Das Gastspiel des Hamburger SV beim SV Werder Bremen am Samstag ist für Jonas Meffert das erste Nordderby zwischen den beiden Rivalen.
+
Das Gastspiel des Hamburger SV beim SV Werder Bremen am Samstag ist für Jonas Meffert das erste Nordderby zwischen den beiden Rivalen.

Interview der DeichStube

„Die Holstein-Spieler waren von Markus Anfang begeistert“: HSV-Profi Jonas Meffert im Interview über seine Nordderby-Premiere gegen Werder

Hamburg – Nordderbys mit dem Hamburger SV zu spielen, sei schon extremer als mit Holstein Kiel, betont Jonas Meffert, der vor dieser Saison von der Förde an die Alster gewechselt ist. Einen Lokalkampf der besonderen Art hat der defensive Mittelfeldspieler schon erlebt – den Vergleich mit dem Stadtrivalen FC St. Pauli. Nun folgt für den 27-Jährigen das Prestigeduell bei Werder Bremen.

„Die Fans haben uns eigens erklärt, wie wichtig Erfolge im Derby sind“, erzählt der gebürtige Rheinländer. Im Interview mit der Deichstube spricht Jonas Meffert über die Aufgabe in Bremen – und verrät, was er von den beiden Trainern Tim Walter und Markus Anfang hält.

Herr Meffert, können Sie den Standpunkt einiger HSV-Fans nachvollziehen, die unlängst verkündet haben, dass für sie ein Sieg im Nordderby mehr wert ist als der Aufstieg?

Vor dem Saisonstart haben uns unsere Fans deutlich gemacht, welchen Wert für sie Derbysiege haben. Für uns Spieler brauchte es jetzt keine weitere Erläuterung, wir wissen alle um den Stellenwert und die Wichtigkeit. Es ist nun mal eine ganz besondere Begegnung, bei der viel Prestige auf dem Spiel steht.

Aber ist ein Sieg gegen Werder Bremen tatsächlich wichtiger als der lang ersehnte Wiederaufstieg?

Am liebsten möchten meine Mitspieler und ich beides. Wir wollen im Derby gewinnen, und wir wollen so viele Punkte holen, dass es am Ende zum Aufstieg reicht. Aber wer will das nicht?

Ein Derby haben Sie mit dem HSV bereits gespielt – das gegen den Stadtrivalen FC St. Pauli, das mit 2:3 verloren wurde. Nun folgt das Duell in Bremen. Erwarten Sie in Sachen Brisanz noch einmal eine Steigerung?

Ich habe bisher keine Erfahrungswerte mit Nordderbys, wie die meisten meiner Kollegen bis auf Bakery Jatta. Aber ich denke, ich weiß, was uns im Weserstadion erwartet.

Jonas Meffert hält Werder Bremen gegen den HSV für den Favoriten

HSV-Sportdirektor Michael Mutzel hat Werder Bremen die Favoritenrolle zugeschoben. Stimmen Sie ihm zu?

Für mich eine treffende Einschätzung. Aus verschiedenen Gründen: Werder hat bisher mehr Punkte, Werder ist Absteiger, also noch ein gefühlter Erstligist, Werder hat ein Heimspiel. Und vor allem hat Werder aktuell einen Lauf, hat zweimal gewonnen und überzeugend gespielt.

Ihr Team hat neun Punkte aus den ersten sechs Spielen geholt. Sind Sie mit dem Start zufrieden?

Wir haben auf Schalke eine sehr gute Vorstellung geboten (3:1-Sieg. d. Red.) und haben auch im zweiten Spiel gut agiert, wenn auch ohne den Lohn der Punkte (1:1 gegen Dresden, d. Red.). Dann stockte es etwas, obwohl wir stets den größeren Anteil an Ballbesitz hatten und dominiert haben. Zuletzt haben wir wieder die Kurve bekommen.

Ex-HSV- und Werder-Profi Aaron Hunt spricht vom Spektakel-Fußball der Hamburger, der zu Lasten der Defensive gehe. Der HSV müsse immer drei bis vier Tore schießen, um gewinnen zu können. Malt er zu schwarz?

Wer sich die Partien anschaut, kommt zu einem anderen Schluss. Gegen Dresden hätten zwei Tore, gegen Sandhausen haben zwei Tore gereicht, beim 0:0 gegen Heidenheim hätte uns ein Treffer den Sieg gebracht.

Worauf Hunt abzielen dürfte, ist die riskante Spielweise des HSV...

Es stimmt, dass wir viel Ballbesitz anstreben, immer nach vorne spielen und nur selten tief stehen. Für einige mag das mit großem Risiko behaftet sein. Wenn sie gut abgestimmt ist, ist die Spielart aber kein großes Wagnis.

Sie haben Trainer Tim Walter bereits eine Saison lang bei Holstein Kiel erlebt, nun beim HSV. Handelt er nach dem gleichen Plan, oder hat er etwas variiert?

Im Wesentlichen ist es die gleiche Spielweise, wenngleich er nun einige Änderungen vorgenommen hat. Dabei handelt es sich nur um Feinheiten, um ein oder zwei Sachen, mit denen er nach seinen Erfahrungswerten für Verbesserungen sorgen will. Es geht dabei hauptsächlich um Verhaltensmuster in der Defensivarbeit, um so mehr Sicherheit und Ordnung in der Abwehr zu erhalten.

Was zeichnet Tim Walter aus?

Seine positive Art und sein Ehrgeiz. Er schaut immer nach vorn, nie zurück. Er vermittelt Spaß und Freude, zudem will er, dass wir mit Eifer Fußball spielen. Wichtig ist für ihn die Einstellung der Spieler, die Bereitschaft zu zeigen, für den Erfolg alles zu tun. Das kommt bei ihm an erster Stelle.

(Verfolgt das Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV im Liveticker der DeichStube)

Jonas Meffert kann über Werder Bremens neuen Trainer Markus Anfang nur positives erzählen

Als Sie nach Kiel gekommen sind, hatte Markus Anfang den Club gerade verlassen. Was haben Ihnen die Mitspieler über diesen Trainer erzählt?

Nur Positives, die Holstein-Spieler waren von Markus Anfang begeistert. Ich habe seinen Werdegang danach intensiv verfolgt, als Rheinländer besonders in Köln. Dort hat er sehr gute Arbeit geleistet, den Aufstieg souverän vorbereitet. Ich habe es damals nicht verstanden, dass er kurz vor dem Saisonende entlassen worden ist.

Investor Michael Kühne hat sich vor einigen Tagen zu Wort gemeldet und die Personalpolitik des HSV gerügt. Sein Fazit: Es existiere kein durchdachtes und schlüssiges Konzept. Wie bewerten Sie die Aussagen?

Herr Kühne kann sagen, was er denkt. Das kann ihm niemand verbieten. Ich befasse mich nicht mit der Vergangenheit. Ich kann nur darauf verweisen, was mir in den Vertragsgesprächen präsentiert worden ist. Es wurde ein Weg aufgezeigt, der beschritten werden soll, es klang für mich alles sehr sinn- und reizvoll. Wir haben einen sehr jungen Kader, viele talentierte Spieler und dennoch meiner Auffassung nach auch Profis, die für Routine und Erfahrung stehen, aber weiter hungrig sind.

Auf Ihrer Visitenkarte ist bisher ein Bundesligaspiel eingetragen. Ist die 1. Liga Ihr Traum?

Davon träumt jeder. Und ich habe mir diesen Traum schon erfüllt, habe bei Bayer Leverkusen im Erstligakader gestanden, später beim Aufsteiger SC Freiburg. Meiner Meinung nach hätte ich zu jener Zeit auch mehr Einsätze in der höchsten Spielklasse verdient gehabt.

Kommen wir zur aktuellen 2. Liga. Mit Regensburg und Dresden stehen zwei Neulinge vorn, mit Paderborn und St. Pauli zwei Geheimfavoriten. Können diese Teams sich an der Spitze behaupten?

Klar ist, dass sich die Tabelle noch radikal verändern wird. Regensburg überrascht, ich schätze diese Mannschaft hoch ein. Dresden hatte im Spiel gegen uns eigentlich klar das Nachsehen. Mit Pauli ist zu rechnen, wie die starke Rückserie der letzten Saison bewiesen hat.

Für Jonas Meffert ist Werder Bremen Topfavorit auf den Aufstieg in die erste Liga

Wer ist in Ihren Augen der Topfavorit auf den Aufstieg? Werder Bremen?

Ja, auf jeden Fall, Schalke aber genauso sehr.

„Die beste 2. Liga aller Zeiten“ - so wird die Spielklasse wegen der vielen ruhmreichen Traditionsclubs bezeichnet, die in ihr seit dem Sommer vertreten sind. Ein Gütesiegel, das nur auf die Namen bezogen ist oder auch auf das sportliche Niveau?

Es ist noch zu früh, ein Urteil über das Leistungslevel zu fällen. Doch die Liste der bekannten Clubs steht für sich. Es ist schon cool in dieser Saison, sich mit Vereinen wie Bremen und Schalke, Hannover, Düsseldorf, Nürnberg und mit den Aufsteigern Dresden und Rostock zu messen. Ich denke, manche Vereine aus der 1. Liga hatten es schwer, Spieler aus der 2. Liga in diesem Transfersommer zu locken. Oder sie haben es gar nicht versucht, weil die 2. Liga von den Namen her einfach zu attraktiv ist, da möchten viele gerne kicken.

Auch interessant: So könnte die Startelf-Aufstellung von Werder Bremen gegen den HSV aussehen!

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare