Gemeinsam raus aus der Dauerschleife des Verlierens: Die Werder-Profis haben mit zwei Siegen in Folge ein positives Zeichen im Abstiegskampf gesetzt.
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Gemeinsam raus aus der Dauerschleife des Verlierens: Die Werder-Profis haben mit zwei Siegen in Folge ein positives Zeichen im Abstiegskampf gesetzt.

Lage im Tabellenkeller

Die Perspektiven im Pulk der Bedrohten

Bremen - Von Carsten Sander und Daniel Cottäus. Nach zwei Siegen in Folge hat Werder Bremen Rückenwind im Abstiegskampf. Wie steht es bei den Konkurrenten? So ist die Lage aller Keller-Teams.

Abstiegskampf! Dieses Wort ist bei denen, die in selbigen verstrickt sind, ungefähr so beliebt wie Brechdurchfall oder Steuernachzahlung. Nach 22 Spieltagen in der Fußball-Bundesliga ist es noch knapp ein Drittel aller Clubs, das sich Sorgen machen muss, ob der Status „erstklassig“ auch in der neuen Saison noch für sie gilt.

Werder Bremen steckt mittendrin in diesem Pulk der Gefährdeten, aber Werder Bremen hat sich nach vier Niederlagen am Stück zu Jahresbeginn auch selbst geheilt und zuletzt zweimal in Folge gewonnen. Damit sind die Spieler von Trainer Alexander Nouri im Augenblick so etwas wie die Strahlemänner unter den Frustrierten – wie ein Streifzug durch den Tabellenkeller zeigt.

Schalke 04

Platz 12, 27 Punkte, 26:23 Tore

Schalke im Kreis der Abstiegskandidaten? Komisch ist das schon. Aber die Punktzahl lässt nun mal die Fantasie zu, dass die Knappen noch ganz unten mit reinrutschen. Zugegeben: Ernsthaft zu rechnen ist nicht damit, dass S04 noch lange in Reichweite der Kellerkinder bleibt. Das Problem derzeit sind die vielen Unentschieden. Zwar hat Schalke in diesem Jahr erst einmal verloren, aber auch nur zweimal gewonnen. Die drei Remis sorgen dafür, dass mit einem Auge auch noch nach unten geschielt werden muss, ob von dort noch Gefahr droht.

Selbst wenn sich die Königsblauen in naher Zukunft aus der gefährdeten Tabellenregion verabschieden, werden sie am Ende doch noch zu einem Hauptdarsteller im Abstiegskampf werden. Zum Zünglein an der Waage womöglich. Denn die Gegner am 33. und 34. Spieltag heißen Hamburger SV und FC Ingolstadt – bei diesen Clubs ist schwer davon auszugehen, dass sie bis zum Schluss gegen den Gang in Liga zwei ankämpfen müssen.

FC Augsburg

Platz 13, 27 Punkte, 21:28 Tore

Gleiche Punktzahl wie Schalke, gefühlt ist die Ausgangslage aber eine andere. Denn der FC Augsburg macht sportlich nicht den Eindruck, als würde er sich in Kürze mit Siebenmeilenstiefeln aus der gefährdeten Region davonmachen. Der FCA wackelte gegen Werder, der FCA wackelte zuletzt auch gegen Darmstadt – aber der FCA gewann beide Spiele, bog jeweils einen Rückstand um.

Und Trainer Manuel Baum wusste anschließend, dass er sich im harten Abstiegskampf auf die Mentalität seiner Spieler verlassen kann: „Die Mannschaft hat einen super Charakter, sie steckt nie auf.“ Das wird besonders in den noch ausstehenden Begegnungen mit dem FC Ingolstadt und dem HSV wichtig sein. Möglicherweise reichen schon Siege in diesen beiden Partien plus ein weiterer Dreier gegen Freiburg, Hertha oder wen auch immer, um am Ende die Klasse zu halten.

VfL Wolfsburg

Platz 14, 22 Punkte, 20:33 Tore

27:7 Torschüsse, aber 1:2 verloren – diese Heimpleite gegen „Verfolger“ Werder Bremen war ein Wirkungstreffer für die Wölfe. Und hat eine Art Panikreaktion ausgelöst. Coach Valerien Ismael musste gehen, der Niederländer Andries Jonker kam – es war bereits der zweite Trainerwechsel beim VfL in der laufenden Saison. Klar ist damit: Die letzte Patrone ist verschossen. Klappt es auch mit dem neuen Mann nicht, wäre das wirklich zum Heulen für die Wölfe. Dass der VfL mehr Potenzial hat, als es der Tabellenplatz aussagt, haben die 27 Torschüsse gegen Werder gezeigt. Aber die Niedersachsen wären auch nicht das erste Team, bei dem die Formel „Potenzial = Punkte“ nicht funktioniert.

Zwei Siege sind gut, drei Siege sind besser – also fordern Fin Bartels (li.) und Robert Bauer (Mitte) den nächsten Erfolg am Samstag gegen Darmstadt 98.

Werder Bremen

Platz 15, 22 Punkte, 28:43 Tore

Werder im Wandel: Vor zwei Wochen noch ein Dauerverlierer, im Augenblick aber das einzige Kellerkind, das wirklich Rückenwind hat. Dank der Siege über Mainz 05 (2:0) und den VfL Wolfsburg (2:1) haben die Bremer nicht nur den Relegationsplatz verlassen, sondern auch Zuversicht für den Rest der Saison getankt. Im Keller wurde es wieder heller. Aber Vorsicht: Gegen Schlusslicht Darmstadt 98 mit Werder-Legende Torsten Frings auf der Trainerbank steht am Samstag der Aufschwung auch schon wieder auf dem Spiel.

„Das wird die dritte richtig wichtige Partie hintereinander“, sagt Mittelfeldspieler Fin Bartels und formuliert klare Ansprüche: „Es ist Zeit für einen Heimsieg. Wir wollen es mit aller Macht hinkriegen. Wir müssen zeigen, dass wir einen Schritt weitergekommen sind und ein Spiel, in dem wir Favorit sind, auch gewinnen.“ Sollte es gelingen, wäre für die Bremer sogar das Mittelfeld wieder in Reichweite. Die Partie ist also die große Chance, für die danach folgenden elf Spiele frische Perspektiven zu schaffen. „Es ist noch sehr eng für uns, aber wir können uns einen Abstand zum Tabellenende verschaffen“, meint Verteidiger Robert Bauer.

Hamburger SV

Platz 16, 20 Punkte, 21:45 Tore

Sieben Punkte aus drei Spielen: Der Hamburger SV hatte sich gerade erst mühsam aus der Krise gearbeitet – um dann durch das krachende 0:8 in München wieder genau dorthin zurück geschossen zu werden. Trainer Markus Gisdol hat angekündigt, bei der Nachbereitung des Debakels auf Videosequenzen zu verzichten: „Wir wollen die negativen Eindrücke nicht verstärken.“ Generell sind sie beim HSV darum bemüht, München als „Betriebsunfall“ zu sehen, damit die zuvor positive Stimmung nach den Siegen gegen Leverkusen und Leipzig nicht vollkommen abhanden kommt.

Im Grunde ist sie das aber schon – und noch einen Negativeffekt hat das Bayern-Spiel mit sich gebracht: Hamburg hat nach Darmstadt nun das zweitschlechteste Torverhältnis der Liga, bekanntlich ein Wert, der am Ende noch ganz entscheidend sein kann. In den kommenden Wochen stehen dem „Dino“ weitere schwere Aufgaben bevor: Die nächsten drei Gegner heißen Hertha BSC, Gladbach und Frankfurt. Pikant: Am letzten Spieltag empfängt die Gisdol-Elf den VfL Wolfsburg. Es könnte ein Endspiel werden.

FC Ingolstadt

Platz 17,18 Punkte, 19:34 Tore

3:1 gegen den Hamburger SV – der FC Ingolstadt ist vor einigen Wochen zwar äußerst vielversprechend ins neue Fußballjahr gestartet, inzwischen aber längst wieder in der tristen Realität angekommen. Mit zwei Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz und vier aufs rettende Ufer scheint für die Mannschaft von Trainer Maik Walpurgis zwar theoretisch noch alles möglich, allerdings haben sie in Ingolstadt ein großes Problem: die eklatante Heimschwäche.

Erst acht Zähler fuhr das Team zu Hause ein, das ist der schlechteste Wert der Liga – und vor allem deshalb bemerkenswert, weil der FCI im Vorjahr die meisten Punkte für den Klassenerhalt im eigenen Stadion gesammelt hatte (26 von insgesamt 40). Was der Walpurgis-Elf auf der anderen Seite Hoffnung machen kann, ist die Tatsache, dass sie in der laufenden Saison noch in keinem Spiel untergegangen ist, sondern stets knapp verlor. Ingolstadt ist ein unangenehmer Gegner, der rustikal zur Sache geht. Auch beim 0:2 gegen Gladbach präsentierte sich das Team in guter Form, hatte beim Hand-Gegentor aber großes Pech.

Darmstadt 98

Platz 18, 12 Punkte, 15:43 Tore

Die Lage der Lilien ist nahezu aussichtslos. Geht es nach den Statistikern, ist die Mannschaft des Ex-Bremers Torsten Frings bereits abgestiegen. Noch nie zuvor hat sich in der Geschichte der Bundesliga ein Team retten können, das nach 22. Spieltagen so schlecht dastand. Aufgeben wollen sie beim Liga-Schlusslicht deswegen aber nicht, das hat Club-Präsident Rüdiger Fritsch nach der bitteren 1:2-Pleite gegen Augsburg unterstrichen: „Aufgeben ist für uns keine Option, dazu sind hier alle viel zu sehr Sportler und von unserem Weg nach oben geprägt worden. Wir werden weiter kämpfen und uns nicht vom Spielbetrieb abmelden.“

Es sind die klassischen Durchhalteparolen eines Vereins, der ganz genau weiß, dass er mittlerweile schon ein Wunder für die Rettung braucht. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es am Böllenfalltor aber noch: Darmstadt spielt bis auf Augsburg noch gegen alle direkten Konkurrenten. „Wir lieben es, außergewöhnliche Dinge zu vollbringen“, sagt Fritsch, dessen Club am Samstag für das erste dieser Duelle in Bremen gastiert.

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