Wolfgang Rolff, ehemaliger Co-Trainer des SV Werder Bremen unter Thomas Schaaf, hat einen neuen Trainer-Job in Dubai angetreten.
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Wolfgang Rolff, ehemaliger Co-Trainer des SV Werder Bremen unter Thomas Schaaf, hat einen neuen Trainer-Job in Dubai angetreten.

Trainer-Abenteuer in Dubai

Spezial-Job für Ex-Werder-Trainer Rolff mit „Tik Tok“ auf der Brust

Dubai – Sein offizieller Titel lautet Cheftrainer. So der Eintrag auf der Homepage des Clubs, bei dem der ehemalige Co-Trainer des SV Werder Bremen angeheuert hat. Wolfgang Rolff ist ein echter Weltenbummler in Sachen Fußball geworden. Aber der 61-Jährige, der fast ein Jahrzehnt lang zur engsten Gefolgschaft des legendären Werder-Trainers Thomas Schaaf zählte, ist in Dubai bei Laval United weitaus mehr als nur ein Übungsleiter, der die Kommandos auf dem Rasen gibt.

„Ich bin gebeten worden, diesen erst kürzlich gegründeten Club in jeder Hinsicht auf die Beine zu stellen“, berichtet Wolfgang Rolff im Gespräch mit der DeichStube über seine Arbeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten: „Meine Aufgabe ist es, professionelle Strukturen aufzubauen und natürlich eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen. Eine echte Herausforderung, doch eine recht spannende Angelegenheit.“ Und das weltbekannte Videoportal Tik Tok hilft als Sponsor mit. Seit gut zehn Wochen ist Rolff nun schon vor Ort. Ein alter Bekannter hatte den ehemaligen Co-Trainer des SV Werder Bremen bekniet und letztlich überredet, in die Dienste des ganz jungen Vereins zu treten.

„Mein alter Freund“, sagt Rolff über David McCreery, den 63 Jahre alten Ex-Nationalspieler aus Nordirland, den er schon seitseiner aktiven Zeit kenne. Der Brite amtiert als Vize-Präsident bei dieser Neuschöpfung im Fußball der Emirate. Gemeinsam mit Rolff will er das Knowhow aus dem europäischen Fußball-Business bei den Arabern einbringen.

Wolfgang Rolff seit November Trainer bei Laval United in Dubai

Mitte November wurde der Deutsche offiziell vorgestellt. Schon bald startete die Saison in der 2019 gegründeten Second Division League, wobei der Name irreführend ist. Es ist die dritthöchste und damit niedrigste Spielklasse in den Emiraten, hauptsächlich bestückt durch privat finanzierte Vereine und Amateurmannschaften der Universitäten aus Dubai und Abu Dhabi. Laval vertraut einem breitgefächerten Kader mit zumeist jungen Spielern bis zu 21 Jahren. Die meisten Legionäre kommen aus Frankreich, dazu einige Afrikaner aus dem Kongo, dem Senegal und der Elfenbeinküste sowie ein paar Europäer und sogar zwei Gastarbeiter aus Brasilien. „Das Niveau entspricht in etwa dem Mittelfeld der Regionalliga oder den Verbandsligen in Deutschland“, stuft Wolfgang Rolff das Level der Darbietungen bei Laval ein. 

Der Einstand glückte schon mal mit einem 7:0-Kantersieg gegen Athletico Arabic. Das zweite Spiel in der 20er-Liga gegen United Sports wurde am Grünen Tisch verloren. „Eine komische Entscheidung“, seufzt Rolff. Fortgesetzt wird die Spielzeit erst nach der Weihnachtspause am 9. Januar. Das Entwicklungsprogramm in Dubai kommt voran – langsam, aber kontinuierlich. Was nicht zuletzt den Patron Sheik Saeed Al Qassimi, der als Finanzier weitgehend im Hintergrund bleibt und nur als Teilhaber einer Wasserfirma als Werbeträger auf dem Jersey präsent ist, freuen dürfte. Genauso wie den Clubchef Yahya Kirdi, einen reichen Geschäftsmann aus Kanada. Die neue Clubanlage ist fertiggestellt. Mit dem Weltkonzern „Tik Tok“ ist ein spendabler Sponsor für die Trikotwerbung gefunden worden. 

Werder Bremen: Wolfgang Rolff hofft auf Job in der Premier League der UAE

Zufrieden blickt Wolfgang Rolff auf die hoffnungsvollen Anfänge. Und er glaubt, dass seine Arbeit von den bekannten Edelclubs in den Emiraten wie Al Nasr, Al Wasl und Al-Ahli beobachtet wird. „Vielleicht kann ich mich für einen Job in der Premier League der UAE empfehlen“, hofft der Ex-Co-Trainer des SV Werder Bremen, der in seiner Trainer-Laufbahn zumeist im zweiten Glied stand. Sozusagen der „ewige Assi“, wie bei seinem Mentor Schaaf, den er am Ende mit nach Frankfurt und Hannover begleitet hat.

Zudem hat er sich bewährt als Zuträger für Trainergrößen wie Berti Vogts und Felix Magath bei Gastspielen in Aserbaidschan, China oder Kuwait. Nur dreimal hat er selbst als Chef auf dem Trainersessel Platz genommen: beim SV Meppen 1998 und bei al Salmiya Club in Kuwait 2015 über eine längere Distanz sowie im Mai 2013 nach der Schaaf-Beurlaubung, als er gemeinsam mit seinem Kollegen Matthias Hönerbach beim Saisonausklang gegen den 1. FC Nürnberg, die Verantwortung auf der Bank übernahm.

Ehemaliger Co-Trainer Wolfgang Rolff drückt Werder Bremen aus Dubai die Daumen

Lange ist es her. Dass es nach der Rettung in der Relegation für Werder Bremen bald wieder aufwärts geht, glaubt Rolff nicht: „Werder ist von dem Weg, offensiv und attraktiv zu spielen, weit abgekommen. Es wird nur noch reagiert, nichts mehr kreiert. Sie werden es wieder schwer haben. Doch ich glaube, man ist mit dem Ist-Zustand zufrieden. Es ist leider ein enormer Rückschritt.“ 

Aus der Ferne drückt Wolfgang Rolff dennoch die Daumen. Ansonsten widmet er sich dem Experiment in Dubai, bei dem er mehr als ein stinknormaler Trainer ist, sondern auch Manager, ganz in der Tradition der Engländer. Der Chef vom Ganzen und uneingeschränkte Macher. Der ehemalige Nationalspieler und Europacupsieger mit dem Hamburger SV von 1983 will noch lange nicht in Pension gehen. In Dubai ist er schon jetzt eine große Nummer. Wie das Social-Media-Team seines Arbeitgebers beim Tod von Diego Maradona herausstellte, indem es ein Foto von einem Duell des Deutschen mit dem Argentinier stolz präsentierte. Der Text dazu: „Unser Cheftrainer hat gegen die Legende gespielt.“

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