Wer schießt in Zukunft die Tore bei Werder Bremen? Das Stürmer-Roulette hat begonnen.
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Wer schießt in Zukunft die Tore bei Werder Bremen? Das Stürmer-Roulette hat begonnen.

Kruse bleibt wohl / Selke jetzt frei

Alles anders im Angriff?

Bremen - Die Bayern, das war ja auch klar, dazu noch Dortmund, Leipzig und Hoffenheim, dann ist die Liste aber auch schon zu Ende. Nur die vier Spitzenteams der Bundesliga haben in der abgelaufenen Saison mehr Tore erzielt als Werder.

Das Spektakel ist durch die 61 Treffer gewissermaßen nach Bremen zurückgekehrt, gut – die 64 Gegentore haben auch ihren Teil dazu beigetragen. Werders Angriff war aber aggressiv, abschlussstark, in einigen Spielen fast allmächtig – in der neuen Saison dürfte er zunächst vor allem eines sein: anders. Es ist der Mannschaftsteil, in dem es die meisten offenen Personalien gibt, in dem Veränderungen sehr wahrscheinlich sind. Ein Überblick.

Wer 15 Saisontore schießt, der genießt Aufmerksamkeit, der bereitet seinen Vorgesetzten aber nicht nur Freude, sondern auch Arbeit. Max Kruse ist Werders Spieler der Saison. Er hat es durch seine starken Leistungen in der Rückrunde zurück in den Dunstkreis der Nationalmannschaft geschafft – was die Sache für Frank Baumann wiederum ziemlich anstrengend macht. 

Selbst wenn er es versucht hätte – die Fragen nach der sportlichen Zukunft Kruses dürfte Werders Sportchef schon lange nicht mehr zählen können. Bleibt Kruse? Geht Kruse? Gar nach China? Baumann hat in diesem Punkt gestern zumindest im Ansatz Klarheit geschaffen, indem er sagte: „Wir haben kein Bedürnis, Max abzugeben, und er hat keines zu gehen.“ 

Heißt also Kruse bleibt? Nicht unbedingt. Baumann sagte nämlich auch, dass er in dieser Causa kein Versprechen abgegeben habe. Da laut dem Manager beide Seiten keine Veränderung wünschen, ist erstmal davon auszugehen, dass die Bremer ihren feinsten Fuß behalten.

Kommt Selke zurück an die Weser?

Dass er einen neuen Partner an die Seite gestellt bekommen soll, ist im Grunde auch klar: Werder will Davie Selke. Ob die Rückholaktion des 22-Jährigen tatsächlich klappt, dürfte in erster Linie eine finanzielle Frage sein. 

Davie Selke hat von RB Leipzig die Erlaubnis bekommen, den Club zu verlassen.

Das Bremer Interesse ist offiziell bei Selkes Club RB Leipzig hinterlegt, aus Selkes Umfeld war zu hören, dass er wieder für Werder spielen möchte – und auch RB hat nun einen Schritt in diese Richtung gemacht. „Er hat sich entwickelt und ist gereift. Jetzt muss er regelmäßig spielen“, sagte Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick über den Angreifer – und betonte: „Die Wahrscheinlichkeit bei uns, dass er das tun kann, ist nicht so groß, wie er sich das vorstellt. Deswegen sind wir bereit, seinem Wunsch, woanders mehr Einsatzzeiten zu kriegen, gerecht zu werden.“ 

Oha! Der Poker dürfte damit endgültig eröffnet sein. Frank Baumann wollte das Thema nicht kommentieren, er verwies aber darauf, dass sich an Werders Interesse an Selke nichts geändert habe und es zwischen den Clubs „einen Austausch“ gebe.

Im Austausch steht der Sportchef auch mit Claudio Pizarro, dem Altmeister, dem Rekordtorschützen – aber auch dem Mann, bei dem die Zeichen zuletzt allesamt auf einen Abschied im Sommer hindeuteten. Der Termin für ein Gespräch mit Pizarro-Berater Carlos Delgado stehe fest, „wir werden erst dann etwas sagen, wenn es etwas zu sagen gibt“, erklärte Baumann. 

Zuletzt ein gewohntes Bild: Claudio Pizarro auf der Bank

Da Pizarro bereits 38 Jahre alt ist, wegen Verletzungen kaum spielen konnte, bei einem Verbleib aber mehr als nur die Rolle des Backup-Profis fordert, wäre es schon eine Überraschung, wenn Werder ihm noch ein Jahr zugesteht.

Gnabry das Werder-Dauerthema

Das wäre es auch bei Aron Johannsson, der trotz eines Vertrags bis 2019 als Verkaufskandidat gilt. Der letzte Bundesliga-Einsatz des 26-Jährigen liegt zwei Monate zurück, bei einem passenden Angebot dürfte er weg sein. Dann gibt da auch noch Serge Gnabry, noch so ein Werder-Dauerthema und einer, bei dem von Wechsel bis Vertragsverlängerung alles denkbar ist.

Serge Gnabry (re.) im Duell mit Shinji Kagawa im letzten Saison-Spiel gegen den BVB.

Die einzige sichere Konstante im Bremer Angriff, sie trägt die Rückennummer 22. Fin Bartels hat acht Tore geschossen, neun vorbereitet, teilweise für spektakuläre Szenen gesorgt – blieb aber im Vergleich zu seinen Teamkollegen stets unterhalb des Radars. Der gebürtige Kieler, inzwischen 30 Jahre alt, fühlt sich bei Werder pudelwohl, steht noch bis 2019 unter Vertrag und wird dem Club treu bleiben. Gleiches gilt für Justin Eilers und wohl auch für Ousman Manneh, die beiden Pendler zwischen Profi- und U 23-Mannschaft.

Wie genau das neue Bremer Angriffs-Antlitz in der Serie 2017/18 auch aussehen mag – klar ist, dass es sich an der Zahl 61 messen lassen muss. Die steht nämlich auch für die Hoffnung auf eine Rückkehr der fetten Jahre. Nur mal so, zum Vergleich: Als Werder sich 2010 zuletzt für den Europapokal qualifiziert hat, hatte die damalige Mannschaft auf dem Weg dorthin auch nur zehn Treffer mehr erzielt.

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