Gonzalo Catsro lobt vor dem Spiel des VfB Stuttgart gegen den SV Werder Bremen die Spielweise der Grün-Weißen.
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Gonzalo Catsro lobt vor dem Spiel des VfB Stuttgart gegen den SV Werder Bremen die Spielweise der Grün-Weißen.

Vor dem Duell am Ostersonntag

VfB-Kapitän Castro im Interview: „Werder spielt sehr effektiv“

„Gonzo“ wird er in der Branche gerufen. Seit 2005 zählt Gonzalo Castro zu den bekanntesten Bundesliga-Profis, zunächst bei Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund, seit 2018 nun beim VfB Stuttgart. Der Ex-Nationalspieler schaffte mit den Schwaben den sofortigen Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse und zählt zum Stammpersonal des Neulings. Werder Bremen bescheinigt der 33-Jährige im Gespräch mit der Deichstube eine „effektive Spielweise“ nach den durch Trainer Florian Kohfeldt erfolgten Umstellungen.

Für Castro ist Ömer Toprak, der frühere Kollege aus Leverkusen, „der Führungsspieler, an dem sich die Kollegen orientieren und aufrichten können.“ Castro spricht vor dem Duell gegen Werder Bremen am Sonntag über den Stuttgarter Offensivfußball, das Lob aus der Liga, die Perspektive Europa, sowie seine Pläne.

Stuttgart spielt eine fantastische Saison, gilt als bester Aufsteiger seit langem. Sind Sie darauf stolz?

Natürlich, weil es der Beleg dafür ist, dass wir gut gearbeitet haben - übrigens auch schon in der letzten Saison beim sofortigen Wiederaufstieg aus der 2. Liga. Es war in dieser Form nicht zu erwarten, dass wir so früh mit dem Abstiegskampf praktisch nichts mehr zu tun zu haben. Es ist sehr erfreulich, dass wir so rechtzeitig dafür gesorgt haben, dass wir in Ruhe weiterarbeiten können.

Ihr Mitspieler Sasa Kalajdzic hat geäußert, er habe in dieser Spielzeit nie das Gefühl gehabt, dass der VfB noch abrutschen könnte in der Tabelle. Hatten Sie solche Befürchtungen?

Nein, weil wir uns gut präsentiert haben, in jeder Hinsicht gefestigt waren. Dazu kommt eine überragende Moral und eine optimale Zusammenarbeit mit dem Trainerteam. Wir haben eine klare Vorstellung, wie wir in der Bundesliga auftreten wollen und wie wir unsere Spielidee umsetzen möchten.

Für diese Spielidee, die verkörpert wird durch attraktiven Offensivfußball, werden sie allerorten gelobt. Zählen diese Komplimente genau so wie der augenblickliche Punkte- und Tabellenstand?

Sicherlich. Mit unseren schnellen Außenspielern im Kader können wir entsprechend agieren. Wobei ich betonen möchte: Bei aller Attraktivität der Spielweise kommt es letztlich auf den Erfolg an, es müssen Punkte gesammelt werden. Das ist uns zum Glück gelungen.

Stimmen Sie zu, dass Stuttgart noch einige Punkte hat liegen lassen im Laufe der Spielzeit?

Wir haben in der Tat das eine oder andere Spiel unnötigerweise aus der Hand gegeben, so auch Punkte verschenkt. Doch es ist nun mal nicht zu ändern. Und: Nun dem nachzutrauern wäre ein Meckern auf hohem Niveau.

VfB-Kapitän Castro lobt die Spielweise von Werder Bremen

Werder Bremen, der nächste Gegner, steht in der fußballerischen Ausrichtung für das genaue Gegenteil. Bremen setzt auf Sicherheit, nicht auf Schönheit in der Darbietung. Wie bewerten Sie die Spielweise der Bremer?

Sie haben einiges geändert in dieser Saison, agieren oft mit einer Fünferkette. Damit sind sie erfolgreich und haben so die Grundlage gelegt, um den Klassenerhalt zu schaffen. Werder spielt sehr effektiv.

Die Lage in Stuttgart: 13 Punkte Vorsprung vor dem Relegationsplatz, nur zwei Punkte Rückstand auf Platz 7, der eventuell die Berechtigung für die Teilnahme am internationalen Geschäft verspricht. Ist Europa das neue Ziel in Stuttgart?

Natürlich kommen nach unseren bisherigen Ergebnissen nun diese Fragen auf. Wir wollen aber weiter von Spiel zu Spiel denken und uns als Mannschaft weiterentwickeln.

Zuletzt gab es eine Enttäuschung beim 0:4 gegen Bayern München, trotz einer Überzahl für fast 80 Minuten. Ein Rückschlag?

Wir hätten in dieser Partie nach dem frühen Platzverweis für die Bayern anders auftreten müssen. Das wissen wir, und das haben wir eingehend analysiert. Doch diese Niederlage gegen die Münchner, für mich momentan die beste Mannschaft der Welt, wirft uns nicht aus der Bahn.

VfB Stuttgart muss gegen Werder Bremen auf wichtige Trio verzichten

Aktuell gibt es Personalsorgen. Silas Wamangituka fällt mit einem Kreuzbandriss aus, Nicolas Gonzalez und Orel Mangala fehlen jeweils wegen eines Muskelfaserriss. Schwerwiegende Verluste für die Elf?

Jeder Verletzte ist ein Verlust, doch wir besitzen einen breiten Kader. Die Jungen, die hinten dran stehen, können einspringen. Ich vertraue ihnen.

Mit 33 Jahren sind Sie einer der Älteren in einem Team mit vielen jungen Profis stehen. Seit einem Jahr tragen Sie die Kapitänsbinde. Fühlen Sie sich als Anführer der „jungen Wilden“?

Ich mag das Wort Anführer nicht, doch es ist schon so, dass ich diese Rolle gerne einnehme. So sieht es auch wohl unser Trainer, so dass er mich zum Spielführer gemacht hat. Ich verstehe meine Aufgabe so: Ich will mit meiner Erfahrung für die Jungen da sein, wenn sie mich brauchen und um Rat fragen – gerade auch in Zeiten, wenn es nicht so gut läuft.

Ömer Toprak und Sie haben einst gemeinsam für Bayer Leverkusen gespielt. Ist er der Leitwolf in Bremen?

Ömer hat auf jeden Fall das Zeug dazu. Er war leider häufig verletzt, was ihn aus dem Rhythmus gebracht hat. Doch in der Rückrunde spielt er regelmäßig - und er hat sich stabilisiert. Ömer ist nun der Führungsspieler, der die Richtung vorgibt und an dem sich die Kollegen orientieren und aufrichten können.

Sie befinden sich auf der Zielgeraden Ihrer Karriere. Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Was wird passieren?

Die Gespräche laufen. Der Club und ich, wir sehen es entspannt. Beide Seiten machen sich keinen großen Druck.

Unlängst haben Sie erklärt, dass Ihr Körper wohl noch mitmacht. Werden Sie verlängern?

Mindestens ein Jahr noch zu spielen, das bekomme ich hin.

Ihr Traum, wegen Ihrer familiären Wurzeln mal nach Spanien zu wechseln, lässt sich nicht mehr erfüllen. Ärgert Sie, dass es mit dem Wechsel dorthin nicht geklappt hat?

Es hat nicht sollen sein, es hatte Gründe. Mein Wunsch hat sich insofern nicht realisieren lassen, doch ich bin auch so mit meiner Karriere sehr zufrieden.

Pokalsieg mit Dortmund 2017, Europameisterschaft mit der U21 2009. Aus dieser Meistermannschaft der DFB-Junioren haben Mitspieler wie Hummels, Boateng oder Özil beachtenswerte Weltkarrieren gefeiert. Bei Ihnen stehen nur fünf A-Länderspiele zu Buche. Wäre mehr drin gewesen?

Damit halte ich mich nicht auf. Dinge, die in der Vergangenheit liegen und nicht mehr zu ändern sind, beschäftigen mich nicht.

Die DFL plant, in der Schlussphase der Saison ein Quarantäne-Trainingslager zu organisieren. Was halten Sie von derartigen Plänen?

Wir werden uns nach den Vorgaben richten. Ich hoffe, dass ein solches Quarantäne-Trainingslager nicht notwendig sein wird.

In seinem zusammen mit Bruder Felix veröffentlichen Podcast hat Nationalspieler Toni Kroos, ihr ehemaliger Kollege aus Leverkusen, sich kritisch über die Vergabe der WM nach Katar geäußert und sich klar positioniert. Ihr Kommentar zu diesem Thema!

Wenn es so ist, wie man hört und liest, wenn die Zustände in Katar so sind wie beschrieben in Bezug auf die Menschenrechte, ist es sicherlich diskussionswürdig, dort eine Weltmeisterschaft zu spielen. Doch ich stimme Joshua Kimmich zu: Das kommt alles zehn Jahre zu spät.

Seit Beginn der Pandemie hat sich das Image des Profifußballs rapide verschlechtert. Wie sehen Sie die diskutierte Entfremdung von der Basis und den Fans sowie die wachsende Kommerzialisierung?

Der Profifußball ist durch Corona stark beeinträchtigt. Zum Glück konnten wir spielen, leider ohne Zuschauer, ansonsten wäre das Modell kollabiert. Ich sehe auch den schmalen Grat, auf dem sich der Profifußball bewegt. Mein Eindruck, nachdem ich über ein Jahrzehnt das Geschäft erlebt habe: Der Fußball darf den Kontakt zu den Fans nicht verlieren.

Auch interessant: Verfolgt das Gastspiel des SV Werder Bremen gegen den VfB Stuttgart im Liveticker der DeichStube. In unserem TV-Guide erfahrt ihr, wie ihr das Spiel von Werder Bremen gegen den VfB Stuttgart live im TV und Live-Stream sehen könnt. Und so könnte die Startelf-Aufstellung von Werder Bremen gegen den VfB Stuttgart aussehen.

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