Zuletzt gab es für Claudio Pizarro und Werder, Bobby Wood und den HSV sowie für Mario Gomez und den VfL Wolfsburg (von links) zwar allen Grund zur Freude – im Tabellenkeller stecken die drei Nordclubs aber immer noch.
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Zuletzt gab es für Claudio Pizarro und Werder, Bobby Wood und den HSV sowie für Mario Gomez und den VfL Wolfsburg (von links) zwar allen Grund zur Freude – im Tabellenkeller stecken die drei Nordclubs aber immer noch.

Werders größte Konkurrenz: HSV und VfL

Wenn Norden unten ist

Bremen - Von Daniel Cottäus. Zehn Punkte aus den vergangenen vier Spielen – die Serie, die Werder zuletzt in der Bundesliga hingelegt hat, ist durchaus beachtlich und macht Mut vor den restlichen zehn Partien der Saison.

Werder wirkt derzeit stabil, steckt auch Rückschläge weg und überzeugt phasenweise spielerisch – allerdings gibt es da dieses eine Problem, und gerade klein ist es nicht: Tabellarisch betrachtet haben die jüngsten Erfolge so gut wie gar nichts verändert, sie waren eher eine Art Minimalvoraussetzung dafür, dass die Bremer im Abstiegskampf nicht schon längst den Anschluss verloren haben. Dass gefühlte Stärke und Tabellenplatz 15 an der Weser einfach nicht zusammenpassen, hat viel mit zwei anderen Clubs zu tun: dem VfL Wolfsburg und dem Hamburger SV. Werders Nordrivalen haben zuletzt ebenfalls gepunktet. Alle drei Teams weisen 26 Zähler auf – und dürften bis zum Schluss gewaltig zittern müssen.

Es ist ein Klassiker, immer wieder angestimmt, schon viele Jahre alt, aber dennoch stets aktuell – so wie das mit Klassikern nun einmal ist. Er geht so: „Die Nummer eins, die Nummer eins, die Nummer eins im Norden sind wir!“ Ein sehr kurzes und vor allem eingängiges Lied, gern gesungen von Werder- oder HSV-Fans – immer dann, wenn ihre Mannschaft gerade besser dasteht als der große, alte Rivale. So betrachtet dürften aktuell die Bremer singen, als 15. rangieren sie in der Tabelle einen Platz vor dem HSV. Inhaltlich passen würde das Lied aber nicht, schließlich liegt auch Wolfsburg im Norden und der dort beheimatete VfL auf Rang 14. Drei Vereine, alle mit 26 Punkten auf dem Konto, alle in akuter Abstiegsgefahr – heißt: Selbst die „Nummer eins im Norden“ liegt in dieser Saison weit unten.

Zuletzt haben sich die drei Teams zwar stabilisiert und Punkte gesammelt, da sie es aber nahezu im Gleichschritt taten, kam in der Tabelle noch keiner so recht voran. Genau wie Werder hat auch der HSV an den vergangenen fünf Spieltagen zehn Punkte gesammelt, besser war in diesem Zeitraum nur der FC Bayern (13). Während die Bremer endlich die nötige Stabilität in der Defensive gefunden haben und neuerdings sehr gefestigt auftreten, beeindruckte der HSV mit großem Glauben an sich selbst. So hätte die 0:8-Klatsche von München durchaus ein Knackpunkt sein können, das Team schüttelte sie aber einfach ab und ließ unbeeindruckt Siege gegen Hertha (1:0) und Gladbach (2:1) folgen.

„In der Bundesliga kann man fast gegen jeden Gegner etwas mitnehmen“

Auch für Wolfsburg lief es zuletzt erfreulich, Neu-Trainer Andries Jonker scheint Impulse zu setzen. In den zwei Partien, die er bisher verantwortet hat, gab es vier Zähler – und einen wiedererstarkten Torjäger. Mario Gomez traf beim 1:1 in Mainz und beim 1:0 in Leipzig. Kurios: In bisher allen sieben Spielen unter Jonker (der Coach war früher schon einmal Gomez’ Chef beim FC Bayern) traf der Stürmer, insgesamt waren es elf Tore.

Es ist freilich auch dem Personal der drei Vereine nicht entgangen, dass die Nord-Konkurrenz momentan ebenfalls gut drauf ist, und so ähnelten sich die Aussagen und Einschätzungen am vergangenen Wochenende doch sehr. „Wir müssen unser Momentum festhalten und dürfen nicht zufrieden sein“, sagte Werders Innenverteidiger Niklas Moisander nach dem 1:1 in Leverkusen. „Wir müssen diese Team-Mentalität beibehalten“, forderte Hamburgs Bobby Wood, Siegtorschütze gegen Gladbach, und auch Wolfsburgs Robin Knoche nahm nach dem Erfolg in Leipzig die Rolle des Mahners ein: „Wir müssen weiterarbeiten und den nächsten Schritt machen.“

Momentan wirken Wolfsburg, Werder und der HSV jedenfalls alle stark genug, um nicht mehr von Ingolstadt (19) und Darmstadt (15) eingeholt zu werden. Die beiden direkten Abstiegsplätze wären damit vermieden. Die Saison scheint sich für den Norden also eher zu einem Kampf gegen die Relegation zuzuspitzen. Punktet das Trio fleißig weiter, könnte es auch Mainz (29) und Augsburg (28) noch mit hineinziehen.

Für Werders Theodor Gebre Selassie scheint ohnehin alles denkbar. Angesprochen darauf, dass der HSV Anfang Februar sogar mit 3:0 gegen Werders kommenden Gegner Leipzig gewonnen hatte, gab sich der Tscheche unbeeindruckt. „In der Bundesliga kann man fast gegen jeden Gegner etwas mitnehmen“, sagte er. Und Leipzig sei ja auch „nicht so stark wie in der Hinrunde“.

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