Xaver Schlager vom VfL Wolfsburg läuft in einem Bundesliga-Spiel
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Xaver Schlager vom VfL Wolfsburg kennt seine österreichischen Kollegen Marco Friedl und Romano Schmid von Werder Bremen sehr gut.

Österreicher über Friedl, Schmid und Co.

Wolfsburger Xaver Schlager lobt im Interview: „Auch Werder macht es gut“

Wolfsburg – Er ist eine zentrale Figur beim VfL Wolfsburg und will auch am Freitagabend gegen den SV Werder Bremen die Erfolgsserie seines Clubs fortsetzen: Mittelfeldspieler Xaver Schlager.

Mit den „Wölfen“ ist der Österreicher in dieser Bundesliga-Saison noch unbesiegt. Aber der 23-Jährige, der seine zweite Saison in Deutschland spielt, warnt vor den wiedererstarkten Bremern. Im Interview mit der DeichStube spricht Xaver Schlager vor dem Spiel des SV Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg auch über Werders Österreicher Marco Friedl und Romano Schmid – und der Nationalspieler verrät, warum er jetzt auch Klavier und Schach spielt.

Verfolgt das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg im Live-Ticker der DeichStube!

Spielen Sie nicht beim falschen Club in der Bundesliga, Xaver Schlager?

Warum?

Es ist schon beinahe ein ehernes Gesetz, dass Spieler von Red Bull Salzburg zum deutschen Pendant nach Leipzig wechseln.

Viele, aber nicht alle. Sicherlich habe ich mir auch mal Gedanken darüber gemacht, doch ich habe mich anders entschieden. Wolfsburg hat für mich besser gepasst.

In einem Interview haben Sie davon gesprochen, dass bei Ihrem neuen Arbeitgeber auch eine starke Marke im Rücken vorhanden sei. Was sind die Vorteile der sogenannten Konzernclubs gegenüber Traditionsvereinen?

Die von Ihnen angesprochenen Konzernclubs sind meistens gut organisiert, besitzen eine perfekte Struktur und verfolgen einen klaren Plan. Es herrschen erstklassige Bedingungen vor, unter denen sich junge Spieler, wie ich einer bin, bestens entwickeln können. Das war ein wichtiger Aspekt bei meinem Transfer in die Bundesliga. Natürlich haben auch die sogenannten Traditionsvereine gewisse Vorteile.

Werder Bremen-Gegner Xaver Schlager vom VfL Wolfsburg erwartet ein schweres Spiel am Freitag

Marco Rose, Ihr Trainer in Salzburg, war auch beim VfL Wolfsburg im Gespräch. Er ist dann nach Mönchengladbach gegangen. Hat Sie diese Entwicklung sehr enttäuscht?

Es waren unterschiedliche Zeitpunkte, zu denen Marco Rose und ich uns entschieden haben. Der Trainer hatte uns seinen Entschluss recht früh in der Saison mitgeteilt. Wir in Salzburg wussten also schon, was er nach Saisonende vor hat. Meine Entscheidung für Wolfsburg fiel unabhängig davon erst später.

Mit Oliver Glasner trainiert nun ein Landsmann die „Wölfe“. Sie kennen beide Fußballlehrer. Was unterscheidet Glasner von Rose? Wo liegen die Gemeinsamkeiten?

Ihre Spielweise ähnelt sich schon, ist geprägt von der Red-Bull-Schule. Extremes Pressing, Laufstärke und aggressives Verteidigen sind charakteristisch, dazu ein schnelles Umschaltspiel. In Nuancen unterscheidet sich ihre Philosophie: Oliver Glasner bevorzugt nach Ballgewinn das schnelle Spiel in die Spitze, Rose setzt in dieser Beziehung mehr auf Ballbesitz.

Wie sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?

Anfangs haben wir einige Punkte liegen gelassen. In den letzten vier Spielen lief es besser. Momentan sieht es ganz gut aus. Wir müssen schauen, dass wir oben dranbleiben. Jetzt wollen wir auch gegen die kommenden Gegner Punkte holen, damit uns das gelingt.

Zählt Werder Bremen zu dieser Kategorie?

Wir haben natürlich den Anspruch, gerade in einem Heimspiel, immer zu gewinnen. Doch es wird ein schweres Spiel. Durch das Unentschieden bei den Bayern haben die Bremer viel Selbstvertrauen gewonnen.

Xaver Schlager vom VfL Wolfsburg „weit davon entfernt, Werder Bremen kleinzureden“

Hat Sie das Resultat der Remiskönige aus Bremen am letzten Samstag sehr überrascht?

Dass eine Mannschaft in München etwas holt, ist eher selten. Es kommt nicht so oft vor, dass die Bayern in der eigenen Arena etwas liegen lassen.

Bewerten Sie das Remis eher als Makel für die Bayern denn als Zeichen der Stärke Werders?

Ich bin weit davon entfernt, die Leistung der Bremer kleinzureden. Werder spielt in dieser Spielzeit aus meiner Sicht wesentlich besser als im Vorjahr. Schon damals haben sie nicht so schlecht agiert, hatten oft sehr viel Pech und sind in eine Krise geraten, was die Resultate anbelangt.

Im Rückspiel in Bremen waren Sie nach Ihrer auskurierten Knöchelverletzung dabei. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Partie?

Es war ein schweres Auswärtsspiel für uns, ein ganz enges Match. Es hätte jederzeit auch kippen können zugunsten Bremens. Wir waren schließlich erfolgreich, weil wir einen Konter zur Entscheidung beim 1:0-Erfolg nutzen konnten.

Stichwort: Konterfußball. Lautet so der Matchplan in Wolfsburg wie in Bremen? Ähneln sich die beiden Spielstile?

Für unsere Spielidee kann ich dies nicht so unterschreiben. Wir haben Phasen im Spiel, wo wir eher kompakt stehen. Und wir haben andererseits auch Phasen, wo wir gern den Ball besitzen und behaupten wollen, um zum Erfolg zu kommen. Die Vorgabe ändert sich meist von Spiel zu Spiel, ist auch abhängig davon, wie der Gegner auftritt und welche Marschroute er befolgt.

Werder Bremen: Xaver Schlager vom VfL Wolfsburg traut Ex-Mitspieler Romano Schmid die Bundesliga zu

Ist Ihnen bewusst, dass sowohl Wolfsburg als auch Bremen in einer Beziehung bislang sogar die Münchner Bayern übertreffen? Werder hat erst zehn Gegentore kassiert, Wolfsburg gar erst fünf, die Münchner schon zwölf.

Wir stehen sehr gut in der Defensive, agieren enorm stabil. Auch Werder macht es gut, hat teilweise die Herangehensweise in der Abwehrarbeit geändert und profitiert davon. Wenn hinten die Null steht, ist dies viel wert.

Die Kehrseite der Medaille in Wolfsburg: Mit dem Toreschießen hapert es noch ein wenig. Nur neun Tore, wenige Clubs sind in dieser Statistik schlechter. Woran liegt es?

Es gibt in dieser Hinsicht sicherlich noch Verbesserungspotenzial bei uns. Vor allem in den ersten Partien hakte es da noch. Doch zuletzt haben wir uns in der Offensive schon gesteigert, haben gegen Schalke, Hoffenheim und Bielefeld jeweils zwei Treffer erzielt.

Haben Sie eigentlich einen engen Kontakt mit Marco Friedl, Ihrem Landsmann bei Werder?

Wir kennen uns schon lange, sprechen immer wieder, wenn wir uns sehen bei den Länderspielen. In Corona-Zeiten ist aber auch dies schwieriger geworden. Marco durfte zu den letzten Länderspielen nicht anreisen.

Wie ist Ihre Meinung über Romano Schmid, den zweiten Austria-Profi in Bremen?

Ich kenne Romano gut, wir haben in Salzburg zusammengespielt. Er hat eine gute Entwicklung in Wolfsberg während der Leihe genommen. Nun muss er den großen Schritt in die Bundesliga machen, was nicht ganz so einfach ist.

Bisher kam er bei Werder noch nicht zum Zug. Trauen Sie ihm den Sprung zu?

Wenn er dranbleibt, kann er es schaffen. Die Veranlagung hat er. Wenn er demnächst seine Einsatzzeiten bekommt, muss er sich beweisen, seine Chance nutzen. Ich würde mich freuen, wenn es bei ihm klappt.

Xaver Schlager vom VfL Wolfsburg berichtet: Zlatko Junuzovic schwärmte oft von Werder Bremen

Wissen Sie, wie viele Österreicher momentan in der Bundesliga spielen?

Sehr viele, wie ich vermute. Etwa 25 könnten es sein.

Genau 32, womit Austria das größte Kontingent der Legionäre stellt. Eine Schlagzeile der Salzburger Nachrichten: „Österreich prägt die Bundesliga.“ Können Sie dies unterschreiben?

Wir Österreicher spielen schon eine besondere Rolle in Deutschland. Es ist aber auch nicht weiter verwunderlich, warum so viele hier spielen. Für uns ist der Schritt in die deutsche Bundesliga nicht so kompliziert wie in andere europäische Ligen. Und dies liegt nicht nur an der gleichen Sprache.

Auch in Bremen haben einige Landsleute ihre Spuren hinterlassen. Wer hat Sie dabei besonders beeindruckt?

Werder und Andi Herzog – das ist eine Erfolgsgeschichte. Ähnlich bemerkenswert in jüngerer Vergangenheit ist die Verbindung zwischen dem Verein und Zlatko Junuzovic. Zlatko hat viele Geschichten über Bremen erzählt, als wir Kollegen in Salzburg waren.

Was genau hat er erzählt?

Nur Gutes, er hat die Besonderheiten geschildert. Dass Werder ein toller Verein ist, Bremen eine coole Stadt. Dass die Stimmung extrem gut und eindrucksvoll ist in dem Stadion an der Weser, wo es für alle Gegner kaum etwas zu holen gibt. Zlatko hat geschwärmt von seiner Zeit dort.

In der Pandemie haben Sie, wie Sie inzwischen verraten haben, zwei neue Hobbys entdeckt: Klavierspielen und Schach. Was können Sie besser?

Nichts von beidem (lacht). Auf beiden Gebieten bin ich noch Anfänger. Doch ich liebe die Beschäftigung damit. Ich glaube, es ist ganz gut, sich in diesen schweren Zeiten sinnvoll zu beschäftigen und das Gehirn zu trainieren. So viel kann ich verraten: Ich habe schon epische Partien am Schachbrett gegen unseren Zeugwart absolviert. Ohne Erfolg, der zieht mich immer ab. (hgk)

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