Wynton Rufer (blaues Trikot) betreibt in Neuseeland die Akademie „WYNYRS in Paradise“ - auf den Cook-Islands arbeitet der frühere Profi von Werder Bremen jetzt mit Kindern zusammen, um Fußball-Talente zu finden.
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Wynton Rufer (blaues Trikot) betreibt in Neuseeland die Akademie „WYNYRS in Paradise“ - auf den Cook Islands arbeitet der frühere Profi von Werder Bremen jetzt mit Kindern zusammen, um Fußball-Talente zu finden.

Ex-Werder-Star auf Talent-Suche

„Hier finden wir bestimmt neue Füllkrugs und Sargents“: Werder-Legende Wynton Rufer wird bald 60 und lebt den Fußball nach wie vor

Bremen – Wynton Rufer lässt den Ball locker durch die Luft wirbeln. Rechter Fuß, linker Fuß, ein paar Berührungen mit dem Knie, ehe er die Kugel in die Höhe chipt, kurz auf seinem Kopf landen lässt und dann in den Nacken jongliert. Nicht schlecht für einen Mann, der in wenigen Tagen seinen 60. Geburtstag feiert. Finden auch die Kinder, die um ihn herum stehen und die kleine Showeinlage mit einem begeisterten Raunen quittieren. Doch die zirkusreife Nummer des früheren Stürmers des SV Werder Bremen ist viel mehr als eine Demonstration des eigenen Könnens. Sie soll ein Appetitanreger sein. Für den Fußball-Nachwuchs auf den Cook Islands, um den sich „Kiwi“ Rufer neuerdings kümmert.

„Wir haben hier die ganze Woche mit 300 Kindern auf der Insel gespielt, Jungen wie Mädchen. Das, was hier passiert, ist absolute Weltklasse“, schwärmt Wynton Rufer im Gespräch mit der DeichStube. Und es soll keine Ausnahme bleiben, denn der einstige Angreifer von Werder Bremen hat im Südpazifik viel vor. Als talentierter Jungkicker hat er einst selbst gegen Teams von den Fidschis, Vanuatu oder Papua-Neuguinea gespielt. Das bereitete zwar Vergnügen, doch Rufer fiel schnell auf, dass den Gegnern trotz einer hervorragenden Athletik die richtige Technik, eine gute Ausbildung fehlte. Nun, mit etlichen Jahren Abstand, soll das auf den Cook Islands bald anders aussehen. „Hier finden wir bestimmt noch einige Füllkrugs und Sargents, die wir irgendwann nach Bremen bringen können“, sagt Rufer und lacht.

Werder Bremens Ex-Profi Wynton Rufer über Fußball auf den Cook Islands: „Das, was hier passiert, ist absolute Weltklasse“

Natürlich ist die Weltmeisterschaft in Katar auch auf der Südhalbkugel ein großes Thema, zumal die „Nachbarn“ aus Australien ja gerade erst ins Achtelfinale eingezogen sind. Aus alter grün-weißer Verbundenheit schaut Wynton Rufer aber natürlich ganz besonders auf die Offensivakteure Niclas Füllkrug und Josh Sargent. Bei Letzterem hatte er damals großen Anteil daran, dass der US-Amerikaner überhaupt an der Weser landete. Bei einem Turnier in Florida war ihm und Werder Bremens damaligem Nachwuchskoordinator Heiko Flottmann der junge Josh Sargent aufgefallen. Der Rest ist Geschichte. Sargent spielt inzwischen in England bei Norwich City und steht mit seiner Nationalmannschaft in der K.o.-Runde der WM.

Wynton Rufer ist ständig auf der Suche nach legitimen Nachfolgern, die einen ähnlichen Weg einschlagen könnten. In Neuseeland betreibt er deshalb die Akademie „WYNYRS in Paradise“. Im kommenden Juli soll erstmals ein großes Turnier auch auf den Cook Islands stattfinden. Unterstützung erhält der Ex-Bremer vor Ort von Tim Meyer. Der Norddeutsche ist vor einigen Jahren mit seiner Familie nach Rarotonga ausgewandert, gemeinsam mit seinem früheren Idol schiebt der Fan des SV Werder Bremen nun das neue Projekt an. „Ich bin ja eigentlich Hotelier, aber jetzt auf einmal als Assistenzcoach von Wynton unterwegs“, erklärt er und kann sein Glück selbst kaum glauben. „Kiwi möchte hier auf Dauer mit den Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren arbeiten und richtig Talent entwickeln, um ihnen später die Möglichkeit zu geben, in seiner Akademie Fuß zu fassen und über Stipendien ausgebildet zu werden.“

Ex-Profi Wynton Rufer organisiert Probetraining für spanischen U17-Torwart bei Werder Bremen

Und dieser Weg könnte theoretisch auch wieder zu Werder Bremen führen. Das zeigt ein ganz aktuelles Beispiel. Denn von den Cook Islands ging es mit einem Zwischenstopp in der Heimat für Wynton Rufer direkt wieder um den halben Globus in Richtung Bremen. „Ein junger Torhüter mit spanischem Pass wird eine Woche bei Werders U17 hospitieren“, verrät der 59-Jährige, der in den sozialen Medien direkt ein Foto von der Rückkehr an den Osterdeich postete. Stilecht ist auch Rufer wieder in den grünen Trainingsdress des Vereins geschlüpft, gibt darin nach wie vor eine gute Figur ab. Doch der Europapokalsieger von 1992 wird nicht nur in Bremen Station machen, für seinen Nachwuchskeeper sind auch Probetrainings bei Arminia Bielefeld und Hertha BSC angesetzt.

„Im Februar bin ich dann auf jeden Fall wieder auf den Cook Inseln“, kündigt Wynton Rufer an. Der WM-Teilnehmer von 1982 hat schließlich eine Mission zu erledigen. Und dafür muss er noch ein paar Schulen abklappern. Die Kinder warten auch schon sehnsüchtig auf die Rückkehr von Ozeaniens Fußballer des 20. Jahrhunderts, sie wollen wieder mit ihrem Helden kicken. „Sie haben gar nicht erzählt, dass Sie Maradona und Pele kennengelernt haben“, wird etwa ein faszinierter Schüler in den heimischen Medien zitiert. Der frühere Profi von Werder Bremen hat also nicht nur mit seiner Balljonglage Eindruck hinterlassen. Ausgerechnet in einer Region, in der eigentlich Rugby und Cricket vorherrschend sind. Die Fußballsaison dauert deshalb im Inselparadies trotz allerbester Bedingungen gerade einmal drei Monate. „Da ist unsere Vision, dass wir das ein bisschen ausdehnen“, hebt Tim Meyer hervor.

Werder Bremens Ex-Profi Wynton Rufer: „Alles, was man braucht, ist ein Ball und ein bisschen Fläche“

Doch am wichtigsten ist, dass der Ball überhaupt rollt. So hatte es Wynton Rufer seinen Schülern auch schon unter Palmen und bei schönstem Meerblick beigebracht. „Alles, was man braucht, ist ein Ball und ein bisschen Fläche“, betonte der frühere Torjäger von Werder Bremen. „Ich hatte eine Technik wie ein Brasilianer und habe das allein mit dem Ball gelernt. Ich brauchte kein ausgefallenes Programm, kein ausgefallenes Training und nicht einmal Teamkollegen. Es ist eigentlich eine ganz einfache Formel.“ (mbü)

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