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Bremens Innensenator Ulrich Mäurer lässt nicht locker.

Was hat Werder Bremen davon?

„Einfach“, „elegant“, „gerecht“ - wie Innensenator Mäurer sich einen Polizeikostenfonds vorstellt

Bremen – Obwohl die Deutsche Fußball-Liga (DFL) im Streit um die Übernahme von Polizeikosten ein Solidarmodell bereits mehr als deutlich abgelehnt hat, lässt Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) nicht locker.

Er verfolgt weiter das Modell, wonach alle Profi-Teams zu gleichen Teilen die bei Risikospielen anfallenden Mehrkosten für Polizeieinsätze tragen sollen. In der kommenden Woche wird Mäurer seine Rechnung und seine Idee auf der Innenministerkonferenz der Bundesländer in Kiel vorstellen. Mäurer weiß, dass ihm dort die Sympathien nicht zufliegen werden: „Ich muss noch sehr viel Überzeugungsarbeit leisten, damit die anderen mitgehen.“ 

Und nur mit der Unterstützung aus anderen Ländern könne es gelingen, schlussendlich auch die DFL umzustimmen, sagt Mäurer, der am Donnerstag erstmals grob vorgestellt hat, wie ein Polizeikostenfonds im deutschen Profi-Fußball funktionieren könne. „Einfach“, „elegant“ und „gerecht“ solle der sein, erklärt der SPD-Politiker, der im März vor dem Bundesverwaltungsgericht das Recht erstritten hatte, die DFL an den Polizeikosten zu beteiligen.

Werder Bremen: Dienststunde der Polizisten kostet „konservativ gerechnet“ 56 Euro

Konkret geht es darum: Im vergangenen Jahr wurden im Zuge der 724 Spiele in erster und zweiter Bundesliga insgesamt 1.625.285 Einsatzstunden durch Polizeien der Länder und des Bundes geleistet. Da jede Dienststunde „konservativ gerechnet“ (Mäurer) 56 Euro koste, werde die öffentliche Hand durch die Bundesligen in etwa mit 150 Millionen Euro pro Saison belastet – Sachkosten inkludiert. 35 bis 40 Millionen davon seien bei Risikospielen, also Partien mit Polizeipräsenz deutlich über dem Durchschnitt, anfallende Mehrkosten. Eben diesen Betrag soll nach Mäurers Willen der Fußball selbst übernehmen – per Solidarfonds.

Land Bremen wartet auf 2,3 Millionen durch Risikospiele vom SV Werder Bremen

Das würde bedeuten: 36 Profi-Clubs zahlen gleichermaßen viel ein, am Saisonende wird das Geld je nach Anspruch an die Länder verteilt. Und da der Bremer Innensenator eine „Spitzabrechnung“, in der beispielsweise Zuschauerzahlen und tatsächlich an einem Bundesliga-Standort angefallene Mehrkosten keine Rolle spielen sollen, ablehnt, würde es nach einfachster Rechenart auf eine Million Euro Einzahlung pro Club und Saison hinauslaufen. Zur Erinnerung: Aktuell wartet das Land Bremen auf die Zahlung von 2,3 Millionen Euro für sieben Risikospiele des SV Werder Bremen. Macht im Schnitt 330.000 Euro pro Risikospiel. Von denen hat Werder in der Vergangenheit maximal zwei gehabt pro Saison, in der kommenden Saison wird es wohl gar keines sein. 

Dennoch müsste Werder Bremen, wenn sich Mäurer mit seiner Idee durchsetzt, künftig eine Million Euro jährlich bereitstellen. Grundsätzlich und aus Solidarität. „Eine Fondslösung ist das Eleganteste, und es ist auch bezahlbar“, behauptet der 67-Jährige.

Kein Club, auch nicht Werder Bremen, kann gezwungen werden

Natürlich ist klar: Gezwungen werden kann niemand. Kein Innenminister, kein Club. Dafür fehlen die gesetzlichen Möglichkeiten. „Es ist ein freiwilliges Engagement, das ich vorschlage. Ich will weg von dem Gebührenrecht. Ein Fonds vermeidet komplizierte Abrechnungen, ist für alle planbar und verteilt die Lasten gerecht“, argumentiert Mäurer, dem zur Umsetzung nur diese bescheidenen Mittel zur Verfügung stehen: „Geduld und Einsatz.“

Die DFL, die schon vor Wochen durch ihren Geschäftsführer Christian Seifert („Es wird nie einen Solidarfonds geben“) klar Position bezogen hatte, reagierte auch am Donnerstag ablehnend auf Mäurers Pläne. Ein bundesweiter Fonds leiste demnach „keinen Beitrag dazu, Polizei-Einsatzstunden zu reduzieren und Probleme zu lösen“, schrieb die DFL in einer Mitteilung.

Während sich die einen über Polizeikosten streiten und zu keiner Einigung kommen, sind sich Tim Steidten und Bayer Leverkusen einig geworden. Der Chefcoach von Werder Bremen verlässt den Verein und wechselt noch in diesem Sommer zur „Werkself“. 

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Die DFL hat vier Bescheide des Landes Bremen wegen der Polizeikosten bei Risikospielen beglichen. Die Hälfte der 1,17 Mio. Euro will sich die DFL von Werder Bremen zurückholen.

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