Thomas Schaaf bekommt die Goldene Ehrennadel für 50 Jahre bei Werder Bremen. Doch die Trainer-Legende steht für eine offizielle Verleihung ebenso wenig zur Verfügung wie für eine Versöhnung.
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Thomas Schaaf bekommt die Goldene Ehrennadel für 50 Jahre bei Werder Bremen. Doch die Trainer-Legende steht für eine offizielle Verleihung ebenso wenig zur Verfügung wie für eine Versöhnung.

Vor der Mitgliederversammlung

Werder Bremen vergoldet Thomas Schaaf, eine Versöhnung gibt es aber nicht

Bremen – Es hätte ein wahrlich großer Moment bei der Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen am Sonntag im Konzerthaus „Die Glocke“ werden können, doch dafür ist die Zeit noch nicht reif. Denn das Verhältnis zwischen den Grün-Weißen und Thomas Schaaf bleibt angespannt. Der erfolgreichste Werderaner freut sich zwar darüber, dass er für seine 50-jährige Mitgliedschaft bei Werder die Goldene Ehrennadel bekommen soll, steht aber für eine offizielle Verleihung ebenso wenig zur Verfügung wie für eine Versöhnung. Die müsse aber unbedingt erreicht werden, wünscht sich derweil Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald.

„Thomas ist eine Vereinslegende und ich glaube: Das letzte Kapitel in der Geschichte Thomas Schaaf und Werder Bremen ist noch nicht geschrieben. So darf die Geschichte auch nicht enden“, fordert Hess-Grunewald im Gespräch mit der DeichStube, gesteht aber auch: „Frank Baumann und ich haben im Frühjahr 2022 ein langes Gespräch mit Thomas geführt. Da sind alle kritischen Punkte auf den Tisch gekommen. Thomas war enttäuscht und verärgert. Wir haben zumindest den Dialog wiedereröffnet. Danach gab es immer wieder mal Kontakt zwischen Frank und Thomas. Er war ja auch Coach beim Pizarro-Abschied. Es gibt Berührungspunkte. Aber wir sind noch lange nicht so weit, sagen zu können, alles ist wieder gut.“

Was war passiert? Im Juni 2021 hatte Werder Bremen nach dem Abstieg mitgeteilt, dass der Vertrag mit Thomas Schaaf als Technischer Direktor nicht verlängert wird – aus finanziellen Gründen, wie Sportchef Baumann damals in einer Mitteilung des Clubs verlauten ließ. Schaaf reagierte erbost, fühlte sich als Raffzahn dargestellt, woraufhin sich Baumann umgehend öffentlich entschuldigte.

Verfolgt die Mitgliederversammlung 2022 des SV Werder Bremen im DeichStube-Liveticker!

Thomas Schaaf ärgert sich weiter über sein Aus bei Werder Bremen: „Es bleibt ein Beigeschmack“

„Es war nicht schön, wie es geendet ist“, sagt Thomas Schaaf heute und betont: „Es bleibt ein Beigeschmack, weil es keine klare Richtigstellung gab. Es stehen immer noch Dinge im Raum.“ Da ist vor allem das Thema Geld. „Wenn es mir darum gegangen wäre, dann wäre ich gar nicht zu Werder zurückgekehrt. Ich hätte woanders viel mehr verdienen können.“ Und noch mehr ärgert den 61-Jährigen, dass Baumann ihm lediglich mitgeteilt habe, aus wirtschaftlichen Gründen kein Angebot zur Vertragsverlängerung machen zu können.

„Darüber hätte man doch reden können, da hätte es sicher eine Lösung gegeben“, sagt Schaaf. Dabei geht es ihm fast noch weniger um sich selbst als um seine Aufgabe: „Die Position des Technischen Direktors ist im heutigen Fußball immens wichtig. Es muss einer da sein, der sich beständig um die Philosophie und Qualität des Fußballs im Verein kümmert, dazu gehören auch die Ausbildung und das Training. Diese Person sollte nicht nur im Nachwuchsbereich angesiedelt sein, sondern muss auch in die Profi-Abteilung reinreichen.“ Bis heute verzichtet Werder Bremen auf einen Schaaf-Nachfolger, soll aber nach dem Aufstieg wieder auf der Suche sein.

Ist das Verhältnis von Thomas Schaaf und Werder Bremen noch zu retten? - Schaaf: „Ist das wirklich wichtig?“

Thomas Schaaf spielt dabei keine Rolle, er würde auch nicht zurückkehren. Die Enttäuschung ist noch viel zu groß. Das liegt auch an seiner besonderen Rolle beim Abstieg. Die ist ihm quasi aufgezwängt worden. Nach der extrem späten Entlassung von Chefcoach Florian Kohfeldt am vorletzten Bundesliga-Spieltag wurde Schaaf bekniet, als Retter einzuspringen. Er riskierte bei dem Himmelfahrtskommando durchaus seinen Ruf, zeigte sich extrem engagiert – und konnte den Abstieg trotzdem nicht verhindern. Ein paar Wochen später schickte ihn Werder Bremen fort. „Warum hat man sich so verhalten?“, fragt Schaaf: „Was war die Triebfeder?“

Gerne hätte er Antworten darauf bekommen, inzwischen ist es ihm fast egal. „Ich muss das nicht mehr herausfinden, es gibt wichtigere Dinge in meinem Leben.“ Ähnlich antwortet er auch auf die Frage, ob das Verhältnis zwischen ihm und Werder Bremen noch mal zu kitten sei: „Ist das wirklich wichtig? Für Werder? Für mich? Da gibt es für alle wichtigere Dinge.“

Goldene Ehrennadel für 50 Jahre bei Werder Bremen - aber Thomas Schaaf bleibt der Mitgliederversammlung fern

Hubertus Hess-Grunewald sieht das etwas anders und ist auch optimistisch: „Thomas gehört einfach zu Werder. Ich bin mir sicher, dass wir da perspektivisch wieder zueinanderfinden werden.“ Als Erstes zur Übergabe der Goldenen Ehrennadel, die soll Thomas Schaaf nicht einfach nur zugeschickt werden. „Da werden wir einen passenden Anlass finden“, so Hess-Grunewald.

Die Frage ist nur, ob Schaaf das auch will. Seine Teilnahme an der Mitgliederversammlung musste er wegen eines anderen Termins absagen. „Wahrscheinlich wäre ich auch nicht gekommen“, gibt er zu. Über die Auszeichnung an sich freut sich Schaaf aber sehr, obwohl er mit Werder Bremen so viele andere wichtige Trophäen als Spieler und Trainer gewonnen hat. „50 Jahre in einem Verein zu sein, das erschreckt mich erst mal“, sagt Thomas Schaaf und lacht: „Denn das zeigt, wie schnell die Zeit vergangen ist.“ Ganz ernst fügt er dann noch an: „So eine lange Zeit in einem Verein bedeutet, dass es viele Ereignisse gab – und es waren viel mehr positive als negative. Es hat eben sehr viel gepasst, erst als Spieler dann als Trainer. Das ist außergewöhnlich und das kann einem keiner nehmen.“ (kni)

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