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Wynton Rufer hält den Europapokal der Pokalsieger auch 25 Jahre nach dem Triumph in Lissabon gerne in den Händen. Die Kopie der Trophäe steht im Wuseum im Weserstadion.

Werder-Legende

Wynton Rufer im Interview: „Nouri erinnert mich an Rehhagel“

Bremen - Werder-Legende Wynton Rufer spricht im Interview über Top-Star Max Kruse, Trainer Alexander Nouri und den Traum von der Europa League.

Es ist zwar nicht das Original, aber auch die Kopie des Europapokals der Pokalsieger liegt ziemlich gut in den Händen von Wynton „Kiwi“ Rufer. Die Werder-Ikone aus Neuseeland ist gerade in Bremen zu Besuch und nimmt sich über eine Stunde Zeit für ein Interview im Wuseum, wo der SV Werder seine Vergangenheit lebendig macht. Dort steht natürlich auch eine Replik der bedeutendsten Werder-Trophäe.

Vor 25 Jahren holten sich die Bremer durch ein 2:0 gegen Monaco diesen Pott. Jetzt träumt Werder wieder von Europa – und Rufer (damals Torschütze zum 2:0) macht da gerne mit. Der 54-Jährige, der von 1989 bis 1994 auch zwei DFB-Pokalsiege und eine Meisterschaft mit Werder feierte, ist von der aktuellen Mannschaft schwer begeistert und vergleicht Alexander Nouri mit keinem Geringeren als seinem damaligen Coach Otto Rehhagel.

Herr Rufer, Ihr Nach-, Nach-, Nachfolger hat am Samstag in Ingolstadt mit vier Toren richtig zugelangt, was halten Sie von Max Kruse?

Wynton Rufer: Super, dass er so viel trifft. Auf Max werde ich gerade ständig angesprochen, weil er die Elfmeter so gut schießt wie ich früher.

Er hat seine elf Versuche in der Bundesliga allesamt versenkt, Sie dagegen einen von zwölf verschossen – welcher war das?

Rufer: Der Erste – das war gegen Frankfurt. Da habe ich aber noch auf die alte Art geschossen – also einfach draufgehauen. Dann hat mir unser Co-Trainer Kalli Kamp gezeigt, wie es viel besser geht.

Und wie geht das?

Rufer: Du machst vier, fünf langsame Schritte und guckst nur auf den Torwart. Wenn du dein Standbein neben den Ball stellst, dann hat der Torwart seine Entscheidung für eine Ecke schon getroffen und ist abgesprungen. Du musst dann nur noch locker in die andere Ecke schießen. Hört sich einfacher an, als es ist. Denn vor 40.000 Zuschauern bist du schon etwas nervös. Andi Herzog hat immer geschwärmt, was ich für Nerven habe. Dabei hatte ich jedes Mal die Hosen voll.

Wie gut schießt Kruse seine Elfmeter?

Rufer: Gegen Ingolstadt sah es so aus, als wenn er den Torwart ausguckt. Ob er es wirklich genauso macht wie ich, das müssen Sie ihn fragen.

Vier Tore in einem Spiel sind Ihnen bei Werder nie gelungen, oder?

Rufer: In einem Freundschaftsspiel bestimmt (lacht). Das ist schon stark. Max ist sehr kaltschnäuzig. Seine Form ist sensationell. Aber Werder hat auch einen unglaublichen Lauf – und viele gute Spieler. Da ist ja nicht nur Kruse, auch Gnabry ist sehr torgefährlich – und Pizarro sowieso. Es war ganz wichtig von Alexander Nouri, dass er diese Beiden nach dem Rückstand in Ingolstadt eingewechselt hat. Deswegen hat Werder gewonnen.

Ist Nouri ein besonders mutiger Trainer?

Rufer: Na ja, in dem Moment hätte wahrscheinlich jeder diese beiden Spieler gebracht. Man will ja unbedingt gewinnen.

Sie haben Alexander Nouri schon persönlich kennengelernt, was für einen Eindruck macht er auf Sie?

Rufer: Er ist ein toller Typ. Ich habe ihn vor einem Jahr als Trainer der U23 kennengelernt. Alex erinnert mich an Otto Rehhagel. Er redet wirklich mit jedem Spieler. Das ist heutzutage gar nicht so einfach, weil in einer Mannschaft so viele verschiedene Sprachen gesprochen werden. Bei uns gab es damals doch nur Ausländer aus Österreich, Norwegen und Neuseeland. Okay, Hani Ramzy kam aus Ägypten – und Mario Basler vom Mars . . .

Kann es mit Nouri eine neue Werder-Ära geben?

Rufer: Die hat doch schon begonnen! Werder steht auf dem besten Platz seit sieben Jahren. Alle sprechen vom Europapokal. Das ist doch super. Ich war am Wochenende in einem Bremer Restaurant, da ist der Wirt total ausgeflippt. Er ist nicht der Einzige in dieser Stadt, die Bremer wollen ihre Mannschaft unbedingt wieder in Europa sehen.

Wird das klappen?

Rufer: Jedes Spiel ist jetzt wie ein Pokalfinale. Das Restprogramm ist schwer, aber machbar. Gegen Hertha und Hoffenheim kannst du zu Hause gewinnen. Freitagabends in Köln ist auch alles drin. Und wer weiß, wie Dortmund am letzten Spieltag drauf ist. Vielleicht ist die Saison für sie schon vorbei oder sie denken schon ans DFB-Pokalfinale. Man braucht auch Glück, aber es kann klappen – vor allem mit diesem sensationellen Lauf.

Haben Sie eine Erklärung für diesen Aufschwung?

Rufer: Nein, das passiert manchmal mit Mannschaften. Das gibt es in jeder Liga. Auf einmal läuft es. Erst hat man Glück, dann Selbstvertrauen – und dann gewinnst du auch, wenn du schlechter spielst. So wie Werder in Ingolstadt. Aber der Kader von Werder ist schon gut.

Eines seiner größten Erfolge: Wynton Rufer gewann mit Werder 1992 den Europapokal der Pokalsieger.

Welche Spieler gefallen Ihnen aktuell am besten?

Rufer: Thomas Delaney finde ich super. Schade, dass er verletzt war. Auf ihn freue ich mich riesig, wenn er in den nächsten Spielen wieder dabei ist.

Claudio Pizarro ist schon 38 Jahre alt. Es wird viel diskutiert, ob er noch weitermachen soll.

Rufer: Ich würde ihn sofort unter Vertrag nehmen. So ein erfahrener Spieler ist Gold wert. Auch wenn er nächste Saison nicht so viel spielen sollte, kann er den jungen Profis helfen. Wenn Werder wieder international dabei sein sollte, muss Pizarro sowieso bleiben. Dann brauchst du so einen Spieler noch mehr.

Wie fanden Sie ihn nach seiner Einwechslung in Ingolstadt?

Rufer: Er hat mit Gnabry zusammen richtig Schwung gebracht. Da mussten die Ingolstädter richtig aufpassen. Also haben sie erst mal auf Gnabry und Pizarro geschaut – und bäm, wer macht das Tor? Kruse! Das war perfekt! Werder ist nicht nur von einem Spieler abhängig, sondern hat in dieser Saison viele richtig gute Spieler.

Sportchef Frank Baumann und Alexander Nouri sprechen nicht von Europa, die Spieler schon. Ist das richtig?

Rufer: Natürlich. Das war schon immer so. Der Trainer muss gegenüber der Presse immer etwas vorsichtiger sein. Die Spieler kommen und gehen, für sie ist es einfach, sie können erzählen, was sie wollen. Ich habe auch nie gesagt, ich will ins Viertelfinale, sondern habe getönt: Ich will den Pokal! Da habe ich es mir leicht gemacht (lacht).

Wynton Rufers Erfolgsgeschichte bei Werder

Wynton Rufer
1989 kam Rufer von Grasshoppers Zürich zum SV Werder. Angefangen hatte seine Karriere aber schon neun Jahre zuvor - bei seinem Heimatverein Wellington United (Neuseeland). Es folgten Stationen wie Norwich City, Miramar Rangers, FC Zürich und FC Aarau. © imago
Wynton Rufer
Ein Duell, das "Kiwi" wohl immer in positiver Erinnerung halten wird: Das Achtelfinal-Rückspiel des Europapokals der Pokalsieger gegen Diego Maradona und SSC Neapel im November 1989. Werder gewann sensationell 5:1, Rufer traf einmal. © imago
Wynton Rufer
Den ersten Titelgewinn feierte Rufer aber erst am 22. Juni 1991. Mit Werder gewann er den Elfmeterkrimi im DFB-Pokal-Finale gegen den 1. FC Köln mit 5:4. Rufer verwandelte seinen Strafstoß zum 2:2. © imago
Wynton Rufer
In der Bundesliga-Saison 1992/93 war der Neuseeländer mit 17 Treffern Werders bester Torschütze. Damit hatte Rufer großen Anteil an der dritten Deutschen Meisterschaft der Bremer. © imago
Wynton Rufer
Einer seiner größten Erfolgsmomente: Der Sieg im Finale des Europapokals der Pokalsieger 1992. Der Mittelstürmer legte erst das Tor von Klaus Allofs vor, und traf dann selbst zum 2:0-Endstand gegen AS Monaco. © imago
Wynton Rufer
Auf der internationalen Bühne absolvierte Rufer 38 Spiele im grün-weißen Dress, in denen er 22 Treffer erzielte. In der Saison 1993/94 wurde er sogar gemeinsam mit Ronald Koeman Torschützenkönig der Champions League - mit jeweils acht Treffern. © imago
Wynton Rufer
In 174 Bundesliga-Spielen lief Rufer für Werder insgesamt auf. 59 Mal traf er ins Glück, dazu bereitete der Angreifer 59 Tore vor. © imago
Wynton Rufer
Eine besondere Bilanz darf nicht fehlen: Von zwölf Elfmeter-Versuchen erzielte er elf Tore. Das entspricht einer Quote von 91,7 Prozent. Dabei verschoss Rufer gleich seinen ersten Elfmeter am 30. September 1989 beim 1:2 gegen Eintracht Frankfurt. Im Tor stand Uli Stein. © imago
Wynton Rufer
1995 wechselte er zu JEF Utd. Chiba nach Japan. Über Kaiserslautern ging Rufer dann zurück in sein Heimatland, wo er zunächst für North Shore United spielte und dann zu Football Kings wechselte. Dort beendete er 2002 seine Karriere. © imago
Wynton Rufer
Nach seiner Zeit als Fußballprofi war Rufer Trainer der Nationalmannschaft von Papua-Neuguinea (2004-2005). Aktuell leitet der Ex-Profi die Akademie in Neuseeland, die er 1997 gegründet hatte. Seinen Ex-Club Werder besucht er so oft es geht. © nordphoto

Wie lange bleiben Sie noch in Deutschland?

Rufer: Heute geht es zurück, aber erst nach China. Ich bin da gerade viel für Werder unterwegs.

Was machen Sie da?

Rufer: China hat mit Deutschland einen Fünfjahres-Vertrag über Nachwuchsförderung und Trainerausbildung abgeschlossen. Da bin ich der Botschafter für Werder, weil ich gute Kontakte habe. Die Hälfte der Bundesliga ist schon da, Dortmund, Bayern, Hamburg. Die haben alle Verträge. Wir sind auch dabei, um etwas zu machen. Das wird eine interessante Geschichte.

Gucken Sie auch nach Spielern?

Rufer: Natürlich – nicht nur in China.

Wen haben Sie für Werder im Auge?

Rufer: Das möchte ich nicht sagen. Aber ich kann hier einen Neuseeländer empfehlen, der kommt von meiner Fußball-Akademie und spielt jetzt in der zweiten englischen Liga: Christ Wood. Der ist der Top-Scorer der Liga.

Und damit wahrscheinlich unbezahlbar für Werder.

Rufer: Ja, er hat Riesenangebote. Aber ich habe mit ihm gesprochen und ihm Werder empfohlen. Er ist einer wie Claudio Pizarro. Im Fußball ist alles möglich.

Was machen Sie am 6. Mai?

Rufer: Weiß ich noch nicht, ich habe nichts geplant.

Sind Sie gar nicht in Bremen, wenn sich zum 25. Mal der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte jährt, der Europapokalsieg?

Rufer: Nein, das feiern wir später. Anfang August sind wir alle eingeladen. Da freue ich mich schon drauf. Es macht immer wieder Spaß, die alten Kollegen zu treffen. Mein Traum wäre es, dass Werder dann wieder europäisch spielt. Das würde doch perfekt passen.

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