Dank des Sieges gegen die TSG Hoffenheim steht Werder Bremen nach neun Spieltagen auf Platz fünf der Tabelle. Das ändert aber nichts am Ziel Klassenerhalt.
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Dank des Sieges gegen die TSG Hoffenheim steht Werder Bremen nach neun Spieltagen auf Platz fünf der Tabelle. Das ändert aber nichts am Ziel Klassenerhalt.

Werder auf Platz fünf

Keine Lust auf Luftschlösser: Werder Bremen überrascht die Bundesliga und sich selbst – an den Zielen ändert das nichts

Bremen – Mit Prognosen ist das ja so eine Sache. Da zerbrechen sich Experten intensiv die Köpfe über ein Thema, lassen Computerprogramme diverse Modelle errechnen – und am Ende kommt es dann doch anders. Ganz egal, ob nun beim Wetter oder bei Wahlen. Oder eben beim dritten W im Bunde: Werder Bremen.

In diesem Fall gibt es momentan aber fast nur positive Überraschungen. Die Bremer überzeugen in der Bundesliga in einer Art und Weise, die kaum jemand dem Aufsteiger zugetraut hat. Nicht nach all den harten Jahren der jüngeren Vergangenheit. Es gibt zwar gute und weniger gute Auftritte, doch die Ergebnisse stimmen bislang zumeist. So wie zuletzt beim 2:1-Erfolg des SV Werder Bremen gegen die TSG Hoffenheim, weshalb die Grün-Weißen plötzlich Tabellenfünfter sind. Wer hätte das vor ein paar Wochen für möglich gehalten?

Werder Bremen-Fans singen schon vom Europapokal, aber das Ziel bleibt der Klassenerhalt

Es war nicht davon auszugehen, dass wir so erfolgreich in die Saison starten“, gibt Clemens Fritz als Leiter Profifußball im Gespräch mit der DeichStube zu. Auch die Verantwortlichen des SV Werder Bremen haben sich natürlich nach dem Wiederaufstieg so ihre Gedanken gemacht, wohin die Reise für Ole Werner und sein Team denn gehen könnte. Ein knallharter Abstiegskampf von Beginn an war da nicht die unwahrscheinlichste Variante. Eine eingespielte Mannschaft unter einem erfolgreichen Trainer gab es zwar, allerlei Unbekannte brachte die spekulative Berechnung der Rückkehr in die Beletage aber mit sich. Und deshalb betont Fritz: „Hätten wir im Sommer gesagt, dass wir als Aufsteiger nach den ersten neun Spielen 15 Punkten haben wollen, wäre das ziemlich vermessen gewesen.“

Nun ist aber genau dieser Fall eingetreten, Fußball-Deutschland staunt über das, was da gerade an der Weser passiert. Es hat quasi ein kollektives sich Kneifen eingesetzt, doch Werder Bremens bisheriger Erfolgsweg ist tatsächlich wahr. Und er lädt zum Träumen ein, zumindest theoretisch. Denn auch wenn viele Fans – mal scherzhaft, mal sehnsüchtig – von der Europapokal-Teilnahme singen, bemühen sich die handelnden Personen rund um das Weserstadion um eine nüchterne Einordnung. „Wir wollen so früh wie möglich so viele Punkte wie möglich holen, um unser Ziel zu erreichen“, unterstreicht Clemens Fritz. „Und das ist nach wie vor der Klassenerhalt. Um nichts anderes geht es.“

Werder Bremen denkt noch lange nicht an Europa: „Werden jetzt keine Luftschlösser bauen“

Eine solche Aussage lässt wenig Raum für Missverständnisse. Zumal es wahrlich noch zu früh ist, um nach Höherem zu streben. Jedenfalls beabsichtigt. Wenn Niclas Füllkrug nämlich bekräftigt „Wir werden uns jetzt keine Luftschlösser bauen“, dann ist das einerseits glaubhaft, aber vor allem sinnvoll. Ein gesunder Schutz-Mechanismus.

Denn nichts könnte Werder Bremen in den kommenden Monaten weniger gebrauchen als zusätzlichen Druck. Den Druck, irgendwie nach Europa zu kommen und einst Verpasstes nachzuholen. Wenn es sich ergibt, wird sich niemand sträuben. Für das Reden darüber dürfte im Fall der Fälle auch noch im Frühjahr Zeit sein. „Wir versuchen natürlich, die positiven Emotionen wahrzunehmen in den Momenten, wo sie uns helfen“, sagt Ole Werner. „Aber seitdem ich da bin, haben wir immer versucht, uns auf uns selbst zu konzentrieren. Das galt für Phasen, in denen es gut lief genauso wie für schwierige Momente.“

Werder Bremen: Die meisten Spiele und Ergebnisse waren knapp - Verantwortlichen und Spieler sind gewarnt

Und der Blick auf die bisherigen Resultate zeigt ja auch, wie viel verbrauchte Kraft im Erreichten steckt. Fast immer ging es eng zu, lediglich gegen Borussia Mönchengladbach (5:1) herrschte schnell Klarheit. Selbst das 2:0 in Bochum – dem einzigen weiteren Bremer Spiel, bei dem der Torabstand am Ende deutlicher war – bot ein zähes Ringen. Bislang zieht sich Werder Bremen in knappen Partien gut aus der Affäre. Das ist ein echtes Plus. Birgt aber natürlich auch die Gefahr, dass es mal anders kommen könnte. Womöglich häufiger. Genau deshalb sind sie am Osterdeich gewarnt und übertreiben nicht. „Wir freuen uns darüber, dass wir zuverlässig gepunktet haben, gut dastehen und einen vernünftigen Start erwischt haben. Und dass wir generell guten Fußball spielen, mit dem wir uns identifizieren können“, hebt Chefcoach Ole Werner hervor. „Aber wir konzentrieren uns weiter auf unsere Arbeit. Alles andere ist schön und freut uns für die Leute um uns herum, die uns unterstützen und die Daumen drücken.“

Sollte die Euphorie der Fans dann doch mal aufs Team überschwappen, setzen sie bei Werder Bremen auf das Regulativ der Gruppe. Doch mahnende Worte der Führungsspieler sind nach aktuellem Stand nicht erforderlich. So nimmt es jedenfalls Clemens Fritz wahr: „Die Spieler können die Situation gut einschätzen. Sie haben das richtige Gefühl dafür“, sagt er und malt verbal ein schönes Bild: „Wir müssen niemanden auf den Boden zurückholen, weil bei uns gar nicht erst einer abhebt.“ Das konnte durchaus auch als Prognose verstanden werden. Mal sehen, ob sich diese wirklich bewahrheiten wird. (mbü)

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