+
Das Tablet gehört bei Werder zum Alltag: Coach Alexander Nouri (links) und Co-Trainer Markus Feldhoff nutzen es im Training und im Spiel.

Werder wird immer technischer

Essen per App, einwechseln mit Tablet

Bremen - Zettel, Tafeln, Mappen – alles Vergangenheit auf der Trainerbank. Der SV Werder Bremen setzt in dieser Saison auf das Tablet.

Und Trainer Alexander Nouri würde den Mini-Computer gerne noch viel mehr nutzen als bislang. Der 37-Jährige mag diesen technischen Fortschritt, der seine Spieler nun sogar nach Apps auf dem Smartphone einkaufen und dann auch essen lässt. „Ich glaube schon, dass man die Spieler heute mit den neuen technischen Möglichkeiten anders abholen kann“, sagt Nouri, mahnt aber zugleich: „Ganz wichtig bleibt die Kommunikation, man muss über gewisse Dinge einfach sprechen.“

Es geht um ganz verschiedene Bereiche – auch um sehr persönliche. „Wir haben eine App, in der 200 Lebensmittel aufgelistet sind“, berichtet Robert Bauer. Der Abwehrspieler hat wie viele Kollegen seine Ernährung umgestellt. Er achtet auf glutenfreie Speisen. Milch und Eier sind tabu – genauso wie die eine oder andere Frucht. Dabei den Überblick zu behalten, das ist nicht so einfach. Da hilft besagte App, die jeden Spieler individuell betreut. „In einer Skala von eins bis vier steht dort, wie gut man was verträgt und was man bedenkenlos essen kann. Im Moment lasse ich die Stufen drei und vier weg“, erzählt Bauer und gesteht, dass er nun beim Einkaufen ständig auf sein Smartphone schaut: „In der App kann ich nachschauen, was ich vertrage und was nicht.“

Bauer steht häufiger selbst am Herd

Kochen muss er allerdings noch selbst – und das häufiger als früher. Denn seine Restaurant-Besuche hat der 22-Jährige etwas eingeschränkt. „Man muss sich vorher schon schlau machen, wo es glutenfreie Sachen gibt. Deswegen bin ich jetzt häufiger zuhause.“ Dann steht Bauer selbst am Herd. „Das nehme ich aber gerne in Kauf, weil es mir wirklich besser geht.“ Wenn der Nutzen so offensichtlich für die Spieler ist, dann wird die Technik schnell akzeptiert. Das ist aber nicht immer so. „Es gibt inzwischen so viele Apps und Möglichkeiten, den Spielern Informationen zu geben. Wir stellen unseren Spielern beispielsweise Spielszenen zur Verfügung“, erklärt Nouri und verrät: „Es gibt da Unterschiede. Der eine Spieler ist technikaffin, beschäftigt sich mehr damit. Der andere Spieler braucht weniger Informationen.“

Alexander Nouri: Seine Karriere in Bildern

Bereits im Jugendbereich lief Alexander Nouri für Werder Bremen auf. Dort schaffte er es in die deutsche U16-Nationalmannschaft und nahm 1996 sogar an der EM in Österreich teil.
Bereits im Jugendbereich lief Alexander Nouri für Werder Bremen auf. Dort schaffte er es in die deutsche U16-Nationalmannschaft und nahm 1996 sogar an der EM in Österreich teil. © imago
Bis 2001 spielte der heutige Bremer Chefcoach für die Amateurmannschaft an der Weser und war zwischenzeitlich für wenige Monate an Seattle Sounders ausgeliehen.
Bis 2001 spielte der heutige Bremer Chefcoach für die Amateurmannschaft an der Weser und war zwischenzeitlich für wenige Monate an Seattle Sounders ausgeliehen. © nordphoto
Nouri verließ die Hanseaten für den KFC Uerdingen, wo er drei Jahre in der Regionalliga Nord kickte.
Nouri verließ die Hanseaten für den KFC Uerdingen, wo er drei Jahre in der Regionalliga Nord kickte. © imago
Anschließend wechselte er zum VfL Osnabrück. 2007 schaffte er mit dem Klub den Aufstieg in die Zweite Liga...
Anschließend wechselte er zum VfL Osnabrück. 2007 schaffte er mit dem Club den Aufstieg in die Zweite Liga... © nordphoto
...und erzielte in insgesamt 93 Pflichtspielen neun Treffer für den VfL.
...und erzielte in insgesamt 93 Pflichtspielen neun Treffer für den VfL. © nordphoto
Nach vier Jahren in Osnabrück zog es Nouri zu Holstein Kiel, wo er zwei weitere Spielzeiten verbrachte.
Nach vier Jahren in Osnabrück zog es Nouri zu Holstein Kiel, wo er zwei weitere Spielzeiten verbrachte. © imago
2010 wechselte der gebürtige Buxtehuder zum VfB Oldenburg, wo er 2012 seine Karriere als aktiver Spieler beendete und seine Laufbahn als Trainer startete.
2010 wechselte der gebürtige Buxtehuder zum VfB Oldenburg, wo er 2012 seine Karriere als aktiver Spieler beendete und seine Laufbahn als Trainer startete. © imago
Zur Saison 2014/15 kehrte Nouri nach Bremen zurück. Zunächst war er Co-Trainer der U23, dann wurde er befördert und übernahm als Cheftrainer die volle Verantwortung.
Zur Saison 2014/15 kehrte Nouri nach Bremen zurück. Zunächst war er Co-Trainer der U23, dann wurde er befördert und übernahm als Cheftrainer die volle Verantwortung. © nordphoto
Noch in der gleichen Spielzeit führte Nouri Werders Reservemannschaft in die Dritte Liga. Von seinen Spielern wurde er dafür gefeiert.
Noch in der gleichen Spielzeit führte Nouri Werders Reservemannschaft in die Dritte Liga. Von seinen Spielern wurde er dafür gefeiert. © nordphoto
Sein Aufstieg als Trainer ging weiter: Nach dem dritten Spieltag der Saison 2016/2017 wurde bei den Profis Viktor Skripnik als Coach. Nouri übernahm zunächst als Interimstrainer.
Sein Aufstieg als Trainer ging weiter: Nach dem dritten Spieltag der Saison 2016/2017 wurde bei den Profis Viktor Skripnik als Coach. Nouri übernahm zunächst als Interimstrainer. © nordphoto
Der emotionale Nouri baute nicht nur Strukturen um, sondern brachte auch neue Leidenschaft in die Mannschaft von der Weser.
Der emotionale Nouri baute nicht nur Strukturen um, sondern brachte auch neue Leidenschaft in die Mannschaft von der Weser. © nordphoto
Die Belohnung: Anfang Oktober wurde der 37-Jährige zum Cheftrainer befördert. Als Co-Trainer stehen ihm Florian Bruns und Markus Feldhoff zur Seite.
Die Belohnung: Anfang Oktober wurde der 37-Jährige zum Cheftrainer befördert. Als Co-Trainer stehen ihm Florian Bruns und Markus Feldhoff zur Seite. © nordphoto
Die Zeiten blieben aber schwierig. Werder verlor die ersten vier Spiele nach dem Jahreswechsel und stürzte erneut auf den Relegationsplatz. Nouris Job stand stand arg auf der Kippe.
Die Zeiten blieben aber schwierig. Werder verlor die ersten vier Spiele nach dem Jahreswechsel und stürzte erneut auf den Relegationsplatz. Nouris Job stand stand arg auf der Kippe. © nordphoto
Doch dann starteten die Bremer eine nicht für möglich gehaltene Erfolgsserie. Zwischen Mitte Februar und Anfang Mai 2017 blieb Werder in elf Spielen in Folge ungeschlagen, gewann neun davon - und ging voll auf Kurs Europa League. Nouri saß plötzlich ganz fest im Sattel.
Doch dann starteten die Bremer eine nicht für möglich gehaltene Erfolgsserie. Zwischen Mitte Februar und Anfang Mai 2017 blieb Werder in elf Spielen in Folge ungeschlagen, gewann neun davon - und ging voll auf Kurs Europa League. Nouri saß plötzlich ganz fest im Sattel. © nordphoto
Alexander Nouri
Der Werder-Trainer hatte auch mehrfach das Bedürfnis, sich in der Öffentlichkeit politisch zu positionieren. Nouri zeigte US-Präsident Donald Trump für ein verhängtes Einreiseverbot die "Rote Karte". Und sagte bei einer Pressekonferenz: "Ich habe nichts gegen das Wort Europa - ich bin ja nicht die AfD." © nordphoto
Alexander Nouri
Am Ende der Spielzeit 2016/17 verpasste Werder die Europa Laague aber ganz knapp als Tabellen-Achter. © nordphoto
In der Folgesaison konnte Werder in den ersten zehn Pflichtspielen keinen Sieg einfahren. Die Folge: Trainer Nouri wurde am 30. Oktober 2017 vom Verein freigestellt.  © 

Rein theoretisch kann sich jeder Spieler daheim auf seinem Smartphone oder Tablet schon über den nächsten Gegner informieren. In der speziellen App, die es bei Werder nicht erst seit Nouri gibt, findet er aber auch die eigenen Varianten bei Standardsituationen oder die Verhaltensweisen, die Nouri von seinen Profis auf dem Platz erwartet. Das Angebot ist groß und vielschichtig. Jeder Spieler kann sich ein eigenes Portfolio zusammenstellen, bekommt aber auch vom Trainerteam gezielt Informationen.

Zur Videoanalyse im speziellen hat Nouri dabei eine ganz eigene Meinung. „Es geht uns nicht darum, jede einzelne Videosequenz bis ins letzte Detail auseinanderzunehmen und zu sagen, hier hättest du fünf Meter weiter da stehen müssen oder so“, sagt der Coach und erklärt: „Du hast doch in jeder Szene fünf Optionen, es anders zu machen. Uns geht es darum, grundsätzliche Verhaltensweisen zu definieren und aufzuzeigen.“

Feldhoff selten ohne Tablet zu sehen

Ums Zeigen geht es auch auf der Ersatzbank. Dort ist Co-Trainer Markus Feldhoff selten ohne sein Tablet zu sehen. „Darin befinden sich Informationen zum Spiel. Früher hattest du einen Zettel, jetzt sind es anschauliche Grafiken auf dem Ipad, die es dem Spieler leichter nachvollziehbar machen sollen, was man will“, sagt Nouri. Er mag das – und er hätte auch nichts dagegen, das Tablet des Assistenten noch viel mehr zu nutzen. Zum Beispiel, um sich Szenen aus dem laufenden Spiel noch einmal anzuschauen.

Bei einigen Clubs soll das bereits passiert sein. Hat Werder das ebenfalls schon ausprobiert? „Nein, das ist ja nicht erlaubt“, sagt Nouri. Aber er würde sich da schon eine Veränderung wünschen: „Die Entwicklung geht insgesamt schon dahin. Da muss man nur zu anderen Sportarten schauen oder in die USA. Dort werden die technischen Möglichkeiten noch viel mehr genutzt als bei uns.“

Nouri ist aber weit davon entfernt, die neuen Möglichkeiten als Wundermittel im Fußball anzusehen. „Die Frage ist doch, wie schnell lassen sich diese Informationen auf das Spielfeld übertragen. Dieser Transfer ist die noch größere Herausforderung“, betont der Coach und nennt ein Beispiel: „Es ist ja schön, wenn einer auf der Tribüne sieht, dass unsere Abstände nicht stimmen. Aber diese Information muss ich erst mal während des Spiels auf den Platz bringen und dann muss es dort auch noch umgesetzt werden.“

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Auch interessant

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare