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Wohninvest-PR-Chef Michele Vulcano im Gespräch mit DeichStube-Reporter Björn Knips.

DeichStube-Interview in der Wohninvest-Loge

„Wir flüchten nicht“: Wohninvest-PR-Chef Vulcano über den Ärger mit den Werder-Ultras und neue Pläne

Bremen – Diese Loge dürfte inzwischen jeder Fan des SV Werder kennen. Denn die Bremer Heimat von Wohninvest, dem Namenssponsor des Weserstadions, war schon mehrfach Zielscheibe von Protestaktionen der Ultras. Und genau hier stellt sich Michele Vulcano, der PR-Chef von Wohninvest, den Fragen der DeichStube.

30 Millionen Euro zahlt das Immobilienunternehmen in den nächsten zehn Jahren, damit die Arena nun einen Vornamen trägt. Der 55-jährige Vulcano erklärt, wie aus seiner Sicht das erste halbe Jahr bei Werder Bremen gelaufen ist, warum eine Flucht aus der Ostkurve nicht infrage kommt und was bei einem Abstieg passiert.

Herr Vulcano, wenn jemand vom Weserstadion spricht...

...Wohninvest Weserstadion, es heißt Wohninvest Weserstadion (lacht). Ich wusste, dass das kommt. Darauf wollten Sie doch hinaus, oder?

Richtig! Korrigieren Sie jeden, der den Vornamen Wohninvest unterschlägt?

Auf jeden Fall! Wir haben dafür bezahlt, es wurde vertraglich verankert, also muss es auch so genannt werden.

Und wer sich nicht daran hält...

...der hält sich eben nicht daran. Wir können und wollen niemanden zwingen. In Stuttgart sagen einige Leute immer noch Neckarstadion. Man kann nicht jeden Traditionalisten überzeugen.

Ärgert es Sie, dass auf den Beschilderungen in Bremens Straßen immer noch nur Weserstadion steht?

Nein, wir wünschen uns, dass das irgendwann umgesetzt wird. Die Bremer Weserstadion Gesellschaft ist hierzu in Gesprächen mit den städtischen Ämtern.

Was ist mit dem geplanten Stadion-Logo an der Außenfassade, warum ist da noch nichts zu sehen?

Auch das braucht seine Zeit. Wir haben eine bespielbare LED-Wand an der Westtribüne geplant. Die musste aber auch allen Beteiligten gefallen. Der Auftrag wird jetzt aber vergeben.

Können auf dieser LED-Wand auch Werbefilme gezeigt werden?

Möglich ist das. Aber über die genauen Nutzungsmöglichkeiten müssen wir noch sprechen.

Werder Bremen: Wohninvest-PR-Chef Vulcano begeistert vom „Spektakel in der Ostkurve“

Wenn Sie aus Ihrer Loge am Rande der Ostkurve hinausschauen, was macht Ihnen am meisten Spaß bei Werder?

Der Fußball! Der war lange Zeit nicht schlecht, obwohl die Tabellensituation jetzt etwas anderes aussagt. Uns gefällt aber auch die Aufnahme durch den SV Werder, die war sehr warmherzig und familiär. Man hat sich um uns und um dieses Geschäft bemüht. Das hat uns gefesselt. Wir genießen aber auch die Ostkurve mit den Ultras.

Sie genießen es, dass die Ultras regelmäßig gegen Ihre Anwesenheit protestieren und Sie am liebsten aus dem Stadion jagen würden?

Ja! Ich habe immer Gäste hier. Und wie kann ich die besser begeistern als durch so ein Spektakel wie in der Ostkurve.

Die Loge des Sponsors Wohninvest wird in fast jedem Heimspiel des SV Werder Bremen von den Ultras mit dem Banner „Immobilienhaie, Vorsicht bissig“ versehen.

Zu dem Spektakel gehörte aber auch, dass Ihre Loge während eines Spiels mit einem riesigen schwarzen Tuch für einige Minuten verdunkelt wurde.

Natürlich wollen wir freie Sicht haben. Es war auch nicht angenehm für uns und unsere Gäste. Außerdem wurden dabei die beiden Logen neben uns in Mitleidenschaft gezogen. Das geht nicht! Wir können die Proteste gegen uns akzeptieren, wenn dabei niemand zu Schaden kommt und nichts kaputt geht. Das war bei den zuletzt herausgeschnittenen Werbeflächen am Trainingsplatz leider anders. Dass wir auf einem Banner als bissige Immobilien-Haie bezeichnet wurden, fand ich dagegen sehr kreativ und unterhaltsam.

Sollte Ihre Schmerzgrenze dauerhaft und extrem überschritten werden, könnten Sie dann von dem Zehn-Jahres-Vertrag zurücktreten?

Nein. Das wollen wir nicht.

Sie haben bewusst diese Loge nahe der Ostkurve mit den Ultras gewählt. Woanders wären direkte Aktionen gegen Wohninvest schwieriger. Warum ziehen Sie nicht um?

Das kommt nicht in Frage. Wir flüchten nicht. Wir hatten die Loge doch schon vorher. Wir wollen Gäste auf eine Reise mitnehmen, da ist das hier der ideale Ort. Hier ist es viel lauter als in vielen anderen Bereichen des Stadions. Wir leben diese Stimmung – und wir ärgern uns grün und blau, wenn es für Werder nicht läuft. Ich laufe dann schon mal vor Wut aus der Loge (lacht).

Werder Bremen: Wohninvest-PR-Chef würde sich „aktuell nicht in die Ostkurve stellen“

Also sind Sie inzwischen ein Grün-Weißer?

Witzigerweise war grün schon immer meine Lieblingsfarbe. Und wahrscheinlich bin ich der einzige in Deutschland, der eine giftgrüne Harley fährt.

Dann sollten Sie sich mal mit Ex-Werder-Keeper Tim Wiese verabreden, der ist früher mal einen giftgrünen Lamborghini gefahren.

Eine Harley ist schon noch mal etwas anderes.

Haben Sie schon einmal mit einem Ultra gesprochen, der gegen Wohninvest ist?

Nein, das hat sich noch nicht ergeben. Ich stehe gerne für ein Gespräch zur Verfügung. Aber wir haben das in die Hände von Werder gelegt.

Sind Sie schon persönlich beschimpft oder attackiert worden?

Nicht wirklich. Klar, es wird schon mal etwas nach oben gerufen. Aber das ist Fußball, das ist in Ordnung. Ich habe doch selbst Fußball gespielt und war nicht gerade leise auf dem Platz (lacht).

Würden Sie sich bei einem Spiel in die Ostkurve stellen?

Aktuell nicht. Die Stimmung ist etwas aufgeheizt, da will ich nicht provozieren. Man sollte an dieser Stelle aber auch erwähnen, dass wir genauso Zuspruch bekommen. Es ist ja auch paradox: Da wird oft kritisiert, dass Werder nicht ganz vorn mithalten kann, weil hier die großen Firmensitze und damit potentielle Sponsoren fehlen, und dann wird unser Engagement jetzt kritisiert. Wir reden von professionellem Fußball – und da spielt Geld eine wichtige Rolle, ob man das gut findet oder nicht.

Wohninvest-Banner am Trainingsgelände des SV Werder Bremen wurden gestohlen.

Werder Bremen: Leistungszentrum mit dem Vornamen Wohninvest „wäre schön“

Sie haben keinen Hehl daraus gemacht, dass Sie Ihr Engagement bei Werder als Invest sehen, um dadurch im Norden die Bekanntheit von Wohninvest zu erhöhen und gute Geschäfte zu tätigen. Ist der Kauf des Coca-Cola-Geländes in Bremen-Hemelingen ein erster Erfolg?

Wir wollten sogar bundesweit mehr Aufmerksamkeit bekommen, das ist uns gelungen. Wir erhalten gerade aus dem Norden tatsächlich mehr Angebote – und dazu gehörte auch das von Ihnen angesprochene Objekt.

Hat es Ihnen dabei geholfen, dass Ihr Sponsoring-Vertrag mit der Bremer Weserstadion GmbH geschlossen wurde, an der die Stadt Bremen und Werder zu je 50 Prozent beteiligt sind?

Das hat keine Rolle gespielt. Wir punkten bei solchen Ausschreibungen mit unserer Qualität und haben damit bundesweit Erfolg. Nicht nur in Bremen. Wichtig ist uns aber bei diesem Projekt, dass wir es gemeinsam mit Bremen entwickeln dürfen.

Werder hat auch ein großes Projekt vor der Brust: das neue Nachwuchsleistungszentrum. Wird es ebenfalls den Vornamen Wohninvest bekommen?

Schön wäre es.

Was würde es für Ihr Engagement als Namenssponsor bedeuten, wenn Werder absteigt?

Als wir unterschrieben haben, war die klare Ansage: egal, in welcher Liga. Aber natürlich würde ich mir zehn Mal lieber in der kommenden Saison hier die Europa-League anschauen als die Zweite Liga.

Was wünschen Sie sich für das neue Jahr?

Mehr Siege!

Und mehr Ruhe in Ihrer Loge?

Fußball und Ruhe – das passt nicht zusammen, das wäre doch langweilig.

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