Sebastian Schindzielorz (li., Manager VfL Bochum) und Rachid Azouzzi (r., Geschäftsführer Sport bei Greuther Fürth) haben bereits geschafft, was Werder Bremen noch erreichen will: Den Aufstieg in die Bundesliga.
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Sebastian Schindzielorz (li., Manager VfL Bochum) und Rachid Azouzzi (r., Geschäftsführer Sport bei Greuther Fürth) haben bereits geschafft, was Werder Bremen noch erreichen will: Den Aufstieg in die Bundesliga.

Fürth und Bochum haben es vorgemacht

Der SV Werder Bremen will wieder hoch – und zwei Aufsteiger erklären, wie es geht

Der Begriff fällt oft. Es scheint das Zauberwort zu sein, das zählt. Oder anders: Der Schlüssel für alle Zweitligisten wie auch den SV Werder Bremen, der die Tür zum Fußball-Oberhaus öffnen kann. „Kontinuität“, sagt Rachid Azzouzi, Manager des letztjährigen Aufsteigers Fürth, sei die Basis für den Erfolg. „Kontinuität“, pflichtet ihm Sebastian Schindzielorz, Pendant beim Mit-Emporkömmling VfL Bochum, bei, spiele eine wichtige Rolle.

Zwei Clubs, die es geschafft haben, die hoch gekommen sind. Zwei Clubs, die vor dem Kunststück eigentlich kaum jemand auf der Rechnung hatte. Die 2. Liga spielte mal wieder verrückt im letzten Spieljahr. Greuther Fürth, schon mal 2012/13 erstklassig, setzte sich ebenso überraschend durch wie Bochum, das bereits den siebten Aufstieg in die höchste Spielklasse schaffte. Die Parallelen bei Franken und Westfalen liegen auf der Hand. Beide Vereine entwarfen einen klaren Plan, eine stimmige Philosophie, die sie konsequent, auch bei auftretenden Widrigkeiten, verfolgten. Ein Masterplan für den Aufstieg? Eine Blaupause für den Steigflug in die 1. Liga, den auch Werder Bremen so schnell wie möglich anstrebt?

„Der eigene Plan muss durchgezogen werden“, betont Azzouzi, der ehemalige Nationalspieler aus Marokko, der als Wahl-Fürther den Club besser kennt als die malerischen Sehenswürdigkeiten in seinem Heimatland in Nordafrika. Erst Spieler und kurzzeitig Trainer, dann Assistent der Geschäftsführung und Teammanager, seit November 2017 nun Sportdirektor – der 50-Jährige hat in Fürth schon alles gemacht. Dazu gehörte auch, ein klares Konzept zu entwickeln, das im Sportpark Ronhof auch gelebt wird. „Man braucht Geduld und Zeit“, findet Azzouzi: „Eine Standhaftigkeit, so wird sich über kurz oder lang der Erfolg einstellen.“

Aufstieg in die Bundesliga? Werder Bremen braucht „ein dickes Fell“, um es zu schaffen

Die Gedankengänge in Bochum verlaufen ähnlich. Der Entwurf zum Vorhaben, den VfL wieder nach oben zu führen, wurde 2018 erstellt. Schindzielorz, ein Ex-Spieler, auch in Köln aktiv und mit dem VfL Wolfsburg 2009 Meister, wurde befördert zum Geschäftsführer Sport an der Seite des erfahrenen Managers Ilja Kaenzig. Dieser, bekannt aus Leverkusen und Hannover, kehrte nach Stationen in der Schweiz und Frankreich nach Deutschland zurück und amtiert seitdem als Sprecher der VfL-Geschäftsführung. „Mit Überzeugung“, so Schindzielorz, seien sie ans Werk gegangen. „Wir bemühen uns darum, nach den Grundsätzen zu handeln, die im Fußball generell wichtig sind. Wir streben eine Grundstabilität an und treffen in diesem Sinne wichtige Personalentscheidungen. Also: Wenige Wechsel im Kader, Festhalten an den Stützen im Aufgebot.“

Laut Azzouzi müssen man auch „ein dickes Fell“ haben, sich nicht von der „Stimmung von außen“ verleiten lassen, wenn Rückschläge, die unvermeidbar seien, mal auftreten. „Wenn man von seinem Konzept überzeugt ist, muss man es auch mit Vehemenz durchziehen.“ Der Amtsinhaber in Bochum unterstreicht diese Leitlinie: „Es ist notwendig, an seine Idee unerschütterlich zu glauben und nicht vom eingeschlagenen Weg abzubiegen.“

Werder Bremen-Aufstieg in die Bundesliga? Rachid Azzouzi: „Die 2. Liga ist schon ein anderer Schnack“

Es sind allgemein formulierte Ratschläge an die Großen „im bunten Mix der 2. Liga“, wie Schindzielorz die heterogene Spielklasse mit Teilnehmern unterschiedlicher Couleur und auseinanderklaffenden Startbedingungen umschreibt. Beide Macher der aktuellen Aufsteiger wollen keine direkten Empfehlungen geben an die Favoriten, die hoch gewetteten Traditionsvereine wie die „frischen“ Absteiger Werder Bremen oder Schalke sowie der nunmehr im vierten Jahr schon etablierte Zweitligist Hamburger SV. Beide sehen die spezifischen Probleme dieser Clubs. Der hohe eigene Anspruch, die immense Erwartungshaltung der Anhänger seien echte Stolpersteine. „Der Druck bei solchen Vereinen ist schon größer“, gesteht Schindzielorz.

Was macht den Aufstieg so schwer? Antwort Azzouzi: „Die 2. Liga ist schon ein anderer Schnack. Da sind andere Qualitäten gefordert. Dass sich die Absteiger durchsetzen, ist nicht selbstverständlich.“ Antwort Schindzielorz: „Es ist eine recht komplexe Spielklasse, sehr ausgeglichen, obwohl von den wirtschaftlichen Voraussetzungen her eine enorme Diskrepanz existiert. Es ist schwer, sich durchzusetzen, weil viele Spiele auf Messers Schneide stehen.“

Werder Bremen und die schwierige Rückkehr in die Bundesliga: „Es wird immer ein langer Atem gebraucht“

Erfahrungen, die favorisierte Teams wöchentlich machen – wie auch Werder Bremen in der heiklen Anfang-Zeit. Die Außenseiter trumpfen und steigen auf. Es ist beileibe kein neuer Trend. Fürth und Bochum als jüngste Beispiele, davor Bielefeld, Paderborn und Union Berlin, vorher schon Darmstadt, Ingolstadt oder Braunschweig. Ein Aufsehen erregendes Jahrzehnt im Unterhaus, Sensationen am laufenden Band.

Und nun ist gar die Rede von der „besten 2. Liga aller Zeiten“, weil mit Schalke und Bremen noch zwei namhafte Schwergewichte das 18er-Feld komplettieren. Frage an die Experten: Fällt in dieser Spielzeit der Aufstieg den Goliaths der Spielklasse noch schwerer? „Schwer zu sagen“, sagt Schindzielorz. „Es ist grundsätzlich schwer, es wird immer ein langer Atem gebraucht.“ Kollege Azzouzi antwortet indes mit einem „klarem Nein“. Seine Argumentation: „Die Leistungsdichte ist schon seit Jahren vorhanden.“ (hgk) 

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