Werder Bremen gewöhnt sich allmählich an Geisterspiele - und merkt einige Auswirkungen auf das Spiel.
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Werder Bremen gewöhnt sich allmählich an Geisterspiele - und merkt einige Auswirkungen auf das Spiel.

Leere Kulisse verändert merklich das Spiel

Bremer Gewohnheitstiere: Werder hat sich schon an Geisterspiele gewöhnt

Drei Wochen Training im leeren Weserstadion, zwei Spiele ohne Zuschauer, darunter sogar endlich mal wieder ein Sieg: So langsam gewöhnt sich Werder Bremen an die Kulisse bei Geisterspielen. „Der Mensch gilt als Gewohnheitstier, deswegen ist es schon Normalität geworden, auch wenn es keine Normalität ist, die man sich wünscht“, sagt Frank Baumann.

Natürlich wünscht sich der Sportchef des SV Werder Bremen lieber Spiele vor Tausenden Fans, will aber „nicht jammern: Wir haben uns jetzt darauf eingestellt“, sagt Baumann. „Deswegen ist es wirklich ein Stück weit Gewöhnung geworden.“ Aber normal sind die Spiele deswegen noch lange nicht.

Werder Bremen: Geisterkulisse hat Auswirkungen auf das Spiel

Baumann erkennt einen direkten Einfluss der Geisterkulisse auf das Spiel, das würden auch die Daten belegen. „Grundsätzlich glaube ich, dass man erkennen kann, dass die Nettospielzeit höher geworden ist, die Spielfortsetzung schneller geht, dass es weniger hektisch ist, was sich teilweise aufs Spiel und den Umgang untereinander auswirkt, gerade was auch die Beziehung zum Schiedsrichter betrifft“, sagt Baumann. „Das sind Auswirkungen, die kein Zufall sind.“

Baumann ist sich außerdem sicher, dass es jetzt für Mannschaften schwieriger ist, Rückstände aufzuholen. „Ich glaube, man kann schon feststellen, dass es weniger Mannschaften schaffen, ohne ihre Fan-Unterstützung in ihr Spiel zurückzufinden“, sagt Baumann. Dass der 1. FC Köln gegen Fortuna Düsseldorf am Sonntag in den Schlussminuten noch nach 0:2-Rückstand ein Unentschieden holte, hält Baumann für eine Ausnahme.

Werder Bremen: Florian Kohfeldt merkt bei Geisterspielen Unterschiede in Stadien

Auch auf das Coaching von Florian Kohfeldt hat die Leere Auswirkungen. „Ich habe festgestellt, dass die Stadien einen großen Unterschied machen. Die Akustik in Freiburg war eine ganz andere als im Weserstadion“, sagt der Trainer vor dem Werder-Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Im Weserstadion kann Kohfeldt schreien, wie er will – auf der anderen Seite des Feldes komme davon nichts verständlich an. „In Freiburg war es ganz anders“, erklärt Kohfeldt. „Da war es schon möglich, über den ganzen Platz die Spieler zu erreichen. Ich glaube, dass es da rein von der Kommunikation wirklich Unterschiede in den Stadien gibt.“

Sein Coaching verändere er dadurch nicht, es werde durch die Stille im Stadion nur mehr wahrgenommen. Kohfeldt erkennt dabei sogar einen „netten Nebeneffekt“: „Ich finde es ganz gut, dass man merkt, dass Trainer nicht nur reinbrüllen, sondern auch fachliche Anweisungen geben, um das Spiel zu verbessern.“ (han)

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