Werder Bremen-Ex Torsten Frings über seinen Spieler der Saison, die Vaterfigur Thomas Schaaf und warum eine Ansage an die Mitspieler auch mal gut sein kann.
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Werder Bremen-Ex Torsten Frings über seinen Spieler der Saison, die Vaterfigur Thomas Schaaf und warum eine Ansage an die Mitspieler auch mal gut sein kann.

Frings über Ducksch, Groß und Co.

„Er ist da gerade nicht wegzudenken“: Frings über seinen Werder-Spieler der Saison, einen Anpfiff für Diego und eine Rückkehr zum SVW

Beim 3. DeichTalk plauderte die Legende des SV Werder Bremen Torsten Frings aus dem Nähkästchen. Er hat unter anderem darüber gesprochen, warum ein Juve-Transfer geplatzt, wer sein Spieler der Saison und weshalb Thomas Schaaf für ihn wie ein Vater gewesen ist.

Bremen - Es gibt ja Gesprächsrunden, die sind zäh wie Gummi. da wird vergeblich auf rhetorische Höhepunkte gewartet. und dann gibt es Momente, in denen eine Anekdote die nächste jagt, die Zuhörer immer wieder zum Lachen animiert werden. Genau das hat Torsten Frings geschafft, denn die Legende des SV Werder Bremen präsentierte sich beim dritten DeichTalk der DeichStube in echter Plauderlaune und servierte in der Union-Brauerei in Bremen-Walle gleich mehrere unterhaltsame Geschichten. So sprach der 46-Jährige über...

…Marvin Ducksch, der immer etwas im Schatten von Sturmpartner Niclas Füllkrug steht: Es wird immer Spieler geben, die mehr im Fokus stehen – und das tun sie ja nicht ohne Grund. Sie haben gute Leistungen gebracht, viele Tore geschossen und sind sehr wichtig. Der andere Spieler ist auch wichtig, aber eben nicht so wichtig. Da steht dann halt jemand mal im Schatten eines anderen Profis. Aber es ist ja nicht das erste Mal bei Werder Bremen, dass das so ist. Viele Stürmer haben im Schatten von Claudio Pizarro gestanden. Oder von Miroslav Klose. Auch zur Zeit von Rudi Völler war das schon so. Einer bekommt immer das Rampenlicht ab, der andere muss gucken, wo er bleibt. Ich bin ein riesiger Fan von Marvin, er hat einen riesigen Schritt gemacht. Ich habe mich sehr für ihn gefreut, dass er jetzt sehr wichtig für die Mannschaft ist.

Werder Bremen-Ex Torsten Frings über Thomas Schaaf: „Er war wie ein Vater für mich“

…deutliche Ansagen an seinen einstigen Mitspieler Diego, der auch stets im Mittelpunkt stand: Der hat das gebraucht. Wir haben das alle gebraucht. Er war ein Künstler, aber Fußball ist eben auch harte Arbeit. Und diese steht immer an erster Stelle, danach kommt erst die Zauberei. Er konnte aber nicht arbeiten, sondern nur zaubern. Das musste man ihm dann einfach mal klar und deutlich sagen. Für mich war es wichtig, da auch mal ein Zeichen für die Mannschaft zu setzen. Wir haben uns öfter gefetzt, auch im Training. Aber am Ende geht es darum, dass man erfolgreich Fußball spielt. Dafür braucht man alle, die Arbeiter und die Künstler. Wir mussten uns anfangs etwas beschnuppern, letztlich hat es super geklappt. Ich habe ein super Verhältnis zu ihm, wir texten noch heute hin und wieder. Außerdem war er bei meinem Abschiedsspiel, was mich sehr gefreut hat. Wenn ich ein Arschloch gewesen wäre, dann wäre er sicherlich nicht gekommen.

…seinen Fast-Wechsel zu Juventus Turin 2007: Thomas Schaaf ist wie ein Vater für mich gewesen, ich habe ihm alles erzählt. Er war der Erste, den ich angerufen habe, um zu sagen, dass ich zu Juventus Turin wechseln kann und das machen will. Ich war mir mit Juve einig, hatte sogar schon einen Mietvertrag für ein Haus dort unterschrieben. Auch Klaus Allofs (damaliger Werder-Manager, Anm. d. Red.) stand schon mit Juve in Kontakt, um eine Ablösesumme auszuhandeln. Ich war im fortgeschrittenen Alter und hatte nochmal die Gelegenheit, für solch einen geilen Club zu spielen. Thomas Schaaf hat mich dann unter vier Augen überredet zu bleiben, das Gespräch war sehr emotional. Und hinterher habe ich meine Frau angerufen und gesagt, dass wir da nicht mehr hinkönnen. Klaus Allofs hat dann gesagt, dass wir meinen Vertrag verbessern, woraufhin ich noch meinte, dass das doch gar nicht nötig sei. (lacht) Ich bin dann noch vier Jahre bei Werder geblieben – musste allerdings drei Monate Kaution für das Haus in Italien zahlen.

KEhrt Torsten Frings eines Tages zu Werder Bremen zurück? „Muss für beide Parteien Sinn ergeben

…eine mögliche Rückkehr zu Werder Bremen: Es gab bis jetzt einfach nicht die richtige Konstellation. Ich bin ein sehr loyaler Mensch und als Viktor Skripnik damals als Trainer gehen musste, da habe ich mich als Co-Trainer maximal mitverantwortlich gefühlt. Für mich gab es keine Option, irgendwie im Verein zu bleiben und darauf zu warten, dass ein neuer Chefcoach kommt, damit ich sein Co-Trainer werde. Weil ich die Scheiße genauso verbockt hatte wie jeder andere. Danach habe ich versucht, auf eigenen Beinen zu stehen. Wenn Werder mich aber jetzt anruft, dann bin ich der Letzte, der nicht ans Telefon geht. Aber es muss für beide Parteien halt Sinn ergeben. Bislang gab es diese Gespräche aber noch nicht.

…seine Zukunftspläne als Trainer: Ich würde das schon gern weitermachen, weil ich glaube, dass ich das gut kann. Es ist aber auch kein einfacher Job, das ganze Drumherum muss stimmen. Darüber hinaus kommen die Jobs auf einen zu, die kann man nicht suchen. Ich bin da aber ganz entspannt, versuche, zu hospitieren und anderen Trainern bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Ich warte einfach auf die nächste Möglichkeit. Wenn etwas Schönes kommt, dann bin ich bereit. Und wenn nichts Schönes kommt, dann muss meine Frau weiterhin mit mir Vorlieb nehmen.

…seinen Werder-Spieler der Saison: Ich bin ja immer ein Gegner von Christian Groß gewesen und habe damals stets gesagt, dass wenn ein Spieler wie er plötzlich wichtig für Werder Bremen ist, etwas nicht stimmt. Das meinte ich gar nicht böse. Er wurde da aus der zweiten Mannschaft hochgeholt und soll da plötzlich der Leader sein. Da sitzt du doch vor dem Fernseher und fragst dich, was mit dem Rest der Mannschaft ist. Wie kann es sein, dass da einer aus der Regionalliga kommt, die Ärmel hochkrempelt und macht und tut? Dann stimmt es ja generell nicht im Team. Aber Christian hat sich enorm entwickelt, im Grunde Tag für Tag und ist ein sehr wichtiger Spieler geworden. Er macht das richtig gut. Mittlerweile bin ich ein kleiner Fan von ihm, er ist da gerade nicht wegzudenken. (mbü)

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