Die Mannschaft hält zusammen: Die Turbulenzen um Trainer Markus Anfang führten nicht dazu, dass das Team gegen Schalke 04 zusammenbrach.
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Die Mannschaft hält zusammen: Die Turbulenzen um Trainer Markus Anfang führten nicht dazu, dass das Team gegen Schalke 04 zusammenbrach.

Impfskandal und Spitzenspiel

Werder Bremen auf einem neuen Level der Widerstandsfähigkeit

Bremen – Am Morgen die überraschende Nachricht des Trainer-Rücktritts, am Abend der Zweitliga-Kracher gegen Schalke 04 inklusive des späten Elfmetergeschenks – ob dieser Tag nicht einfach irre war, wurde Niclas Füllkrug am späten Samstagabend im TV-Interview gefragt. „Irre“, sagte der Profi des SV Werder Bremen daraufhin und verzog gequält das Gesicht, „ist nett ausgedrückt. Es war ein richtiger Scheißtag.“

Die Antwort beschreibt in prägnanter Kürze, wie die Mannschaft von Werder Bremen die Impfpass-Turbulenzen und den daraus resultierenden Rücktritt von Trainer Markus Anfang aufgenommen hat. „Das macht schon etwas mit einem“, sagte auch Leonardo Bittencourt im NDR-Sportclub. Allerdings führten die Turbulenzen nicht dazu, dass das Team gegen Schalke zusammenbrach. Vize-Kapitän Bittencourt hatte sogar das Gegenteil festgestellt und nahm das in der Schlussphase erkämpfte (und durch ein Elfmetergeschenk möglich gemachte) Remis zum Anlass, im Schlechten auch das Gute zu sehen: „Man hat ja schon viel erlebt, viele Trainerentlassungen, aber dann drei vier Tage vor dem Spiel. Aber zehn Stunden vorher – das war ein Schock. Wie wir dann aber mit dieser Situation umgegangen sind, zeigt, wie intakt und geschlossen die Mannschaft ist.“ Für ihn ein Grund, mit Zuversicht in die Zeit ohne Anfang und mit einem neuen Trainer zu schauen.

Impfskandal von Markus Anfang: Für Niclas Füllkrug ist die Nachricht ein „Riesenrückschlag für die Mannschaft“ von Werder Bremen

Tatsächlich war den Spielern auf dem Platz nicht anzumerken gewesen, dass zuvor bei Werder Bremen alles drunter und drüber gegangen war. Die Polizei am Weserstadion, der Trainer unter Erklärungsdruck, dann der Rücktritt und die Verabschiedung von der Mannschaft – zurück blieb am Morgen vor dem Spiel eine Gruppe konsternierter Profis, die sich fragte: Und jetzt? Niclas Füllkrug empfand die Nachricht als „Riesenrückschlag für die Mannschaft“. Schließlich schien sich Werder, nach dem holprigen Saisonstart gerade berappelt und mit dem 2:1-Sieg beim 1. FC Nürnberg einen echten Kick gegeben zu haben. „Wir waren total in der Spur, voller Selbstvertrauen in der Länderspielpause“, schilderte Füllkrug die Gefühlslage vor dem großen Anfang-Chaos. Und dann pflanzte sich die Geschichte des mutmaßlichen Impfbetrugs des Trainers in die Köpfe – eines Mannes, dem zu vertrauen die Mannschaft gerade gelernt hatte.

Sportlich lief es für Werder Bremen in die richtige Richtung, dass der Coach jedoch an anderer Stelle offenbar die falsche Richtung genommen hatte, war nicht einfach so wegzuwischen. „Man kann uns nicht verdenken, dass das alles ein bisschen in unseren Hinterköpfen war. Es wurde natürlich viel darüber gesprochen“, meinte Füllkrug, kam letztlich aber zu dem gleichen Punkt wie Bittencourt: „Wir haben uns wenig beirren lassen und ein starkes Spiel gemacht. Ein Lob an die Truppe und den ganzen Verein, wie wir da rausgekommen sind und gegen einen starken Gegner einen Punkt geholt haben.“

Niclas Füllkrug verhindert den doppelten „Riesenrückschlag“ für Werder Bremen gegen Schalke 04

Von Füllkrug selbst war dabei die maximale Abgebrühtheit verlangt gewesen, als er in der neunten Minute der Nachspielzeit zum Elfmeter antrat und sicher verwandelte. Die Niederlage – die angesichts der Bremer Vorstellung fraglos unverdient gewesen wäre – war in letzter Sekunde noch abgewendet, und Füllkrug hatte verhindert, dass aus dem „Riesenrückschlag“ durch die Demission des Trainers nicht auch noch ein sportlicher und somit doppelter Riesenrückschlag geworden war. „Natürlich hätten wir gerne gewonnen, aber wie haben so aus einem bescheidenen Tag noch das Beste gemacht“, bewertete Bittencourt am Tag danach das Remis.

Werder Bremen gab gegen Schalke 04 nicht auf - trotz des späten Rückstands durch Simon Terodde

Wobei der Wert des Spiels für ihn eben weit über den gewonnenen Punkt hinausgeht. Die Resilienz der Truppe, ihre Widerstandskraft in schwierigen Situationen, sei bemerkenswert, so Bittencourt im NDR: „Die ganzen Ereignisse der Vergangenheit, auch die vielen Wechsel im Sommer, sowie die Situation jetzt haben uns zusammengeschweißt.“ Denn natürlich hätten alle am Samstag die Ohren hängen lassen können – wenn nicht schon wegen Anfang, dann doch spätestens nach dem Rückstand durch den Treffer von Schalkes Simon Terodde in Minute 82. Doch Werder Bremen gab nicht auf. Auf diese Charaktereigenschaft könne sich auch der neue Trainer freuen, betonte Bittencourt: „Der, der kommt, wird eine Mannschaft vorfinden, die hochmotiviert ist, eine gute Saison zu spielen. Der wird es leicht haben, mit uns zu arbeiten.“ (csa) Auch interessant: Ex-Werder-Trainer Anfang feierte Karneval - ungeimpft? Und: Interimscoach Danijel Zenkovic positiv auf Corona getestet - Werder Bremen gehen die Trainer aus!

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