte es wieder zu Ausleihen kommen, wie gerade erst bei Maik Nawrocki, der vergangene Woche an den polnischen Erstligisten Warta Posen ausgeliehen worden ist. Werder Bremen wäre durchaus bereit gewesen, weitere Spieler abzugeben. Doch es gab keine Lösungen, die Spielpraxis garantierten. „Da arbeiten wir lieber selbst mit den Jungs“, so Schierenbeck. Und er hofft, dass vielleicht Ende April oder Anfang Mai auch in der Regionalliga Nord wieder der Ball rollt.

Dann wird sich zeigen, wie die Talente den Lockdown weggesteckt haben. Wobei sie es leichter hatten als manche ihrer Gegner. Denn längst nicht alle Teams dürfen aktuell trainieren. Werder hat als Unterbau der Profi-Mannschaft eine Ausnahmegenehmigung bekommen. Diese Verzahnung war im Training auch nicht zu übersehen. Immer wieder tauchten U23-Akteure bei den Einheiten von Chefcoach Florian Kohfeldt auf. „Davon haben alle profitiert, das ist ein guter Reiz für unsere jungen Spieler, sie können dort viel lernen“, sagt Schierenbeck.

Werder Bremen U23: Vertrag von Trainer Konrad Fünfstück läuft aus - Zukunft offen

So funktioniere es übrigens auch von der U19 zur U23 – und das sei noch spannender. „Wir haben schon gemerkt, dass sich die Jungs schneller an die Geschwindigkeit, die Handlungsschnelligkeit und die Körperlichkeit der Senioren anpassen. Nach drei, vier Wochen war der Unterschied nicht mehr so deutlich“, berichtet der NLZ-Chef: „Aus dieser Erfahrung heraus könnten wir das in Zukunft durchaus noch regelmäßiger machen. Eben dann weiterhin in der Regionalliga, die für die Entwicklung unserer Talente sehr gut geeignet ist.“

Die Planungen für die neue Saison laufen längst. In Tom Berger vom VfL Wolfsburg wurde bereits der erste Neuzugang für die U23 des SV Werder Bremen verpflichtet. Weitere sollen folgen, wenngleich die Zukunft der eigenen Talente absolute Priorität genießt. Ein großes Mitspracherecht besitzt dabei weiterhin auch Trainer Konrad Fünfstück, obwohl dessen im Sommer auslaufender Vertrag noch nicht verlängert wurde. „Wir sind in Gesprächen und nehmen uns die nötige Zeit“, berichtet Schierenbeck. (kni) Auch interessant: Geheimnisvoller Besuch von Michael Ballack bei Werder Bremen - als Berater?

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