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Wie stabil ist die Mannschaft?

Wie weit ist Werder zwei Wochen vor dem Pflichtspielstart?

Von Stabilität und Stagnation

Lohne. Erst das sonnige Zillertal, dann das regnerische Schneverdingen – der Kontrast zwischen den beiden Trainingslagern, die Werder Bremen in der Sommerpause absolviert hat, hätte kaum größer sein können.

Am Samstag ist die Mannschaft von Trainer Alexander Nouri nun nach Bremen zurückgekehrt und startet dort am Dienstag in den Endspurt der Vorbereitung. In zwölf Tagen wird es für Werder wieder ernst, dann steht das erste Pflichtspiel der neuen Saison an: die DFB-Pokal-Erstrunden-Partie gegen die Würzburger Kickers. In den Testspielen war bisher klar erkennbar, dass Nouri den Fokus in der Vorbereitung wie angekündigt auf die Defensivarbeit gelegt hat. Hinten stand Werder trotz des Ausfalls von Abwehrchef Niklas Moisander zuletzt schon ziemlich stabil. Vor dem gegnerischen Tor ging dafür sehr wenig. Ein Überblick.

Es passte irgendwie ganz gut, das Bild hatte auf jeden Fall Symbolcharakter. In Werders bis dato letztem Testspiel, beim 2:2 gegen West Ham United in Lohne, war es Luca Caldirola, der seine Mannschaft früh in Führung brachte – ein Innenverteidiger. Der 26-Jährige drehte danach jubelnd ab, ehe er sich hinten links wieder in die Dreierkette einreihte, um dort gemeinsam mit seinen Kollegen einen guten Job zu machen. 

Generell wirkt die Mannschaft bis jetzt – alle Testspiele des Sommers mit einbezogen – hinten stabil. „Ich denke, man hat gesehen, dass wir wenig zulassen und dass wir die Räume unheimlich eng machen“, betont Nouri, dessen bevorzugtes System auch in der neuen Saison ein 3-5-2 sein wird.

Luca Caldirola lässt sich von Robert Bauerund und Lamine Sané für seinen Kopfballtreffer zum 1:0 feiern

In der Kette der drei Innenverteidiger wiegt der Ausfall von Abwehrchef Niklas Moisander natürlich schwer. Vor Oktober wird der Finne seinen Muskelfaserriss nicht vollständig auskuriert haben. Moisander war fest für die linke Seite eingeplant. Diesen Part wird nun voraussichtlich Linksfuß Luca Caldirola übernehmen. Auch Jesper Verlaat hat die Rolle während der Vorbereitung schon ausgefüllt, dürfte mangels Erfahrung aber kaum ein Kandidat für die erste Elf sein. 

In der Mitte ist Lamine Sane gesetzt, rechts Milos Veljkovic, die beide neben Moisander schon im Vorjahr zur Stammbesetzung zählten. 

Zudem soll noch vor dem Saisonstart ein neuer Innenverteidiger kommen, der möglichst eine Soforthilfe darstellt. „Wir beobachten den Markt sehr intensiv“, erklärt Nouri – und setzt Sportchef Frank Baumann zeitlich unter Druck. „Gerne so früh wie möglich“, solle der neue Abwehrmann zum Team stoßen. 

Eine schnelle Lösung zeichnet sich derzeit aber nicht ab, was suboptimal ist. Gut ist hingegen: Die Spieler, die da sind, haben Nouris Idee vom Verteidigen voll verinnerlicht.

"Kainz eine Alternative  für die Bundesliga"

Das Zusammenspiel zwischen Dreierkette, den beiden Kollegen auf den Halbpositionen sowie dem defensiven Mittelfeldspieler (entweder Maximilian Eggestein oder Philipp Bargfrede) funktioniert. Nouri zeigte sich dabei während der Vorbereitung durchaus experimentierfreudig. So ließ er etwa im zweiten Spiel gegen West Ham Florian Kainz auf der rechten Halbposition spielen. Der Österreicher ist eigentlich ein klassischer Flügelstürmer, nur gibt es diese Position in Nouris 3-5-2 nicht. Zuletzt war er oft als Achter zum Einsatz gekommen, nun traut ihm Nouri offenbar auch die Defensivarbeit auf der rechten Außenbahn zu. 

Werder gegen West Ham: Florian Kainz verfolgt von Marko Arnautovic.

Gegen West Ham funktionierte das im Verbund mit dem rechten Innenverteidiger – in diesem Fall Robert Bauer, sonst außen zu Hause – schon sehr ordentlich. „Die beiden haben das richtig gut gemacht“, lobt Nouri – und verrät: „Florian ist auf der Position eine Alternative für die Bundesliga.“ Insgesamt, so scheint es, ist Werder in der Abwehr variabler geworden als in der Rückrunde der vergangenen Saison. „Der Plan ist, dass wir aus einer guten Defensive die Sicherheit für das Spiel nach vorne gewinnen“, sagt Frank Baumann – und benennt damit genau den Punkt, an dem es noch gewaltig hakt.

Im Angriff herrscht eher Stagnation

Vor dem gegnerischen Tor haben die Bremer in den Testspielen nämlich so gut wie gar nicht aufhorchen lassen. Hinten stabil? Ja. Vorne kreativ und gefährlich? Nein. 

In Werders Angriff herrscht während der Vorbereitung eher Stagnation. „Es ist richtig, dass wir da noch Verbesserungspotenzial haben“, sagt Baumann, der noch immer nach einem neuen Angreifer fahndet, Typ: Mittelstürmer. Momentan ist die Mannschaft abhängig von den Geistesblitzen eines Max Kruse. Hat der beste Bremer einen guten Tag, macht er die Kollegen um sich herum auch besser. Hat er ihn nicht, verpufft vorne vieles. 

Max Kruse im Spiel gegen West Ham United. Im Hintergrund Yuning Zhang.

In der Vorsaison lief Fin Bartels neben Kruse als zweite Spitze auf. Während des Sommers hat Nouri den 30-Jährigen aber auch schon als Achter an der Seite von Thomas Delaney spielen lassen. Dass das tatsächlich die neue Bartels-Rolle wird, ist unwahrscheinlich – schließlich gibt der Kader sonst keinen Spieler her, der vorne auch nur im Ansatz so gut mit Kruse harmoniert. 

Yuning Zhang und Aron Johannsson, den Werder gerne noch abgeben möchte, sind dafür nicht gut genug. Johannes Eggestein überzeugte zwar in der Vorbereitung, soll aber erst langsam an die Bundesliga herangeführt werden. „Ein neuer Stürmer wäre ein Element, das uns belebt“, weiß Baumann.

Noch hat Werder etwas Zeit, um am Umschalt- und Kombinationsspiel zu arbeiten. „Das wird in den nächsten Tagen bis zum Saisonstart wichtig für uns sein“, betont der Sportchef.

Werder vs. West Ham - Teil 2

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