Mit Sammelbildern auf der Terrasse: „Willi“ Feldhaus erinnert sich im Gespräch mit dieser Zeitung an seine Zeit bei Werder Bremen.
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Mit Sammelbildern auf der Terrasse: „Willi“ Feldhaus erinnert sich im Gespräch mit dieser Zeitung an seine Zeit bei Werder Bremen.

„Werder packt das noch“

„Willi“ Feldhaus war beim Werder-Abstieg 1980 dabei – und glaubt nun fest an die Rettung

Blender – Ein Anbieter namens „coolafterburner“, Standort Bayern, hat ihn im Repertoire und bietet ihn auf einer großen Auktionsplattform an. Sieben mal fünf Zentimeter, Preis per Sofortkauf: 1,50 Euro. Das Sammelbild, um das es geht, zeigt Wilfried Feldhaus – mit Mähne auf dem Kopf und Trikot von Werder Bremen am Leib.

40 Jahre ist das schon her. Der Kaugummi-Hersteller „Americana München“ vertrieb die Bildchen damals, quasi als Vorgänger der italienischen Marke Panini. Feldhaus, inzwischen 65, hat noch ein paar Exemplare übrig: „Wir haben seinerzeit jeder 1.000 oder 2.000 Stück davon bekommen, weil wir sie gleichzeitig als Autogrammkarten genutzt haben.“

Das Foto wird ihn immer an sein eines Jahr in Deutschlands Beletage erinnern – und an ein bitteres Ende. Feldhaus war, allerdings nicht als Stammkraft, beim einzigen Bundesliga-Abstieg des SV Werder Bremen dabei. Der zweite droht in dieser, fast beendeten Saison. Eine gute Gelegenheit, den ehemaligen Trainer des SV Bruchhausen-Vilsen (sechs Jahre) vor dem so wichtigen Auftritt des SV Werder Bremen heute (15.30 Uhr, DeichStube-Liveticker) bei Abstiegskonkurrent Mainz 05 mal nach Unterschieden und Parallelen zu fragen: Wie war es 1980? Wie sieht er es 2020?

„Werder Bremen ist mein Verein“

Der in Westen bei Dörverden geborene Feldhaus hat in sein Haus in Blender eingeladen, in dem er seit dem Jahr 2000 mit seiner Familie lebt. Dort haben seine Frau (eine Vilserin), Sohn Lasse (17/spielt bei Verden/Brunsbrock) und er kürzlich gemeinsam das Bremer 5:1 gegen Paderborn bejubelt: „Werder Bremen ist mein Verein – und natürlich sind wir da auch mal vom Sofa aufgesprungen.“

Diesmal geht’s raus. Auf dem großen Terrassentisch breitet Feldhaus als Erstes ein paar Erinnerungsstücke aus. Den dicken Werder-Wälzer von Stadionsprecher Arnd Zeigler, in dem die ganze Historie des Clubs zu finden ist. Ein paar alte Zeitungsartikel. Ein Mannschaftsfoto von 1980. Ein Bild des Bremer Traditionsteams, in dem er bis vor etwa sechs Jahren trotz Knieproblemen (ihm wurde einst der Meniskus im rechten Knie herausgenommen) hin und wieder mitspielte. Und natürlich die Sammelbilder. „Da hatte ich noch eine schöne Matte“, sagt Feldhaus und schmunzelt. Inzwischen ist der Kopf ziemlich kahl.

Werder Bremen stieg am 24. Mai 1980 ab

Als die Haare noch sprießten, hatte er seine erfolgreichste Zeit als Fußballer. 1977 wechselte Feldhaus, der zuvor ausschließlich beim TSV Verden gespielt hatte, in Werders Amateurmannschaft. 1979 unterschrieb er für ein Jahr einen sogenannten Halbprofivertrag. Heißt: Halber Tag Fußball, halber Tag Arbeit beim Landkreis Verden, wo er damals und dann bis zum Eintritt in den Ruhestand als Verwaltungsbeamter angestellt war. Mit Thomas Schaaf und Jonny Otten stieg der offensive Mittelfeldmann auf ins Bundesliga-Team, in dem er bereits in der Saison zuvor beim Auswärtsspiel in Nürnberg über 90 Minuten debütiert hatte. „Ein gutes Spiel – und mein persönliches Highlight“, meint Feldhaus. Drei Erstliga-Einsätze, jeweils als Joker, kamen dann noch hinzu. In Düsseldorf, in Uerdingen – und beim wilden 4:6 im Weserstadion gegen 1860 München. „Danach haben sie Trainer Wolfgang Weber geschasst“, erinnert sich Feldhaus. Die miese Saison war dadurch allerdings nicht mehr zu retten. 

Am 24. Mai 1980 ging Werder Bremen zu Hause mit 0:5 gegen den 1. FC Köln unter. Tony Woodcock wurde zum „Woodknock“, schickte die Bremer mit vier Treffern auf die Bretter – und damit endgültig in die Zweite Liga. Feldhaus war nicht im Kader, saß bei dieser historischen Partie auf der Tribüne. Über den Abstieg sagt er: „Das war natürlich richtig bitter. Aber es kam nicht überraschend.“

„Werder Bremen fehlen Charaktere wie Clemens Fritz, Torsten Frings, oder Max Kruse“

Schon den „Fall Dave Watson“ konnte man durchaus als schlechtes Omen für das Bundesliga-Jahr sehen. Der englische Nationalspieler sollte als neuer Libero die Abwehr stabilisieren, sah aber schon im zweiten Spiel Rot, hatte nach seiner achtwöchigen Sperre offenbar keine rechte Lust mehr auf Bremen und wechselte zurück auf die Insel zum FC Southampton. Die Folge laut Feldhaus: „Die Abwehr war anfällig, es gab ständige Wechsel und nie richtige Stabilität. Wir haben Dinger reinbekommen, da dachte man nur: Mannomann. Und so eine Unsicherheit habe ich bei der aktuellen Mannschaft auch gesehen, das ist fast identisch.“ 1979/80 kassierte Werder Bremen unfassbare 93 Gegentreffer, momentan (zwei Spieltage vor Schluss) sind es 65.

Ein paar Spiele habe er in dieser Saison live im Stadion gesehen. „Es war“, sagt Feldhaus, überlegt kurz und fügt dann an, „einfach desolat, viel zu wenig. Dieser Offensivdrang, der uns Werderaner stark gemacht hat, war fast gar nicht zu erkennen.“ Zudem vermisst er „ein richtiges mannschaftliches Gefüge. Charaktere wie Torsten Frings oder Clemens Fritz sind nicht mehr da. Oder auch Max Kruse, der Zug reingebracht hat.“

Anders als früher, als Weber gehen musste, halten die nunmehr Verantwortlichen am Trainer fest. „Ich finde es gut, dass Ruhe bewahrt wird“, betont Feldhaus: „Florian Kohfeldt macht es super, ist auch ein positiver und sympathischer Typ. Der wird seinen Weg gehen.“

Wilfried Feldhaus: Werder Bremen schafft die Relegation

Insgesamt ist Feldhaus trotz seiner kritischen Worte optimistisch, dass Werder Bremen das Ruder im heißen Endspurt noch herumreißt: „Die Ergebnisse von Düsseldorf und Mainz am Mittwoch waren natürlich Mist. Aber Werder packt das noch! Ich gehe fest davon aus, dass sie es in die Relegation schaffen – und dann bin ich mir zu 90 Prozent sicher, dass sie auch drin bleiben. Egal, gegen wen es gehen würde. Der Ernst der Lage ist nicht zu spät erkannt worden – das war damals anders.“

Immerhin hätten die Verantwortlichen – allen voran Manager und Kurzzeit-Trainer Rudi Assauer – es hinbekommen, auf den Abstieg entsprechend zu reagieren. Feldhaus: „Man hat daraus gelernt und es sofort repariert. Letztlich war es ein Betriebsunfall, wie er im Buche steht.“ Und wenn es Werder jetzt ein zweites Mal erwischen sollte? „Dann müsste man sich sicher von dem einen oder anderen Spieler trennen“, findet Feldhaus: „Aber man hätte genügend Talente wie Josh Sargent oder Johannes Eggestein und Möglichkeiten, eine Super-Truppe auf die Beine zu stellen.“

Werder Bremen: Wilfried Feldhaus wechselte zurück zu den Amateuren

Er selbst wechselte nach dem Abstiegsjahr zurück in Werders Amateurteam: „Ich sollte in der 2. Bundesliga weitermachen, habe dann aber meine Priorität auf den Beruf gelegt. Mit Fußball reich wurden damals nur die wenigsten, viele mussten nach ihrer Karriere zurück in andere Jobs.“

Die Kontakte zu Werder Bremen rissen nach und nach ab. Eng blieb der Draht lediglich zu Hartmut Konschal, mit dem er später beim TSV Verden und Atlas Delmenhorst als Trainer zusammenarbeitete. Das Fazit seiner kurzen Profi-Zeit, in der er noch einige Einsätze im Intertoto-Cup hatte, fällt trotz des sportlichen Misserfolgs positiv aus: „Es war eine tolle Zeit mit vielen Unikaten.“

Ab und an, erzählt Feldhaus abschließend, bekommt er noch Post mit Autogrammwünschen. Dafür kann er seine letzten Sammelbilder benutzen. Eines davon unterschreibt er dann noch. Wenn Sammler also einen handsignierten Feldhaus haben möchten – eine Mail an redaktion@deichstube.de genügt...

Werder Bremen: Mutmacher für Thomas Schaaf, großer Respekt vor Rudi Assauer

Als „Willi“ Feldhaus und Bremens späterer Meister-Trainer Thomas Schaaf zusammen bei Werders Amateuren spielten, verloren sie mal mit 0:8 in Gifhorn. Hinterher musste Feldhaus, damals Kapitän, mentale Aufbauarbeit bei Teenager Schaaf leisten: „Thomas‘ Gegenspieler hat vier oder fünf Tore gemacht. Im Bus zurück habe ich mich dann neben ihn gesetzt und ihm ausschließlich positiv zugeredet. Das konnte er ganz gut gebrauchen.“

Sehr gut erinnert sich Feldhaus auch noch an den damaligen Manager Rudi Assauer. „Ein guter Fußballer, ein guter Trainer – und dann als Manager mit riesigem Geschick. Der hatte alles dermaßen gut im Griff, seine Augen überall.“ Wenn er zu einem Gespräch in Assauers Büro gerufen wurde, stieg die Nervosität. Feldhaus: „Wenn er da so saß in seinem Ledersessel, schön mit Zigarre – da ist man gleich eine Nummer kleiner geworden.“

Werders Mannschaftsfoto aus dem Juli 1979 – knapp ein Jahr später stand der erste und bisher einzige Abstieg aus der 1. Bundesliga fest. Wilfried Feldhaus (unten links) gehörte damals zum Kader – genau wie (hinten v.l.) Dieter Burdenski, Jonny Otten, Thomas Schaaf, Uwe Reinders, Martin Haskamp, Albert Voß, (Mitte v.l.) Trainer Wolfgang Weber, Dave Watson, Hans-Jürgen Offermanns, Benno Möhlmann, Paul Linz, Franz Hiller, Karlheinz Geils, Norbert Siegmann, Karl-Heinz Kamp, (vorn v.l.) Feldhaus, Hartmut Konschal, Werner Dreßel, Uwe Bracht, Klaus Wunder, Jürgen Röber und Masseur Peter Kienert.

Feldhaus‘ Karriere (als Spieler): TSV Verden (bis 1977), Werder Bremen Amateure (1977 bis 1979), Werder Bremen (1979/80), Werder Bremen Amateure (1980 bis 1982), danach zurück zum TSV Verden

Karriere (als Trainer): TSV Verden, Germania Walsrode, Atlas Delmenhorst (Co-Trainer), SV Hodenhagen, TSV Ottersberg, SV Bruchhausen-Vilsen, TSV Brunsbrock

Besonderes: Torschützenkönig der Amateur-Oberliga (vergleichbar mit der heutigen Dritten Liga) in der Saison 1981/82 (20 Tore), im gleichen Jahr Nordmeister.

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