Waldemar Anton vom VfB Stuttgart nimmt in einem Bundesliga-Spiel den Ball an.
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Waldemar Anton spielt am Sonntag mit dem VfB Stuttgart gegen Werder Bremen.

Vor dem 10. Bundesliga-Spieltag

„Der Fortschritt ist unverkennbar“ - Waldemar Anton im Interview über Werder Bremen und Stuttgart

Waldemar Anton, Abwehrspieler in Diensten des VfB Stuttgart, spricht im DeichStube-Interview über das anstehende Spiel gegen den SV Werder Bremen, die Ausfälle von Milot Rashica und Daniel Didavi, seinen Wechsel zu den Schwaben und mögliche Nationalmannschafts-Ambitionen.

Beobachter des Fußballs sprechen von einem Phänomen, das sie Bayern-Bonus nennen. Gibt es diesen, Waldemar Anton?

Sie spielen auf unser letztes Spiel gegen Bayern München an.

Natürlich, weil es zwei Entscheidungen gab, die Trainer Pellegrino Matarazzo und Sportdirektor Sven Mislintat ansprachen. Ist der VfB benachteiligt worden?

Von einem Bayern-Bonus würde ich nicht sprechen, doch es war schon so, dass die Situationen hätten auch anders bewertet werden können – zu unseren Gunsten. Am Ende hilft es uns nicht, uns darüber einen Kopf zu machen.

Dennoch: Ist inzwischen der Ärger verflogen, gegen die gemeinhin übermächtigen Bayern die große Chance verpasst zu haben zu punkten?

Wir haben uns natürlich alle geärgert, dass wir nichts Zählbares geholt haben. Es wäre möglich gewesen. Die Münchner hatten nur fünf Chancen gegen uns, machen aber drei Tore. Wir haben uns als Aufsteiger sehr gut behauptet gegen den Meister. Das Positive aus diesem Match müssen wir mitnehmen für die nächsten Wochen.

Werder Bremen ist die Sensation gelungen beim Remis in der Münchner Arena. Werder und Stuttgart mischen gut mit in der Liga. Zwei Überraschungsmannschaften bis dato?

Wenn uns viele dies nicht zugetraut haben, so haben wir sie eines Besseren belehrt. Unsere Auftritte bisher sind gut, wir spielen vor allem Fußball, spielen das, was uns stark macht. Schade, dass wir uns nicht noch öfter belohnt haben in Form von Punktgewinnen. Wichtig ist, dass wir nur von Spiel zu Spiel denken, nicht irgendwelche Zukunftsszenarien entwerfen. Und was Werder betrifft: Die Bremer haben sich schon gesteigert im Vergleich zum letzten Jahr, keine Frage.

Stuttgart und Bremen liegen punktgleich auf einem Platz im Mittelfeld. Wer ist Favorit?

Ich sage mal so: Beide Mannschaften können das Spiel bestimmen. Entscheidend wird sein, welche Mannschaft die richtige Einstellung auf den Platz bringt.

(Verfolgt das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen gegen den VfB Stuttgart im Live-Ticker der DeichStube!)

Waldemar Anton: Werder Bremen und VfB Stuttgart können Abstiegskampf vermeiden

Bei Werder fällt der wichtige Stürmer Milot Rashica langfristig aus, beim VfB fehlt Daniel Didavi. Welcher Ausfall wiegt schwerer?

Beide sind super Spieler und sehr wichtig für ihre Teams. Ich kann aber natürlich nur Dida genauer einschätzen, weil ich ihn als Mitspieler kenne. Er ist für unsere junge Mannschaft mit seiner Erfahrung und seinen Qualitäten Gold wert. Ich hoffe, dass er schnell wieder gesund wird.

Sie sind ein Experte für den Abstiegskampf. Mit Ihrem Heimatclub Hannover 96 sind Sie zweimal abgestiegen. Werden der VfB und Werder noch in den Abstiegsstrudel rutschen?

Es ist noch sehr früh in der Saison, deshalb fallen Prognosen schwer. Ich denke, wenn beide Teams die bisher gezeigten Leistungen konservieren können, können sie dies vermeiden.

Wie sind Ihre Erfahrungen? Was hat zum Untergang in Hannover geführt?

Es spielen viele Faktoren eine Rolle. Wenn es anfangs nicht so gut läuft, kommt es auf die Mentalität an. Entscheidend ist auch der Faktor Glück. Was genau der springende Punkt war, weiß ich ehrlich nicht. Aber ich hoffe, dass Hannover bald wieder Bundesliga spielt. Ich drücke jedenfalls die Daumen.

An einen besonderen Tag erinnern Sie sich sicherlich: In Stuttgart haben Sie Ihr Profi-Debüt gegeben für 96. Das war gewiss nicht ausschlaggebend für Ihren Wechsel ins Schwabenland. Warum haben Sie sich für den VfB entschieden?

Die entscheidenden Leute in Stuttgart haben mich sehr früh kontaktiert und sie haben mich rasch überzeugt. Ich hatte von Beginn an das Gefühl, dass mir Vertrauen geschenkt wird. Zudem haben sie mir aufgezeigt, welchen Fußball die Mannschaft spielen soll. Das hat mir gefallen.

Konnte Sie Niclas Füllkrug, Ihr Kollege aus Hannover, nicht überreden, über einen Transfer zu Werder nachzudenken?

So direkten Kontakt zu „Fülle“ hatte ich in jener Zeit nicht. Aber meine Entscheidung war auch sehr früh gefallen. Das war ein Wechsel aus voller Überzeugung.

Werder Bremen-Gegner Waldemar Anton über VfB Stuttgart: „Der Fortschritt ist unverkennbar“

Mehrere Erstligisten, darunter auch Werder Bremen, sollen Sie auf der Liste gehabt haben. Namen, so haben Sie mehrfach betont, wollen Sie keinesfalls bestätigen. Stimmt es, dass Sie die große Auswahl hatten?

Das ist richtig, es gab mehrere Anfragen.

Wie sind Sie mit Ihrem Start bei Ihrem neuen Club zufrieden?

Ganz gut, mich ärgert nur meine Verletzung am Sprunggelenk, wodurch ich einige Wochen raus war. Doch nicht so wichtig ist, wie ich aufgetreten bin. Entscheidend ist die Performance der ganzen Elf, die bewiesen hat, dass sie sich entwickelt hat in der Bundesliga. Der Fortschritt vom ersten Spieltag an bis heute ist unverkennbar.

Fühlen Sie sich als Abwehrchef?

Mit so einem Begriff tue ich mich schwer. Im Team sind wir alle Chefs, alle auf dem Platz, alle auf der Bank, alle aus dem Trainerteam und dem Betreuerstab.

Wirkt da nach, dass Sie in Hannover als 22-Jähriger von Andre Breitenreiter zum Kapitän ernannt worden sind und so sehr früh in eine Führungsrolle gedrängt worden sind?

Ich sehe die Geschichte mit der Spielführerbinde bei 96 aus heutiger Sicht sehr positiv. Es hat sich gut auf meine Entwicklung ausgewirkt.

Werder Bremen-Gegner Waldemar Anton vom VfB Stuttgart denkt nicht an die Nationalmannschaft

Sie können als Innenverteidiger oder Sechser agieren – Ihre Lieblingsposition?

Egal für mich, ich spiele beide Rolle gerne. Es sind unterschiedliche Positionen mit diversen Anforderungen. Mir macht wirklich beides Spaß.

Als in Usbekistan geborener Russland-Deutscher haben Sie noch drei Optionen, was Einsätze in der A-Nationalelf betrifft. Die Usbeken sollen schon mal angefragt haben?

Da sehe ich mich eher nicht. Ich bin zwar dort geboren, doch meine Familie lebt entweder in Russland oder Deutschland.

Und die Russen?

Es gab mal ein kurzes Telefonat mit Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow. Doch konkret wurde das Thema nicht. Deshalb mache ich mir darüber ehrlich gesagt auch nicht so viele Gedanken.

Bleibt noch die dritte Möglichkeit, die deutsche Nationalmannschaft. Sie standen im Kader des Europameisters bei der U21 im Jahr 2017. Mitspieler von damals wie Serge Gnabry und Thilo Kehrer, wie Mahmoud Dahoud und Niklas Stark spielten inzwischen für die Löw-Elf. Träumen Sie auch von einem solchen Sprung?

Aktuell stellt sich die Frage nicht. Jetzt geht es erst einmal darum, dass wir mit dem VfB weiter gute Leistungen bringen.

Werder Bremen-Gegner Waldemar Anton vom VfB Stuttgart: „Respekt vor dem Coronavirus“

Rechnen Sie sich keine Chance aus, zumal ein Mangel an guten Defensivspielern beim DFB beklagt wird?

Ich bekomme natürlich die Diskussion rund um die Nationalelf mit, doch ich fühle mich nicht involviert. Ich bin ein Typ, der immer und ausschließlich von Tag zu Tag denkt.

Wie lebt es sich als Profi in der Corona-Pandemie?

Natürlich vermissen wir die Fans sehr. Aber ich weiß es zu schätzen, dass wir als eine der wenigen Berufsgruppen in dieser Zeit unseren Job noch einigermaßen normal ausüben dürfen. Anderen Gruppen geht es schlechter, sie müssen um ihre Existenz kämpfen. Insofern sind wir in einer glücklichen Position. Wir müssen auf viele Sachen achten und auch auf einiges verzichten, doch es ist alles im Rahmen.

Die Infektionszahlen bei den Fußballprofis steigen immens im In- und Ausland. Haben Sie Angst vor einer Infektion?

Angst nicht, aber Respekt vor dem Virus. Wir müssen aufpassen, dass wir uns im Alltag nicht anstecken. Wir müssen uns schützen. Vorteilhaft ist, dass wir zweimal die Woche getestet werden.

Sie haben Abitur gemacht. Es heißt, Mathematik soll Ihr Lieblingsfach gewesen sein. Als Zahlenexperte stellen Sie bitte doch mal eine Hochrechnung an: Wie viele Punkte sind diesmal nötig, um nicht abzusteigen?

Schwere Aufgabe, nicht lösbar. Es kommt auf zu viele Variablen an, um eine Prognose abgeben zu können.

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