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Valerien Ismael, früher Spieler bei Werder Bremen, ist jetzt als Trainer beim Linzer ASK überaus erfolgreich.

Ex-Werder-Profi in Linz erfolgreich

Ismaels spezielles Lob für Werder-Sportchef Baumann

Linz – Von Hans-Günter Klemm. Die Freundschaft zu Frank Baumann hat gehalten. „Wir schreiben uns ab und an“, sagt Valerien Ismael zur intakten Verbindung zu dem ehemaligen Mitspieler, mit dem er 2004 bei Werder Bremen das Double geholt hat.

Der Franzose, der seit Saisonbeginn beim Linzer ASK erfolgreich wirkt, verfolgt weiterhin die Bundesliga und speziell den Leidensweg, den sein Ex-Club Werder Bremen in diesen Tagen bewältigen muss. „Als äußerst gefährlich“, schätzt der 44-Jährige die Lage ein. „Werder hatte in den letzten Spielzeiten immer wieder Probleme, doch so angespannt war es noch nie.“ Doch Valerien Ismael, stets ein positiver Zeitgenosse, bleibt seinem Naturell treu und strahlt wie gewohnt Optimismus aus: „Der Club hat bewiesen, dass er in der Lage ist, schwierige Phasen zu meistern. Sie werden auch diese brenzlige Situation überstehen.“

Werder Bremen: Valerien Ismael gefällt Umgang mit Trainer Florian Kohfeldt

Der Grund für seine Zuversicht? „Werder behält die Ruhe, alle Dinge werden intern besprochen“, erläutert der Erfolgstrainer aus Österreich, der von 2003 bis 2005 für Grün-Weiß insgesamt 64 Bundesliga-Spiele bestritten hat. Und er fügt ein dickes Kompliment für seinen Kumpel Frank Baumann an, dessen eindeutiges Bekenntnis für den momentan glücks- und erfolglosen Trainer Florian Kohfeldt er ausdrücklich erwähnt.

Eine ähnliche Vorgehensweise von den Entscheidern hätte sich Ismael in eigener Sache gewünscht, als er damals scheiterte bei dem Versuch, im deutschen Profifußball Fuß zu fassen. Zweimal, 2014 in Wolfsburg und 2017 in Nürnberg, wurde er vorzeitig beurlaubt. „Eine Rückendeckung wie bei Kohfeldt tut natürlich jedem Trainer gut.“ Er kann durchaus nachvollziehen und begrüßt, dass Werder-Sportchef Baumann an dem Fußball-Lehrer festhält: „Warum soll er ihn entlassen, wenn er von ihm überzeugt ist?“

Spiel-Verlegungen haben auch Einfluss auf Valerien Ismael in Österreich

Konfrontiert mit Bremen wurde Ismael ganz konkret am Freitag. Die Verlegung der Europacup-Partie von Frankfurt in Salzburg um einen Tag, die auch zur Absage des Bundesliga-Spiels von Werder Bremen gegen die Hessen führte, hat auch Auswirkungen auf seine aktuelle Arbeitsweise. Das Halbfinale nächste Woche im Pokal gegen Eintracht-Gegner Salzburg wurde um einen Tag verlegt und schließlich auch das folgende Meisterschaftsspiel nach hinten verschoben. Ärger und Proteste in Bremen über diese Entscheidung der DFL kann Valerien Ismael nicht ganz nachvollziehen. „Die Drucksituation bleibt so oder so. Es kann ein Nachteil, aber auch ein Vorteil sein“, findet der frühere Werder-Profi.

Den Terminstress, der nun auf ihn und seine Mannschaft zukommt, nimmt Ismael liebend gern in Kauf. In der Europa-League hat der LASK in der letzten Woche Alkmaar ausgeschaltet, so das Achtelfinale erreicht. Jetzt wartet Manchester United als Gegner. „Das ist eine der besten Mannschaften der Welt. Uns steht ein unglaubliches Highlight bevor“, beschreibt er dieses Traumlos. Es sei eine „unglaubliche Belohnung für die geleistete Arbeit aller“, ergänzt Ismael, der von einem ungleichen Duell spricht: „David gegen Goliath, hier 31 Millionen Euro Kaderwert, dort 800 Millionen.“ Doch seine Spieler hätten schon mehrfach bewiesen, so betont er weiter, dass sie jeden Gegner in Schwierigkeiten bringen könnten.

Werder Bremen-Ex-Spieler Valerien Ismael führt Linzer ASK als Trainer auf Platz eins in Österreich

Der Lauf spricht jedenfalls für die Niederösterreicher, die vor Red Bull Salzburg auf Platz eins der Liga stehen. Noch ist es ein weiter Weg über die Meisterrunde zum Titelgewinn, doch Linz hat eindrucksvoll Ambitionen angemeldet. Auch ein Verdienst des neuen Trainers. Im Sommer hat sich Ismael, davor bei Apollon Smyrnis in Griechenlands Metropole Athen tätig, für Linz entscheiden, „weil mir das Konzept zugesagt hat. Und weil ich gemerkt habe, dass die Verantwortlichen sich nicht haben beeinflussen lassen von den Dingen, die in Deutschland passiert sind.“

Als Nachfolger des heutigen Wolfsburgs Coaches Oliver Glasner hat sich der Deutsch-Franzose in gut acht Monaten bewährt. „Eine gute Basis, ein gutes System“ sei vorhanden gewesen, adelt Valerien Ismael die Vorarbeit seines Vorgängers. Sein Anteil am Erfolg: Er habe sich bemüht, die Elf auf die nächste Ebene zu führen. Getreu dieser Philosophie: den Linzer Pressingfußball um spielerische Lösungen zu erweitern, mehr Ballbesitzanteile zu schaffen, um den Anforderungen in der heimische Liga gerecht zu werden, wo sich die Gegner gegen den Favoriten Linzer ASK oft auf pures Zerstören und reine Abwehrarbeit beschränken.

Valerien Ismael in der Europa League mit Linzer ASK gegen Manchester United

Die Bundesliga verfolgt der in Straßburg geborene studierte Betriebswirt natürlich, die Zweite Liga weniger. Über den Werdegang von Hannover 96, wo er insgesamt fünf Jahre als Spieler und Funktionär engagiert gewesen ist, möchte er sich daher kein Urteil erlauben. Über Wolfsburg, wo er 2014 und 2016 zweimal die Reserve zur Meisterschaft in der Regionalliga Nord geführt hat, gestattet sich er sich schon eher eine Bemerkung. „Alles im grünen Bereich“, fasst er in Bezug auf die Vereinsfarben bildlich zusammen. „Ein sehr guter Start mit guten Resultaten, dann eine kleine Ergebniskrise, nun wieder erholt und auf Kurs.“

Auch der VfL ist im Europacup noch dabei. Im Falle eines beiderseitigem Weiterkommens, wünscht er sich ein Duell mit seinem Ex-Verein? Antwort: „Nun erst einmal ManU, das ist schon eine gewaltige Herausforderung, die wir vor der Brust haben.“

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