Claudio Pizarro kam beim Saisonfinale in Dortmund nicht zum Einsatz. Endet jetzt seine Zeit bei Werder Bremen?
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Claudio Pizarro kam beim Saisonfinale in Dortmund nicht zum Einsatz. Endet jetzt seine Zeit bei Werder Bremen?

Zukunft der Werder-Stars

War's das? Pizarros unauffälliger Abgang

Bremen - Die Saison ist vorbei - wie geht es nun weiter mit Claudio Pizarro und Luca Caldirola, mit Serge Gnabry und Max Kruse? Zlatko Junuzovic hofft auf ihr Bleiben bei Werder, kann sich aber alles vorstellen.

Frisch geduscht, die Haare akurat gestylt, den Rollkoffer im Schlepptau – so sah er aus, der Abgang von Claudio Pizarro aus dem Dortmunder Stadion. Die Geschichte wäre wohl keiner Erwähnung wert, wenn dieser Abgang am späten Samstagnachmittag nicht möglicherweise auch das Ende von Pizarros Zeit bei Werder Bremen markieren würde. Denn dass der 38-Jährige in der kommenden Saison noch einmal im Bremer Trikot auftaucht, ist mittlerweile sehr, sehr unwahrscheinlich.

Pizarro wirkte wenig amüsiert, als er Richtung Mannschaftsbus davonzog. Vielleicht war die 3:4-Niederlage der Grund, vielleicht mischte sich auch Enttäuschung hinein, dass er erneut nicht zum Einsatz gekommen war. Auch nicht bei der vielleicht letzten Gelegenheit, noch einmal für Werder aufzulaufen. Woher das missmutige Gesicht des selten schlecht gelaunten Peruaners kam, „kann ich nicht sagen“, meinte Frank Baumann: „Jeder Spieler, der nicht spielt, ist irgendwo enttäuscht.“ Ja, und jeder Spieler, dessen Vertrag nicht verlängert wird, auch.

Pizarro: Kaum erkennbare Gründe für einen neuen Vertrag

Derzeit gibt es kaum erkennbare Gründe, weshalb Baumann dem ehemaligen Mannschaftskameraden noch einmal einen neuen Vertrag geben sollte. Der aktuelle läuft aus, und Pizarros Arbeitsnachweise in der nun zu Ende gegangenen Spielzeit sind dünn. Nur ein Tor in 19 Einsätzen, von denen nur zwei über 90 Minuten gingen. Neunmal wurde der 38-Jährige ein-, achtmal ausgewechselt. Aber als wirklich wertvolle Waffe hatte er sich nur in ganz wenigen Momenten auf dem Platz erwiesen. Sein sportlicher Stellenwert schwindet also. Zumal er die gesamte Saison über mit körperlichen Beschwerden zu kämpfen hatte.

Frank Baumann hatte aber stets betont, dass der beste ausländische Torschütze der Bundesliga (191 Treffer) auch in der Kabine wichtig sei. Von seiner Erfahrung könnten junge Spieler profitieren. Ob dieses Argument noch reicht, um sich auf eine weitere Zusammenarbeit zu einigen, muss allerdings bezweifelt werden.

„In den nächsten Tagen“, so Baumann, werde in den noch offenen Personalfragen „nichts passieren“. Das betrifft Pizarro, dessen Berater Carlos Delgado nun zeitnah zu Gesprächen in Bremen erwartet wird, aber auch Luca Caldirola. Der Vertrags des italienischen Abwehrspielers läuft ebenfalls aus, eine Entscheidung ist noch nicht in Sicht.

Und dann ist da auch noch die Frage nach Serge Gnabry, der von 1899 Hoffenheim umworben wird. Nach Max Kruse, dem laut „Bild“-Zeitung ein lukratives Angebot aus China vorliegt. Gnabry ließ sich nach dem Spiel nicht in die Karten schauen, sagte: „Wenn es was zu verkünden gibt, gibt es was zu verkünden. Davor bin ich immer noch bei Werder Bremen.“ Das ist zwar nicht das, was sich der Fan an Treuebekenntnissen wünscht, aber welcher Profi gibt die überhaupt noch ab?

Junuzovic: „Das Geschäft ist unberechenbar“

Gnabry erklärte noch, dass ihm das erste Jahr bei Werder gut getan habe - auch wenn er zuletzt, wie am Samstag, oft auf der Bank saß. „Der Grund, weshalb ich hergekommen bin, war die Spielzeit. Nach zwei schwierigen Jahren habe ich jetzt viele Spiele gemacht. Das war wichtig für mich, um den Rhythmus wiederzufinden, meinen Körper wieder in Schwung zu bringen. Von daher bin ich ganz zufrieden.“ Die Frage bleibt aber, ob er noch mehr will von Werder.

Dass Werder mehr von dem 21-Jährigen will, ist klar. Und von Kruse natürlich auch. Ganz speziell von ihm sogar. Kapitän Zlatko Junuzovic: „Wenn man unsere Kombinationen und Konter sieht, sieht man, dass wir eingespielt sind, uns mitunter schon blind verstehen. Von daher wäre es für das Gerüst der Mannschaft gut, wenn die meisten bleiben würden.“

Einzelkritik: Kruse genial, Garcia patzt doppelt

Felix Wiedwald: Es war zunächst ein undankbarer Nachmittag für den Torhüter, er hatte kaum Gelegenheit, sich auszuzeichnen. An den Gegentreffern war er machtlos. In Hälfte zwei dann mit starken Paraden wie gegen einen Pulisic-Kopfball (70.) und -Schuss (77.). Note 2
Felix Wiedwald: Es war zunächst ein undankbarer Nachmittag für den Torhüter, er hatte kaum Gelegenheit, sich auszuzeichnen. An den Gegentreffern war er machtlos. In Hälfte zwei dann mit starken Paraden wie gegen einen Pulisic-Kopfball (70.) und -Schuss (77.). Note 2 © nordphoto
Milos Veljkovic: Dass Dortmund vor allem über den linken Flügel immer wieder für Gefahr sorgte, lag auch an der schwachen Leistung des 21-Jährigen. Oftmals waren Reus und Guerreiro schlicht zu schnell für ihn. Note 4
Milos Veljkovic: Dass Dortmund vor allem über den linken Flügel immer wieder für Gefahr sorgte, lag auch an der schwachen Leistung des 21-Jährigen. Oftmals waren Reus und Guerreiro schlicht zu schnell für ihn. Note 4 © nordphoto
Niklas Moisander: Der Finne hatte vor der Pause großes Glück, dass es keinen Elfmeter für den BVB gab, als er Aubameyang im Strafraum eindeutig umgerissen hatte (23.). Ansonsten ohne größere Fehler. Note 3,5
Niklas Moisander: Der Finne hatte vor der Pause großes Glück, dass es keinen Elfmeter für den BVB gab, als er Aubameyang im Strafraum eindeutig umgerissen hatte (23.). Ansonsten ohne größere Fehler. Note 3,5 © nordphoto
Lamine Sane (bis 86.): War im Zentrum der Dreierkette um Ordnung bemüht, konnte die überfallartigen Angriffe des Gegners aber auch nicht stoppen. Verlor Aubameyang vor dem 1:2 aus den Augen (42.). In der Luft wie gewohnt so machches Mal Sieger. Note 3,5
Lamine Sane (bis 86.): War im Zentrum der Dreierkette um Ordnung bemüht, konnte die überfallartigen Angriffe des Gegners aber auch nicht stoppen. Verlor Aubameyang vor dem 1:2 aus den Augen (42.). In der Luft wie gewohnt so machches Mal Sieger. Note 3,5 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie (bis 45.): Auch er lief auf Werders rechter Abwehrseite oft nur hinterher. Zudem fehlte seinen Flanken die nötige Präzision. Gewann allerdings 77 Prozent seiner Zweikämpfe. Note 4
Theodor Gebre Selassie (bis 45.): Auch er lief auf Werders rechter Abwehrseite oft nur hinterher. Zudem fehlte seinen Flanken die nötige Präzision. Gewann allerdings 77 Prozent seiner Zweikämpfe. Note 4 © nordphoto
Ulisses Garcia: Der neue Mann in der Startelf erwischte einen Traumstart ins Spiel und war am 1:0 beteiligt (6.). Später hob er allerdings vor dem 1:1 das Abseits auf (32.) und sah auch beim 1:2 nicht gut aus. Note 4
Ulisses Garcia: Der neue Mann in der Startelf erwischte einen Traumstart ins Spiel und war am 1:0 beteiligt (6.). Später hob er allerdings vor dem 1:1 das Abseits auf (32.) und sah auch beim 1:2 nicht gut aus. Note 4 © nordphoto
Thomas Delaney: Der Däne suchte auch in Dortmund weiter nach seinem Rhythmus – fand ihn zwar nicht ganz, kam ihm aber näher. Auf der Sechserposition über weite Strecken nicht in der Lage, Struktur und Ruhe ins Spiel zu bringen. Kämpfte jedoch verbissen. Note 4
Thomas Delaney: Der Däne suchte auch in Dortmund weiter nach seinem Rhythmus – fand ihn zwar nicht ganz, kam ihm aber näher. Auf der Sechserposition über weite Strecken nicht in der Lage, Struktur und Ruhe ins Spiel zu bringen. Kämpfte jedoch verbissen. Note 4 © nordphoto (Archivbild)
Florian Grillitsch (bis 72.): Zeigte zu Beginn einige schöne Bewegungen, mit denen er für Raumgewinne sorgte. Hätte das 2:0 machen können (25.). Alles in allem war es ein guter letzter Auftritt des Österreichers im Werder-Trikot. Note 3
Florian Grillitsch (bis 72.): Zeigte zu Beginn einige schöne Bewegungen, mit denen er für Raumgewinne sorgte. Hätte das 2:0 machen können (25.). Alles in allem war es ein guter letzter Auftritt des Österreichers im Werder-Trikot. Note 3 © nordphoto (Archivbild)
Zlatko Junuzovic: Setzte vor dem 1:0 entschlossen nach und wurde dafür mit dem Treffer belohnt. Hätte später das 2:1 machen können, scheiterte aber an BVB-Keeper Bürki (33.). Genial dann der Pass auf Kruse vor dem 3:2 (68.). Note 2,5
Zlatko Junuzovic: Setzte vor dem 1:0 entschlossen nach und wurde dafür mit dem Treffer belohnt. Hätte später das 2:1 machen können, scheiterte aber an BVB-Keeper Bürki (33.). Genial dann der Pass auf Kruse vor dem 3:2 (68.). Note 2,5 © nordphoto
Fin Bartels: Machte auf der rechten Bremer Angriffsseite mächtig Dampf. Schön seine Hereingabe vor dem 1:0. Ansonsten gewohnt trickreich und immer für eine ungewöhnliche Lösung gut. Erzielte das 2:2 trocken und humorlos. Rückte nach der Pause ins Mittelfeld zurück. Note 2
Fin Bartels: Machte auf der rechten Bremer Angriffsseite mächtig Dampf. Schön seine Hereingabe vor dem 1:0. Ansonsten gewohnt trickreich und immer für eine ungewöhnliche Lösung gut. Erzielte das 2:2 trocken und humorlos. Rückte nach der Pause ins Mittelfeld zurück. Note 2 © nordphoto
Max Kruse: Ließ sich wieder weit ins Mittelfeld zurückfallen, um sich die Bälle dort abzuholen. Suchte immer den überraschenden Pass, was mal gelang – mal allerdings auch nicht. Traumhaft war sein Zuspiel vor dem 2:2 (46.), noch traumhafter sein Treffer zum 3:2. Note 2
Max Kruse: Ließ sich wieder weit ins Mittelfeld zurückfallen, um sich die Bälle dort abzuholen. Suchte immer den überraschenden Pass, was mal gelang – mal allerdings auch nicht. Traumhaft war sein Zuspiel vor dem 2:2 (46.), noch traumhafter sein Treffer zum 3:2. Note 2 © nordphoto
Gnabry (ab 46.): Agierte als zweite Spitze neben Kruse, den er bei einem Konter schön freispielte (52.). Seine auffälligste Szene dann aber in der Defensive: Verursachte Dortmunds Elfmeter an Reus (74.). Note 4,5
Serge Gnabry (ab 46.): Agierte als zweite Spitze neben Kruse, den er bei einem Konter schön freispielte (52.). Seine auffälligste Szene dann aber in der Defensive: Verursachte Dortmunds Elfmeter an Reus (74.). Note 4,5 © nordphoto
Bargfrede (ab 72.): Verursachte den zweiten BVB-Elfmeter (88.). Note -
Philipp Bargfrede (ab 72.): Verursachte den zweiten BVB-Elfmeter (88.). Note - © nordphoto (Archivbild)
Maximilian Eggestein (ab 86.): Kam in der Schlussphase als etwas offensivere Alternative für Sane. Note -
Maximilian Eggestein (ab 86.): Kam in der Schlussphase als etwas offensivere Alternative für Sane. Note - © nordphoto (Archivbild)

Wie ernst das angebliche China-Angebot für Kruse zu nehmen ist, ist erstmal noch unklar. Wie stark Serge Gnabrys Abwanderungsgedanken sind, ebenfalls. Sportchef Frank Baumann mag sich dazu bis auf Weiteres nicht äußern, bleibt in seinen Aussagen deshalb auffallend allgemein. „Die meisten Spieler haben bestehende Verträge, deshalb bin ich sehr optimistisch, dass wir die Mannschaft zum Großteil zusammenhalten und noch gezielt verstärken können.“

Zlatko Junuzovic gibt sich allerdings keiner Illusion hin, dass diese Verträge Spieler wirklich binden. „Das Geschäft ist unberechenbar, es kann immer in alle Richtungen gehen. Schlussendlich ist jeder für sich selbst verantwortlich, da wird man einen nie komplett aufhalten können, wenn es mal so weit sein sollte. Da muss man realistisch sein“, sagte er und fügte an: „Es wäre aber interessant, wenn der Großteil bleiben würde, weil wir uns weiter entwickeln können.“

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