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Weil Niklas Schmidt es in puncto Professionalität „auch mal schleifen lässt“, hat er vorerst keine Chance auf den Sprung ins Profi-Team.

Baumann spricht über die Zukunft des Talents

Verkaufen oder verleihen? Schmidt wird gehen

Bremen - Es war sein Eckball, den Theodor Gebre Selassie per Kopf zum 2:1-Siegtreffer gegen Wolfsburg ins Netz drückte: Niklas Schmidt hatte mit seiner Vorarbeit dafür gesorgt, dass der SV Werder am fünften Spieltag der Saison 2016/17 endlich Punkte bekam und die Rote Laterne abgab.

Was für eine gelungene Bundesliga-Premiere des damals 19-Jährigen und eigentlich ein guter Startschuss für eine persönliche Erfolgsgeschichte. Doch 19 Monate später sieht es ganz anders aus. Schmidt ist nur noch auf dem Papier ein Profi, er soll verliehen oder sogar verkauft werden.

„Dass er richtig gut Fußball spielen kann, steht außer Frage“, sagt Sportchef Frank Baumann: „Das hat er auch in dieser Saison gezeigt.“ Allerdings nur in der Dritten Liga und das dabei auch eher selten. „Wir dürfen nicht vergessen, dass er noch jung ist“, schiebt Baumann gleich hinterher. Der Ex-Profi will den inzwischen 20-Jährigen erst einmal schützen. Das ist verständlich.

Probleme, sein Gewicht zu halten

Doch im Laufe des Gesprächs mit der DeichStube lässt die Rückendeckung etwas nach. Das liegt an einer ganz besonderen Problematik im Fall Schmidt. Schon immer hatte der talentierte Offensivspieler Probleme, sein Gewicht zu halten. In der Jugend wirkte sich das auf dem Platz kaum negativ aus, dank seines großen Talents war Schmidt den Gegnern meistens trotzdem überlegen. Im Herren-Bereich änderte sich das, aber Schmidt änderte sich nicht. Richtig offensichtlich wurde dies vor knapp einem Jahr, als der Angreifer mit Übergewicht aus dem Urlaub zum Trainingsauftakt erschien. 

Teamkollege Robert Bauer stellte ihn bei einer öffentlichen Einheit mit einer wüsten Beschimpfung bloß. Schmidt bekam ein eigenes Fitnessprogramm verordnet – und durfte schließlich nur noch mit der U23 trainieren.

Robert Bauer hatte Teamkollege Niklas Schmidt im Juli letzten Jahres öffentlich angezählt, weil dieser angeblich mit Übergewicht aus dem Urlaub zurückgekehrt war.

„Es gibt Phasen, in denen Niklas über Monate gut dabei ist“, sagt Baumann über Schmidts Fitnesszustand: „Aber dann lässt er es auch mal wieder schleifen, sich professionell zu verhalten. Da kann er sich noch verbessern.“ Das sind mehr als deutliche Worte. Und es klingt schon ein bisschen resignierend, weil Werder viel versucht, dem Spieler viele Hilfen angeboten hat. Letztlich ohne den gewünschten Erfolg.

Für den Profi-Kader ist Schmidt kein Thema

27 Mal kam Schmidt in dieser Saison in der Dritten Liga zum Einsatz, 17 Mal davon in der Startelf. Zwei Tore und vier Assists stehen auf seinem Konto. Das war auch von ihm zu wenig, um mit der U23 eine Chance auf den Klassenerhalt zu haben. Es geht runter in die Regionalliga – ohne Schmidt. Baumann glaubt zwar, dass die Regionalliga dem 20-Jährigen guttun könnte, weil es dort für ihn als Offensivspieler einfacher sein dürfte, aber Spieler und Berater würden eher nach einer Zukunft in der Dritten oder gerne auch Zweiten Liga streben. 

Werder-Sportchef Frank Baumann.

Grundsätzlich traut Baumann dem großen Talent schon mehr als die Regionalliga zu, aber dann müssten sich die Wege trennen. Für den Profi-Kader und damit für die Bundesliga ist Schmidt kein Thema. Sein Vertrag läuft noch ein Jahr. „Wir müssen gucken, ob wir ihn verleihen oder verkaufen“, sagt Baumann. Eine Ausleihe wäre allerdings nur möglich, wenn vorher der Vertrag mit Schmidt verlängert würde. Ob das Werder nach der Vorgeschichte noch mal macht? Baumann lässt es offen, verweist lieber darauf, dass es für Schmidt „einige Interessenten gibt“.

Schmidt schweigt

In den nächsten Wochen sollen Gespräche mit Schmidt und dessen Berater für Klarheit sorgen. Und was sagt der Spieler? Nichts! Der 20-Jährige schweigt, lehnt Interviewwünsche ab. Dabei hatte er gerade durchaus ein kleines Hoch, sammelte in den vergangenen drei Partien vier Assists und zeigte auch sonst seine Qualitäten. Es ist schon bemerkenswert, was für lange Bälle Schmidt spielen kann, welches Auge, welches Gespür er für die Situation besitzt. Ein bisschen erinnert er dabei an Max Kruse. 

Vielleicht gar kein so schlechter Vergleich: Kruse konnte sich als Talent bei Werder ebenfalls nicht durchsetzen, verließ Werder 2009 als 21-Jähriger nach genau einem Bundesligaspiel und einem Assist Richtung FC St. Pauli in die Zweite Liga. Er wurde trotzdem ein Bundesliga-Star und kehrte schließlich nach Bremen zurück.

Niklas Schmidt: Seine Karriere in Bildern

Niklas Schmidt
Als 14-Jähriger wechselte Niklas Schmidt von Rot-Weiß Erfurt zu Werder Bremen und durchlief dort die Jugendmannschaften. © nordphoto
Niklas Schmidt
Schon als er noch für die U19 auflief, durfte Schmidt immer wieder bei den Profis trainieren. © nordphoto
Niklas Schmidt
Ab Sommer 2016 stand er im Kader der U23 und unterschrieb seine Vertragsverlängerung. Zuvor hatte Schmidt in der A-Junioren-Bundesliga in 23 Spielen 17 Tore erzielt. © nordphoto
Niklas Schmidt
Bei der U23 war er in der Saison 2016/17 direkt Stammspieler, er verpasste nur wenige Partien, meist weil er im Profikader stand. Dort kam er im September 2016 gegen Wolfsburg zu seinem ersten kurzen Einsatz in der Bundesliga. © nordphoto
Niklas Schmidt
Auf der Jahreshauptversammlung im selben Jahr wurde Schmidt für 25 Berufungen in die Junioren-Nationalmannschaften geehrt.  © Gumz
Niklas Schmidt
Für die U23 traf er 2016/17 hier gegen Fortuna Köln und gegen den FSV Frankfurt. © nordphoto
Niklas Schmidt
Mit den Profis reiste er dann zur Vorbereitung auf die Saison 2017/18 ins Trainingslager... © nordphoto
Niklas Schmidt
...und stand in Testspielen auf dem Platz. © Gumz
Niklas Schmidt
Seinen Stammplatz bei Werders U23 verlor Schmidt zu Saisonbeginn, konnte sich aber im Verlauf der Hinrunde wieder herankämpfen. © nordphoto
Niklas Schmidt
Im Training der Profis war er auch 2017/18 immer wieder vertreten, für eine Kadernominierung reichte es zu Beginn der Hinrunde allerdings nicht. © nordphoto

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