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Uli Borowka, Ex-Profi von Werder Bremen, befürwortet eine Quarantäne für die Bundesliga-Profis und warnt vor Gefahren für Suchtkranken in der Coronavirus-Krise.

Coronavirus-Krise

Borowka befürwortet Bundesliga-Quarantäne und warnt vor Gefahren für Suchtkranke

Von Hans-Günter Klemm. Auch er will, dass der Ball schnell wieder rollt. „Dafür muss alles getan werden“, sagt Uli Borowka, der frühere Profi von Werder Bremen, natürlich weiterhin ebenso ein Beobachter wie Liebhaber der Bundesliga.

Bei dem Bestreben, grünes Licht von der Politik zu bekommen, um während der Coronavirus-Pandemie Geisterspiele veranstalten zu dürfen, setzt der 57-Jährige auch auf einen Punkt in dem von vielen kritisierten und von den meisten belächelten Entwurf aus dem Bundesarbeitsministerium. „Warum nicht?“ fragt Uli Borowka, von 1987 bis 1995 bei Werder Bremen, rhetorisch. „Warum sollten nicht alle Mannschaften für die Zeit der Restsaison in einem Hotel in Quarantäne gehen.“

In der Branche stieß dieser Vorschlag der Referenten für Arbeitsschutz aus dem Berliner Ministerium nicht gerade auf Gegenliebe. Wolfsburgs Maximilian Arnold sprach sich in einem Interview mit dem NDR gegen eine dauerhafte Isolation von der Familie aus. Auch Frank Baumann, der Geschäftsführer von Werder Bremen, votierte gegen eine derartige Maßnahme, die er als nicht zielführend einstufte.

Uli Borowka: Mannschaften in Quarantäne denkbar - wie bei Trainingslagern und Turnieren

Anders Borowka, der betont: „Darüber sollte man nachdenken wie über alle anderen Maßnahmen, die ergriffen werden, um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten.“ Für den Ex-Nationalspieler wäre durchaus praktikabel, die Mannschaften für einige Wochen geschlossen an einem Ort zusammenzuziehen. „Bei Trainingslagern und speziell bei großen Turnieren geht es doch auch.“

Zustimmung für dieses Gedankenspiel. Derweil kann Borowka vieles nicht nachvollziehen, was von der Regierung im Zuge des Lockdowns beschlossen worden ist. Kopfschütteln und Ärger ruft bei ihm auch das föderale Chaos hervor, das nun bei der behutsamen Lockerungswelle einsetzt. „Die Auswirkungen werden uns noch lange beschäftigen, die Schäden für die Gesellschaft und die Wirtschaft werden schon in naher Zukunft zu sehen sein.“

Werder Bremen-Legende Uli Borowka: Höhere Rückfallquote bei Suchtkranken in Coronavirus-Krise

Die schwerwiegenden Folgen der durch das Coronavirus entfachten Krise registriert der Suchtberater, der mit seinem Verein für Suchtprävention viele Profisportler betreut, schon jetzt. „Die Rückfallquote ist in den letzten Wochen enorm gestiegen“, schildert der trockene Alkoholiker, der seit der Jahrtausendwende abstinent lebt. Suchtkranke und depressiv veranlagte Menschen seien nun mal besonders anfällig, in alte krankhafte Verhaltensmuster abzugleiten, weil ohne den normalen Tagesablauf mit festen Strukturen die Gedanken zu Existenzängsten und das Gefühl der Einsamkeit noch verstärkt würden.

Beim Überlebenskampf des Profifußballs für eine Fortsetzung der Mitte März unterbrochenen Bundesliga-Spielzeit sieht Borowka gute Chancen. Ausdrücklich lobt er die Initiativen und das ausgearbeitete Konzept der Deutschen Fußball-Liga: „Ein schlüssiges Modell, vorbildlich gemacht und bis ins Detail durchdacht.“ Die Gefahr, dass ein Spieler sich infiziert, sei durch vielfältige Hygienevorschriften und das engmaschige Testverfahren reduziert, „obwohl ein Restrisiko bleibt immer“. Dass ein Profi seinen Dienst verweigert und aus Angst vor einer Corona-Erkrankung öffentlich erklärt, nicht spielen zu wollen, hält der einst als eisenhart gefürchtete Verteidiger daher für ausgeschlossen.

Uli Borowka würde als Profi von Werder Bremen „auf komplettes Gehalt verzichten“

Bei den nun auf allen Ebenen eingeleiteten Maßnahmen, die Wirtschaftlichkeit und vor allem die Liquidität der Proficlubs ins Lot zu rücken, erstaunt Uli Borowka die aus seiner Sicht „gelinde gesagt doch sehr ausgeprägte Zurückhaltung der Spieler“. Die Hauptdarsteller tun sich schwer, auf Geld zu verzichten, teilweise ist von Abstrichen bis zu 25 Prozent zu hören, manchmal sogar nur auf der Grundlage von Stundung der Gehaltsbestandteile.

„Wenn ich heutzutage Werder-Profi wäre, würde ich auf mein komplettes Gehalt bis Saisonende verzichten“, erklärt der gebürtige Sauerländer, der dieses Urteil fällt. „Die Profifußballer geben insgesamt ein schlechtes Bild ab. Über Jahre hinweg haben sie alles von dem Club bekommen und genommen, doch nun zeigen sie die kalte Schulter, wenn sie aufgefordert werden, etwas zurückzugeben, um den Verein am Leben zu erhalten.“

Der Kicker nimmt eine Anleihe beim früheren Kanzler Helmut Schmidt, dessen passendes Zitat so lautet: „In der Krise beweise zeige sich der Charakter.“ Borowka gleichlautend: „Über den Charakter der Profis auch bei Werder müssen wir nicht mehr reden.“

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