Mit Anne-Kathrin Laufmann (l.), Ulrike Hiller und Claudia Lasch arbeiten drei Frauen in Führungsgremien des SV Werder Bremen - damit sind die Bremer im Vergleich einer der Vorreiter in der Bundesliga.
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Mit Anne-Kathrin Laufmann (l.), Ulrike Hiller und Claudia Lasch arbeiten drei Frauen in Führungsgremien des SV Werder Bremen - damit sind die Bremer im Vergleich einer der Vorreiter in der Bundesliga.

Drei Frauen in Werder-Gremien

In der Vorreiterrolle: Bei Werder Bremen sind drei Frauen in Führungspositionen tätig – ein Bundesliga-Vergleich

Bremen – Seit Kurzem ist der Einfluss der Frauen beim SV Werder Bremen noch einmal ein gutes Stück größer geworden: Nach Ulrike Hiller (Aufsichtsrat) und Claudia Lasch (Vize-Präsidentin) hat nun auch Anne-Kathrin Laufmann ihren neuen Posten als Geschäftsführerin Sport und Nachhaltigkeit beim Bundesligisten offiziell angetreten.

Damit sind bei Werder gleich drei Frauen in Führungspositionen tätig und gestalten die sportliche, soziale und gesellschaftspolitische Zukunft des Clubs federführend mit. In Fußball-Deutschland darf sich der SV Werder Bremen damit durchaus als Vorreiter bezeichnen. Denn: Obwohl ein Vergleich mit anderen Vereinen aufgrund der unterschiedlichen Strukturen hier und da ein wenig hinken mag, so wird doch klar, dass nicht allerorten derart stark auf Frauen in der Führung gesetzt wird wie an der Weser. Eine Übersicht.

Werder Bremen: Der Profisport des SV Werder Bremen ist in eine GmbH & Co. KG ausgelagert. 100 Prozent der Anteile liegen beim Verein (42.407 Mitglieder). In Anne-Kathrin Laufmann (Geschäftsführerin Sport und Nachhaltigkeit in der KG), Ulrike Hiller (Aufsichtsrätin in der KG) und Claudia Lasch (Vize-Präsidentin im Verein) sind gleich drei Frauen in der Führungsetage vertreten. Sie sind bei Werder jeweils die ersten Frauen in ihren Gremien.

Mit Anne-Kathrin Laufmann, Ulrike Hiller und Claudia Lasch sitzen drei Frauen in Gremien des SV Werder Bremen

SC Freiburg: Der SC Freiburg firmiert weiter ausschließlich als eingetragener Verein (mehr als 46.000 Mitglieder). Auch beim Sportclub aus dem Breisgau sind gleich drei Frauen in der Führungsetage tätig, allerdings alle im Aufsichtsrat: Edith Sitzmann (Ex-Finanzministerin des Landes Baden-Württemberg), Hannelore Stocker und Helen Hall-Salomon.

Borussia Dortmund: Der Ballverein Borussia Dortmund (kurz: BVB) hat für seine Profiabteilung eine GmbH & Co. KGaA gegründet. 60,07 Prozent der Aktien befinden sich in Streubesitz. Evonik hält mit 14,8 Prozent die meisten Anteile. Der Mutterverein mit 168.163 Mitgliedern hält 5,5 Prozent. Bei Borussia Dortmund sitzen zwei Frauen im Aufsichtsrat: Silke Seidel, die gleichzeitig auch als stellvertretende Präsidentin des Vereins tätig ist, und Judit Dommermuth.

Hertha BSC: Hertha BSC hat seine Profiabteilung ebenfalls in eine GmbH & Co. KGaA ausgegliedert. 64,7 Prozent hält die US-amerikanische Investmentgesellschaft 777 Partners. Der Stammverein hat 44.211 Mitglieder. Bei der Berliner Hertha, die in Kay Bernstein einen ehemaligen Ultra und Fan-Vertreter des Clubs zum Präsidenten hat, arbeiten in Anne Jüngermann (Präsidiumsmitglied) und Renate Döhmer (Aufsichtsrat) zwei Frauen in der Führungsetage.

1. FSV Mainz 05: Der 1. Fußball- und Sportverein Mainz 05 firmiert als eingetragener Verein mit rund 14.000 Mitgliedern. Auch bei den Nullfünfern sitzen in Juristin Eva-Maria Federhenn (Leiterin Sport Handball beim FSV) und Unternehmerin Cäcilia Alsfasser zwei Frauen im Aufsichtsrat.

Sechs Bundesliga-Vereine haben zwei Frauen in Führungsgremien

RB Leipzig: Seit dem Aufstieg der ersten Mannschaft in die 2. Bundesliga 2014 sind die Lizenzspielerabteilung und die Nachwuchsteams U15 bis U19 ausgegliedert in eine GmbH, deren Gesellschafter zu 99 Prozent die Red Bull GmbH und zu einem Prozent der Verein sind. Da auch die Vereinsmitglieder in enger Beziehung zu Red Bull stehen, wird der Club faktisch von der Red Bull GmbH kontrolliert. Der Verein RB Leipzig hat 21 Mitglieder. Immerhin zählen zwei Frauen zur Führung des Clubs: Bärbel Milsch ist als Direktorin Recht im Vorstand tätig, während die Rechtsanwältin Wiebke Gorny im Aufsichtsrat sitzt.

VfB Stuttgart: Der VfB Stuttgart 1893 hat seine Lizenzspieler-Abteilung in eine Aktiengesellschaft ausgegliedert, deren Anteile zu 87,23 Prozent der Stammverein hält. Die anderen 11,61 Prozent verteilen sich auf die Mercedes-Benz Group und 1,16 Prozent auf die Jako AG. Der Aufsichtsrat der Baden-Württemberger umfasst neun Mitglieder, darunter auch zwei Frauen. Beate Beck-Deharde, seit 1991 geschäftsführende Gesellschafterin in einem mittelständischen Maschinenbauunternehmen, ist im September 2022 dazugestoßen. Auch Tanja Gönner, im Hauptberuf Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, ist neu dabei.

VfL Bochum: Seit 2018 ist die Lizenzspieler-Abteilung des VfL Bochum in eine GmbH & Co. KGaA ausgegliedert. Der Stammverein hat 22.123 Mitglieder. Der VfL Bochum hat nur eine Frau in der Führungsetage: Dr. Christina Reinhardt wurde während der Mitgliederversammlung am 15. November 2022 ins VfL-Präsidium gewählt. Seit 2015 arbeitet sie als Kanzlerin der Ruhr-Universität Bochum. Die 54-Jährige ist zudem im Aufsichtsrat des Clubs tätig.

Schalke 04 ist neben Werder Bremen und Union Berlin einer von drei Bundesliga-Clubs mit einer Frau in der Geschäftsführung

Der FC Schalke 04 ist ein eingetragener Verein und mit knapp 164.000 Mitgliedern der fünftgrößte deutsche Sportverein. Zudem sind die Schalker neben Werder Bremen und Union Berlin einer von nur drei Bundesliga-Clubs mit einer Frau in der Geschäftsführung. Christina Rühl-Hamers wurde 2020 in den Vorstand der Knappen berufen und war die erste Frau auf Vorstandsebene eines Erstligaclubs, die den Bereich der Finanzen verantwortete. Unter der Regie der 46-Jährigen gelang es trotz Corona und dem Abstieg, die Verbindlichkeiten des Vereins zu reduzieren. Rühl-Hamers ist die einzige Frau in der Führungsetage der Königsblauen.

1. FC Union Berlin: Der 1. FC Union Berlin ist genau wie der FC Schalke ein eingetragener Verein. Die Eisernen haben derzeit 49.152 Mitglieder. Anders als S04 beschäftigen die Berliner aber gleich acht Geschäftsführer. Darunter befindet sich eine Frau: Anja Kasper verantwortet seit Oktober 2021 den neu geschaffenen Geschäftsbereich Digitalisierung. Die 46-jährige Diplom-Betriebswirtin bringt langjährige Erfahrung bei der Leitung digitaler Projekte der Daimler AG mit. Sie ist die einzige Frau in der Führungsetage der Köpenicker.

VfL Wolfsburg: Der VfL Wolfsburg (21.500 Mitglieder) hat seine Profi-Abteilung im Jahr 2001 in eine GmbH ausgegliedert. Die VfL Wolfsburg Fußball GmbH ist eine 100-prozentige Tochter der Volkswagen AG. Im Aufsichtsrat des VW-Clubs befindet sich seit knapp anderthalb Jahren auch eine Frau: Daniela Cavallo ist im Oktober 2021 in das Kontrollgremium der Wölfe aufgerückt. Die 48-Jährige steht seit April 2021 an der Spitze des Gesamt- und Konzernbetriebsrats von Volkswagen.

Sieben Bundesliga-Vereine, darunter der FC Bayern München, haben keine Frau in ihren Führungsgremien

FC Bayern München: Die Fußball-Profiabteilung des FC Bayern München ist seit 2002 in eine Aktiengesellschaft verlagert. Hauptanteilseigner der FC Bayern München AG ist der eingetragene Verein. Mit 295.000 Mitgliedern ist der FC Bayern München e.V. der mitgliederstärkste Sportverein der Welt. Der Mutterverein hält 75 Prozent der Anteile der AG. Die restlichen Anteile (jeweils 8,33 Prozent) liegen bei den langjährigen FCB-Partnern adidas AG, Audi AG und Allianz SE. In der Führungsetage des FC Bayern arbeitet keine Frau.

Eintracht Frankfurt: Seit 2000 ist die Lizenzspieler-Abteilung von Eintracht Frankfurt in eine Aktiengesellschaft ausgegliedert. Der eingetragene Verein mit insgesamt rund 120.000 Mitgliedern hält als Hauptanteilseigner 67,89 Prozent der Anteile. Eine Frau sucht man sowohl im Vorstand als auch im Aufsichtsrat des amtierenden Europa-League-Siegers vergebens.

Borussia Mönchengladbach: Die Profis von Borussia Mönchengladbach sind seit 2003 in eine GmbH ausgelagert. 100 Prozent der Anteile liegen beim Mutterverein, der 94.200 Mitglieder zählt. Auch bei den Fohlen gibt es keine Frau in einer Führungsposition.

TSG Hoffenheim: Die Fußballabteilung der TSG Hoffenheim (11.000 Mitglieder) wurde 2005 in die TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH ausgegliedert. 96 Prozent der Anteile hält Mäzen Dietmar Hopp, 4 Prozent der Stammverein. Bei den Kraichgauern gibt es keine Frau in der Führungsetage.

Drei Frauen in der Vereinsführung: Werder Bremen ist gemeinsam mit dem SC Freiburg Vorreiter in der Bundesliga

Bayer 04 Leverkusen: Die Lizenzspieler-Abteilung von Bayer 04 Leverkusen ist in eine GmbH ausgelagert und die Bayer AG ihre alleinige Gesellschafterin. In der Führungsetage des Champions-League-Teilnehmers gibt es keine Frauen. 

1. FC Köln: Der 1. FC Köln hat 2002 für seine Lizenzspieler-Abteilung eine GmbH & Co. KGaA geschaffen. 100 Prozent der Anteile liegen beim Mutterverein, der insgesamt 120.887 Mitglieder zählt. Auch bei den Rheinländern fehlt eine Frau in der Clubführung.

FC Augsburg: Die Profiabteilung des Fußball-Club Augsburg 1907 (21.730 Mitglieder) ist seit 2005 in einer GmbH & Co. KGaA untergebracht. Die Hofmann Investoren GmbH hält 99 Prozent der Anteile. Die Fuggerstädter zählen zu den aktuell insgesamt sieben Bundesligisten, die keine Frau in der Führungsetage haben.

Zusammenfassung: Insgesamt 20 Frauen bekleiden Führungspositionen in der Fußball-Bundesliga, 13 davon sitzen im Aufsichtsrat, vier im Präsidium, drei in der Geschäftsführung bzw. im Vorstand ihrer jeweiligen Clubs. Der SV Werder Bremen ist mit drei Frauen in der Vereinsführung gemeinsam mit dem SC Freiburg Vorreiter in dieser Hinsicht. Fünf Clubs haben je zwei Frauen auf höchster Ebene, vier Vereine haben jeweils eine Frau in der Führungsetage, und bei sieben Clubs ist bisher weder eine Frau im Vorstand noch im Aufsichtsrat zu finden. (mwi)

Hinweis: Die genannten Mitgliederzahlen der Vereine stammen alle aus dem Dezember 2022.

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