Im DeichStube-Interview lobt Guido Buchwald die Veränderungen beim VfB Stuttgart, schwärmt von Werder Bremen - hat aber auch eine Warnung für den SVW.
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Im DeichStube-Interview lobt Guido Buchwald die Veränderungen beim VfB Stuttgart, schwärmt von Werder Bremen - hat aber auch eine Warnung für den SVW.

Vor Werder gegen Stuttgart

Stuttgart-Legende Guido Buchwald im DeichStube-Interview: „Werder muss aufpassen“

Am Sonntag (15.30 Uhr) tritt der SV Werder Bremen beim VfB Stuttgart an. Vor dem Bundesliga-Spiel hat die DeichStube im Interview mit VfB-Legende Guido Buchwald über das anstehende Duell und die beiden Clubs gesprochen.

Stuttgart – Er ist eine Legende beim VfB Stuttgart: Guido Buchwald. Der Weltmeister von 1990 hat nicht nur erfolgreich für die Schwaben gespielt, sondern auch für seinen Herzensclub gearbeitet. Inzwischen hat sich der 62-Jährige aus dem Fußball-Geschäft zurückgezogen, verfolgt das Geschehen aber natürlich noch intensiv und freut sich auf das Duell VfB Stuttgart gegen Werder Bremen am Sonntag (15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker). Im Interview mit der DeichStube lobt Buchwald die Veränderungen beim VfB, schwärmt von Werder und Niclas Füllkrug, warnt die Grün-Weißen aber auch.

Wie sehen Sie die Situation beim VfB Stuttgart, Guido Buchwald?

Bis vor wenigen Wochen hatte ich noch richtig Angst um meinen früheren Verein. Doch nun haben die Verantwortlichen einige richtige Entscheidungen getroffen. Die Personalwechsel kamen zur rechten Zeit und sie sind durchdacht: Fabian Wohlgemuth als neuer Manager, Bruno Labbadia als neuer Trainer - es macht Sinn. Dadurch bin ich nun wieder optimistischer. Die Lage hat sich enorm verbessert. Ich bin nun zuversichtlich, dass der VfB wieder die Kurve kriegt.

Vor VfB Stuttgart gegen Werder Bremen: Guido Buchwald ist „zuversichtlich, dass der VfB Stuttgart die Kurve kriegt“

Alles Wechsel, die entscheidend sein können für die erhoffte Wende im Schwabenland?

Ja! Dazu kommt noch der positive Effekt, indem ehemalige Stuttgarter reaktiviert wurden. Mit Sami Khedira, der seit Sommer als sportlicher Berater tätig ist, und Christian Gentner, der für die Lizenzspieler zuständig ist, hat man sich enorme Kompetenz dazu geholt. Es soll ein Fingerzeig sein, dass der VfB, bekannt für seine gute Nachwuchsarbeit, nun wieder verstärkt auf die Jugend setzen will.

Vor einiger Zeit zählten Sie auch mal zum Kompetenzteam - als Scout und Verantwortlicher für die Internationalsierung. Warum ist dieses Kapitel 2019 beendet worden?

Es hat riesigen Spaß gemacht, ich war für den asiatischen Raum verantwortlich. Es wurde einiges in die Wege geleitet. Doch die damaligen Verantwortlichen haben sich nicht getraut weiterzumachen. Auch zu jener Zeit lief sportlich nicht alles rund, so dass andere Prioritäten gesetzt wurden. 

Veränderungen gab es aktuell auch im Kader. Wie bewerten Sie diese Maßnahmen?

Aus meiner Sicht waren es richtige Entscheidungen. Ich finde vor allem gut, dass Genki Haraguchi geholt worden ist. Auch der Transfer des Portugiesen Gil Dias von Benfica Lissabon ist recht vielversprechend. Wie wichtig beide Neuzugänge sein können, hat bereits ihr erster Einsatz beim Pokalspiel in Paderborn gezeigt. Es sind eindeutige Verstärkungen für die junge VfB-Elf, die diese Erfahrung auch benötigt.

Guido Buchwald vor VfB Stuttgart gegen Werder Bremen: „Verkauf von Naouirou Ahamada war wohl alternativlos“

Qualität wurde geholt, aber Qualität wurde auch verloren. Naouirou Ahamada ist in die Premier League
zu Crystal Palace gewechselt. Ein herber Verlust?

Na klar, er war unumstrittener Stammspieler. Dieser Verkauf ist natürlich der finanziellen Situation geschuldet. Es war wohl alternativlos, weil die englischen Clubs Summen zahlen, durch die die wirtschaftlichen Argumente die sportlichen Überlegungen verdrängen.

Der Verkauf war ein tolles Geschäft für den VfB, der zwölf Millionen Euro für einen Profi bekommen hat, der vor drei Jahren 1,5 Millionen gekostet hat. Ohne dieses Geld wären die anderen Einkäufe wohl kaum machbar gewesen.

So sieht es leider aus.

Bruno Labbadia hat sich einen Ruf als Feuerwerhmann erarbeitet. Glauben Sie, dass er dies erneut bestätigen kann?

Auf jeden Fall wird er gute Arbeit leisten. Aber ist er ein Feuerwehrmann? Ein Feuerwehrmann ist für mich einer, der die letzten sechs Spiele agiert. So ähnlich, wie es Felix Magath zuletzt bei Hertha BSC gemacht hat. Bruno hat schon auch längerfristig Mannschaften hervorragend betreut. Mit seiner Art bringt er richtig Feuer in eine Truppe. Die Stuttgarter wollten einen neuen Impuls schaffen, als sie Ende der Hinserie einen neuen Trainer geholt haben. Der Gedanke dabei zielt mittel- und langfristig auf einen Neuaufbau. Auch wenn die Resultate noch nicht entsprechend sind, es hat sich schon etwas bewegt.

So könnte die Startelf-Aufstellung von Werder Bremen gegen den VfB Stuttgart aussehen!

Der VfB steht in der Bundesliga um einiges schlechter da als Werder Bremen, hat acht Punkte weniger auf dem Konto. Hat Sie der Aufsteiger bislang überrascht?

Ich erinnere an das Hinspiel, das 2:2 am zweiten Spieltag im Weserstadion. Der VfB war besser als Bremen, hat kurz vor Schluss erst den Ausgleich kassiert - aus dem Nichts heraus. Da habe ich gedacht: Okay, Werder wird es in dieser Saison schwer haben. Doch es ist anders gekommen. Viel Respekt und Anerkennung für die Bremer. Wie sie es geschafft haben, mit diesem Trainer und diesem Teamspirit wieder in der höchsten Spielklasse auf Augenhöhe zu kommen, das ist schon bewundernswert. So muss es ein Traditionsclub machen, nach dem Abstieg einen Neuaufbau in aller Ruhe, aber dennochrelativ schnell wieder hinzubekommen. Werder hat sich so wieder in der Bundesliga etabliert.

VfB Stuttgart-Legende Guido Buchwald: „Werder Bremen muss aufpassen, darf sich nicht zu sicher sein“

Der Klassenerhalt winkt. Wird Werder Bremen noch mal in den Abstiegskampf verwickelt?

Die Bundesliga ist unberechenbar. Niemand ab Platz zehn kann sich sicher sein. Es besteht für alle die Gefahr, doch noch ganz nach unten zu rutschen. Werder hat zwar schon 24 Punkte, aber das ist nicht mehr als die halbe Miete, wie es so schön heißt. Werder muss aufpassen, darf sich nicht zu sicher sein.

Werder Bremen hat einen Neuaufbau hinbekommen. Ist Werder in dieser Hinsicht ein Vorbild für den VfB?

Werder hat es in der 2. Liga geschafft. Einen Abstieg wünsche ich dem VfB natürlich nicht. Der VfB muss einfach oben bleiben. Und der Verein hat auch genügend Potenzial, die Klasse zu halten. Es ist auch möglich, den Neuaufbau zu starten, ohne den Abstieg verkraften zu müssen. Insofern kann der Werder-Weg ein Modell für Stuttgart sein.

Lassen Sie uns über den Spieler der Stunde bei Werder Bremen und womöglich in ganz Deutschland reden: Niclas Füllkrug. Was sagen Sie über seine Entwicklung?

Ein junger Spieler ist er ja nicht mehr. Schon immer hat er seine Leistung gebracht - als typischer Neuner, als Strafraumstürmer,
jederzeit brandgefährlich. Doch mit Werder hat es nun noch besser gepasst. Er agiert mit mehr Selbstvertrauen, das System kommt ihm zugute. Toll, wie er gegenwärtig sein Potenzial ausschöpft. Der VfB weiß: Füllkrug ist der Mann, der ausgeschaltet werden muss, wenn man gewinnen möchte.

VfB Stuttgart-Legende Guido Buchwald über Werder Bremens Niclas Füllkrug: „Solche Spielertypen haben wir kaum“

Wie bewerten Sie Füllkrugs Perspektive in der Nationalelf?

Solche Spielertypen haben wir halt kaum. Füllkrug hat also immer die reelle Chance, im Kader zu sein. Fraglich ist, ob er immer von Anfang an spielen sollte. Hansi Flick wird sich schon seine Gedanken machen. Zumal im Aufgebot sehr viele gute Offensivspieler stehen. Füllkrugs großes Plus: Ich sehe kaum eine Alternative in seiner Rolle als typischer Neuner.

So sehen Fans das Bundesliga-Spiel zwischen Werder Bremen und dem VfB Stuttgart live im TV und im Livestream!

Werden Sie eigentlich noch immer mit Ihrem Spitznamen Diego gerufen?

Das kommt schon häufiger noch vor. Der Name hält sich.

Vor dem Duell gegen Werder Bremen: VfB Stuttgart-Legende Guido Buchwald sieht sich nicht als Volksheld in Japan

Der Spitzname ist entstanden, weil Sie im WM-Finale 1990 den großen Diego Maradona ausgeschaltet haben. Zwei Jahre zuvor vollbrachte ein Ex-Bremer das gleiche Kunststück. Uli Borowka legte den verstorbenen Ausnahmespieler
ebenfalls an die Kette. Wer war besser in diesen Duellen - Uli, die Axt, oder ,Diego‘ Buchwald?

An die Partie mit Uli Borowka kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß nur eins: In Italien war ich in einer Topform. Das Endspiel war ein Highlight für mich. Ich habe die Aufgabe ganz gut bewältigt.

Und in Japan ist Guido-San immer noch ein Volksheld?

Volksheld? Ich weiß nicht. Doch bei meinem Verein, den Urawa Red Diamonds, werde ich schon geschätzt. Ich hatte dort in dreieinhalb Jahren als Trainer viel Erfolg, habe Titel geholt, was vorher keinem gelungen ist. Das vergessen die Japaner natürlich nicht.

Sind Sie noch häufig in Japan? Wann waren Sie das letzte Mal dort?

Seit der Pandemie nicht mehr. Zuvor bin ich regelmäßig dorthin geflogen - so drei- bis viermal pro Jahr. (hgk)

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