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Rudi Assauer im Jahr 2015.

„Rudi Assauer hat hier richtig Spuren hinterlassen“

Willi Lemke zum Tod von Rudi Assauer

Bremen - Das Urteil könnte positiver kaum sein. „Rudi Assauer hat hier richtig Spuren hinterlassen“, sagt Willi Lemke im Gespräch mit der DeichStube über Assauers Zeit beim SV Werder Bremen.

Lemke hatte 1981 Assauers Manager-Job in Bremen übernommen, nachdem dieser wenige Monate zuvor zum FC Schalke 04 gewechselt war. Am Mittwoch ist Assauer im Alter von 74 Jahren nach langer Krankheit (Alzheimer) gestorben.

Assauer war „ein Macher und ein Macho“

Assauer war 1970 von Borussia Dortmund zum SV Werder gewechselt, bis 1976 bestritt er 188 Bundesliga-Spiele für die Bremer und erzielte dabei vier Tore. Anschließend tauschte er die Seiten, Vereinspräsident Dr. Franz Böhmert machte ihn mit nur 32 Jahren zum ersten hauptamtlichen Manager des Clubs. „Rudi war einer der ersten echten Manager im Fußball überhaupt“, erinnert sich Lemke: „Rudi war ein Macher – und natürlich auch ein Macho.“ Werders Abstieg 1980 konnte aber auch Assauer nicht verhindern, dabei war er zwischenzeitlich auch als Trainer eingesprungen. Der erfolgshungrige Assauer hätte Werder schon zu diesem Zeitpunkt verlassen können, „aber das wollte er partout nicht“, erinnert sich Lemke: „Er wollte uns Werderaner nicht alleine lassen, sondern zurück in die erste Liga führen. Das hat er geschafft.“

Willi Lemke bei der Mitgliederversammlung 2019.

Danach wechselte Assauer aber zum FC Schalke 04. „Rudi hat dort bessere Möglichkeiten gesehen. Schalke hatte das größere Stadion, mehr Fans und größere wirtschaftliche Möglichkeiten“, so Lemke. Umso mehr habe es Assauer gewurmt, dass Werder in den Folgejahren viel erfolgreicher war als Schalke. In Bremen begann die goldene Ära von Otto Rehhagel, den Assauer selbst noch während der Aufstiegssaison an die Weser gelotst hatte.

Rudi Assauer trug von 1970–1976 das Trikot der Grün-Weißen. 1980 Trainierte er Werder Bremen bevor er zu Schalke 04 wechselte.

„Es war immer ein spannender Wettbewerb mit Rudi, immer sportlich und immer fair, aber auch knallhart“, berichtet Lemke. Assauer lockte so manchen Werder-Star in den Ruhrpott. Höhepunkt war der Doppel-Transfer von Ailton und Mladen Krstajic, deren Wechsel mitten in der Double-Saison 2004 bekannt wurde. Vor allem Böhmert war damals schwer getroffen, kündigte Assauer die Freundschaft, weil dieser die Bremer nicht informiert hatte. „Aber nach ein paar Tagen waren Böhmert und Assauer wieder die besten Freunde“, sagt Lemke: „Spielerwechsel gehören zum Fußball-Geschäft einfach dazu. Da muss man kein langes Theater machen. Die Verbundenheit von Rudi zu Werder hat darunter nie gelitten.“

Assauer kam immer wieder nach Bremen

Dazu passt: Assauer kam bis Ende des Jahrtausends regelmäßig nach Bremen. Er hatte einen Freundeskreis gegründet, der sich bis heute zwei Mal in der Woche in der Werder-Halle an der Hemelinger Straße zum Fußballspielen trifft. Dazu gehörten auch Assauers beste Freunde - Werder-Torwartlegende Dieter Burdenski und der ehemalige Wirtschaftssenator Josef Hattig.

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Schon nach seiner Entlassung 1986 auf Schalke war Assauer nach Bremen zurückgekehrt, arbeitete in der Immobilienbranche und als Manager des damaligen Zweitligisten VfB Oldenburg. 1993 holte ihn Schalke zurück – und es begann eine sehr erfolgreiche Zeit. 1997 gewann Schalke den Uefa-Cup, 2001 und 2002 den DFB-Pokal - und verpasste 2001 nur ganz knapp die Meisterschaft. Assauer verwirklichte sich 2005 seinen großen Traum, realisierte den Bau der Schalke-Arena. „Rudi war einer der bekanntesten Fußball-Manager überhaupt. Von seiner Sorte gab es nur drei, vier“, sagt Lemke und fügt noch mit etwas leiserer Stimme an: „Rudi ist ein Gesicht der Bundesliga, er wird uns fehlen.“

Werders Bundesliga-Trainer

Willi Multhaup
Werders erster Bundesliga-Trainer Willi Multhaup wurde auch zum ersten Meister-Trainer. Nachdem Multhaup die Mannschaft zur Saison 1963/64 übernommen hatte, führte er Werder Bremen 1964/65 zur Deutschen Meisterschaft.  © imago
Günter Brocker
Sein Nachfolger Günter Brocker übernahm in der Spielzeit 1965/66, blieb aber auch nur zwei Jahre im Amt. Nach drei Niederlagen in Folge musste er zu Beginn der Saison 1967/68 seinen Platz räumen.  © imago
Fritz Langner
Im September 1967 begann damit Fritz Langners erste Amtszeit bei Werder. Nach der Vizemeisterschaft 1967/68 wurde er im Oktober 1968 wegen einer Erkrankung drei Spiele lang von Richard Ackerschott vertreten. Im Anschluss an die folgende Saison 1968/69 wechselte er zu 1860 München.  © imago
Fritz Rebell
Auf ihn folgte Fritz Rebell, der noch während einer mittelmäßigen Spielzeit 1969/70 im März entlassen wurde. Er saß nur 22 Spiele lang auf der Werder-Bank.  © imago
Hans Tilkowski
Den Rest der Saison 1969/70 bestritt Werder mit Hans Tilkowski an der Seitenlinie. Es war seine erste Anstellung als Trainer, die Grün-Weißen landeten am Ende auf Platz 11.  © imago
Robert Gebhardt
Zur Saison 1970/71 übernahm Robert Gebhart, konnte Werder aber auch nicht aus dem Mittelfeld der Liga führen. In der darauffolgenden Spielzeit wurde er nach acht Spieltagen und zwei Niederlagen hintereinander entlassen.  © imago
Willi Multhaup
Ein bekanntes Gesicht kehrte daraufhin zurück: Willi Multhaup, hier mit seinem späteren Nachfolger Josef Piontek, trainierte Werder in der Saison 1971/72 aber nur einen Monat lang.  © imago
Josef Piontek
Nach seiner aktiven Karriere übernahm Josef Piontek den Trainerposten von Multhaup. Das Training konnte er zunächst aber nicht leiten, da er erst seine Lizenz ablegen musste.  © imago
Fritz Langner
Deshalb sprang auch 1972 Fritz Langner noch einmal für sechs Spiele ein. Im Juni 1972 kehrte Piontek jedoch zurück und blieb bis zur Saison 1974/75 Trainer von Werder Bremen.  © imago
Herbert Burdenski
Nachfolger wurde Herbert Burdenski, seine Amtszeit hielt allerdings nur 22 Pflichtspiele an. Nach drei sieglosen Spielen musste er im Februar 1976 gehen.  © imago
Otto Rehhagel
Otto Rehhagel übernahm für die restliche Spielzeit 1975/76, seine erste Saison bei Werder endete auf Platz 13 – Klassenerhalt.  © imago
Hans Tilkowski
Schon während Rehhagels Amtszeit war klar, dass Hans Tilkowski in der folgenden Saison 1976/77 an die Weser zurückkehren würde. Unter ihm blieb Werder im Mittelfeld der Tabelle, im Dezember 1977 war Schluss.  © imago
Fred Schulz
Mit Fred Schulz (Mitte) nahm Ende 1977 der älteste Trainer der Bundesligageschichte auf Werders Trainerbank Platz. Manager Rudi Assauer (rechts) war eigentlich eingesprungen, brauchte aber einen lizenzierten Trainer neben sich. Zum Saisonende 1977/78 und nur auf Platz 15 musste Schulz gehen.  © imago
Wolfgang Weber
Auch sein Nachfolger Wolfgang Weber kam in der Saison 1978/79 mit der Mannschaft nicht aus dem Mittelfeld heraus. Im folgenden Jahr geriet Werder wieder in Abstiegsgefahr, Weber wurde im Januar 1980 entlassen.  © imago
Fritz Langner und Rudi Assauer
Zum dritten Mal kehrte Fritz Langner (links) als Trainer an die Weser zurück. Rudi Assauer (rechts) hatte nach wie vor keine Lizenz, saß aber während einer Partie offiziell als Coach an der Seitenlinie. Es half alles nichts, Werder stieg nach der Saison 1979/80 ab.  © imago
Kuno Klötzer
In der Zweiten Liga übernahm 1980/81 Kuno Klötzer das Traineramt und startete erfolgreich das Projekt Wiederaufstieg. Aufgrund eines schweren Autounfalls musste er jedoch im April 1980 sein Amt abgeben.  © imago
Otto Rehhagel
Es begann die Ära Otto Rehhagel. In seiner zweiten Amtszeit von 1981 bis 1995 führte „König Otto“ die Grün-Weißen zunächst zurück in die Erste Bundesliga, dann 1988 und 1993 zur Deutschen Meisterschaft und zum Pokalsieg 1991 und 1994. Seine Laufbahn bei Werder krönte er 1992 mit dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger.  © imago
Aad de Mos
Als Otto Rehhagel 1995 ausgerechnet zum Ligakonkurrenten Bayern München wechselte, folgte auf ihn der Niederländer Aad de Mos. Nach einer erfolglosen ersten Saisonhälfte 1995/96 verließ er den Verein jedoch wieder.  © imago
Hans-Jürgen Dörner
Für ihn kam Hans-Jürgen Dörner im Januar 1996. Werder blieb mit ihm im Mittelfeld, zu Beginn der Saison 1997/98 trennten sich die Wege von Verein und Trainer.  © imago
Wolfgang Sidka
Es übernahm Wolfgang Sidka und während die Saison 1997/98 noch versöhnlich auf Platz 7 endete, rutschte Werder in der folgenden Spielzeit in die Abstiegsränge. Im Oktober 1998 war Sidkas Zeit abgelaufen.  © imago
Felix Magath
Auf ihn folgte Felix Magath, der aber keine ganze Saison im Verein blieb. Nach vier Niederlagen in Folge und Platz 15 trat er im Mai 1999 zurück.  © imago
Thomas Schaaf
Der Trainer der U23, Thomas Schaaf, übernahm die Mannschaft, wandte den Abstieg ab und holte 1999 prompt den DFB-Pokal. Zwei weitere Pokalsiege sollten 2004 und 2009 folgen. In der Saison 2003/04 gelang sogar das ganz große Ding: Meisterschaft, Pokal - Doublesieger! Im Mai 2013 endete die Ära Schaaf.  © imago
Robin Dutt
Sein Nachfolger hieß Robin Dutt. Nach einer mäßigen Saison 2013/14 und neun Spielen ohne Sieg zu Beginn der Spielzeit 2014/15 war für ihn aber wieder Schluss.  © imago
Viktor Skripnik
Das geglückte Experiment Schaaf ließ die Werder-Verantwortlichen danach auf Viktor Skripnik setzen, zu diesem Zeitpunkt U23-Trainer. Die Saison 2014/15 schloss Werder auf Platz 10 ab, die Folgende auf dem 13. Rang. Nach einem schlechten Start 2016, wurde er im September entlassen.  © gumzmedia
Alexander Nouri
Es übernahm wiederum der Trainer von Werders U23, Alexander Nouri. In der Rückrunde der Saison 2016/17 startete er mit der Mannschaft eine Siegesserie und verpasste den internationalen Wettbewerb nur knapp. Nach dem zehnten Spieltag der Folge-Saison holte Werder keinen Sieg und Nouri wurde am 30. September entlassen.  © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Es folgte wieder ein U23-Trainer, der die Profis im Herbst übernahm: Florian Kohfeldt.  © gumzmedia

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