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Der neue mit der Nummer 19: Stürmer Yuning Zhang.

Chinesischer Stürmer für zwei Jahre ausgeliehen / Angreifer-Suche geht trotzdem weiter

Sturm und Zhang

Bremen - Alexander Nouri hat da im Februar diesen einen Satz gesagt, der ihn jetzt gewissermaßen wieder einholt. Der plötzlich wieder ganz gut passt. Es war ein schöner Satz, zurechtgelegt, pointiert, bezogen auf Werders sportlichen Auftritte zu jenem Zeitpunkt. „Wer Perfektion erleben will, der muss in den chinesischen Staatszirkus gehen“, hatte Nouri damals betont.

Heute, fünf Monate nach dieser Ansage, steht Werders Spiel zwar noch immer nicht für zirkusreife Showeinlagen – dafür ist aber die Verbindung des Clubs nach China deutlich enger geworden. Die Bremer stellten gestern nicht nur ihren ersten Sponsor aus dem Reich der Mitte vor, sondern gaben zudem die Verpflichtung des Stürmers Yuning Zhang bekannt. Der neue Mann kommt per Leihe für zwei Jahre an die Weser – es ist ein Geschäft, bei dem der Marketing-Gedanke größer sein dürfte als die sportliche Hoffnung.

Zhang ist 20 Jahre alt, hat neun A-Länderspiele für sein Heimatland absolviert – und liefert mit seinem Wechsel zu Werder eine Art Musterbeispiel dafür, wie globalisiert das Fußballgeschäft mittlerweile gestrickt ist. Gespielt hat der Angreifer zuletzt für Vitesse Arnheim in der ersten niederländischen Liga. 2015 war er vom chinesischen Zweitligisten Hangzhou Greentown nach Europa transferiert worden. 

„Einen Transfer in dieser Größenordnung können wir uns nicht leisten“

Werder leiht Zhang allerdings nicht von Vitesse aus – sondern von West Bromwich Albion aus der englischen Premier-League, das den Stürmer gerade erst verpflichtet hat. Angeblich soll der Club, der dem chinesischen Investor Guochuan Lai gehört, eine sehr hohe Ablösesumme für den Spieler bezahlt haben. „Dass wir ihn nur leihen, hat finanzielle Gründe“, sagte Werders Sportchef Frank Baumann – und stellte klar: „Einen Transfer in dieser Größenordnung können wir uns nicht leisten“.

Yuning Zhang bei der Vertragsunterzeichnung mit Frank Baumann

Da Zhang für England noch keine Spielerlaubnis besitzt, parkt ihn West Brom an der Weser, was Baumann freut. „Yuning ist ein junger, talentierter Spieler, den wir weiter ausbilden und an das Bundesliga-Niveau Stück für Stück heranführen werden“, sagte der 41-Jährige, der die Zweifel am sportlichen Sinn der Verpflichtung mit diesem Statement nicht ausräumen konnte. 

„Er ist kein Spieler, der die Bundesliga direkt rocken wird“

Zwar gilt Zhang in China als große Nummer, ist in seiner Heimat ein Star – schon bei Vitesse war er es aber nicht mehr. Dort brachte es der Stürmer seit Februar 2016 lediglich auf 24 Einsätze in der Eredivisie. „Yuning wird bei uns ein Herausforderer sein“, erklärte Baumann, „er hat sich schon in den letzten Jahren gegen das große Geld in China und für eine Ausbildung in Europa entschieden“. 

Dass die noch lange nicht abgeschlossen ist, ist Baumann klar. „Er ist kein Spieler, der die Bundesliga direkt rocken wird“, sagte der Sportchef, der weiter nach einem neuen Mittelstürmer fahndet. Zhang ist also nicht der Mann, der die Pizarro-Planstelle neu besetzt.

Derzeit ist Werder noch darum bemüht, eine Spielberechtigung für die Dritte Liga für den 20-Jährigen zu bekommen, damit er auch für die U 23 auflaufen kann. Generell soll Zhang aber fest zum Profi-Kader zählen. „Er ist ein spannender Junge und hat unsere Fantasie angeregt“, sagte Trainer Alexander Nouri.

Was Zhang in jedem Fall auch anregen soll, ist Werders Bekanntheitsgrad auf dem asiatischen Markt. Sehr wahrscheinlich, dass in China künftig groß über den SVW berichtet wird, dass Journalisten aus dem Reich der Mitte dem Talent hinterherreisen – was die Marke Werder zweifellos aufwertet. 

Unter dem Strich dürfte es also zweitrangig sein, ob Zhang sportlich einschlägt oder nicht. Wenn ja, gut. Wenn nicht, hat Werder keinen Verlust gemacht. Nach Informationen der DeichStube kann der Verein das Gehalt, das der Stürmer in den zwei Jahren kostet, komplett refinanzieren. 

Frank Baumann blieb aber dabei: „Die Entscheidung ist in erster Linie eine sportliche.“ Dann räumte er jedoch ein: „In dritter oder vierter Linie ist natürlich auch der Gedanke an die Internationalisierung mit dabei.“

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