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Die Matchwinner: Werder-Stürmer Max Kruse (l.) traf zum 1:0 gegen den VfB Stuttgart nach Vorlage von Fin Bartels.

Nach 1:0-Sieg gegen VfB Stuttgart

Baumann kritisiert den Videobeweis

Bremen - Leugnen wäre sinnlos gewesen. Die TV-Bilder hatten ja gezeigt, dass das Foul an Fin Bartels keines war. Also gab der Nicht-Gefoulte zu: „Das war kein Freistoß.“

Trotzdem nutzte Bartels die Situation, um sich den Ball blitzschnell hinzulegen und sofort auf Max Kruse zu passen. Der lief noch zwei, drei Schritte und versenkte den Ball dann perfekt mit dem linken Fuß im langen Eck (45.). Es war das Tor des Tages für Werder Bremen gegen den VfB Stuttgart, und es lud zu Diskussionen ein. Wo war da der Videobeweis, und wieso hatte sich Stuttgart so übertölpeln lassen?

„Vielleicht hätte ich den Pass trotzdem gespielt“

Es ehrt Christian Gentner, den Kapitän der Schwaben, dass er im Sky-Interview nicht an Schiedsrichter Bastian Dankert und dessen Assistenten herummäkelte, sondern an den eigenen Kollegen. „In der Situation waren wir schlafmützig, deshalb gehen wir am Ende als Verlierer vom Platz. Das war sowas von unnötig.“ Und der Freistoß? „Ja, es war eine Fehlentscheidung. Trotzdem dürfen wir den schnellen Freistoß nicht zulassen. Das ist ärgerlich“, sagte Gentner. VfB-Sportchef Michael Reschke fuhr verbal härtere Geschütze auf: „Dass wir durch eine unglückliche Entscheidung bestraft werden, steht außer Frage.“

Bartels wird den Verdruss verstehen – aber an der Szene würde er wohl auch dann nichts ändern, wenn er die Uhr zurückdrehen könnte. Denn eigentlich, meinte der 30-Jährige, war ja gar nichts passiert: „Ich bekomme den Ball genau dort wieder, wo er auch vorher war. Vielleicht hätte ich den Pass ja trotzdem gespielt.“ Die Argumentation ist ziemlich wackelig, keine Frage. Im Abstiegskampf ist es aber so, dass jedes Geschenk willkommen ist.

Max Kruse erzielte das 1:0 für Werder Bremen.

Dass Bartels dennoch eine ehrliche Haut ist, zeigt seine Haltung zum nach Videobeweis nicht gegebenen 2:0. Erst jubelte er nicht, weil es zur Wahrheit gehörte, dass „mein Schuss sonstwohin“ gegangen wäre. VfB-Verteidiger Timo Baumgartl rutschte in die Schussbahn und grätschte den Ball ins Tor.

Bartels drehte also glücklich, aber auch ein bisschen beschämt ab. Dass dem Treffer schließlich per Videobeweis die Anerkennung verweigert wurde, hatte der Werder-Profi schon beim Blick auf die Wiederholung an der Videowall geahnt: „Da war schon zu erkennen, dass das nicht in Ordnung war.“ Abseits lautete das richtige Urteil. Die Bremer akzeptierten. Auch Bartels.

Baumann kritisiert Einsatz des Videoassistenten

Aber die Gefühle zu sortieren, sei in Momenten wie diesen nicht leicht, sagte er – weder für die Spieler noch die Zuschauer: „Es ist unglücklich, wenn das alles so lange dauert und die Spieler schon, das ganze Stadion ausflippt.“ Sich dann wieder runterzukühlen, sei eine echte Herausforderung.

Anders als Bartels war Sportchef Frank Baumann nicht bereit, die Entscheidung des Videoassistenten zu akzeptieren. Seine Argumentation: „Der Videobeweis soll nur bei krassen Fehlentscheidungen zum Einsatz kommen. Es lag aber keine krasse Fehlentscheidung vor. Da kann man im Zweifel auch mal für den Angreifer entscheiden.“

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