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Schwierige Entscheidung für Werder Bremen: Yoya Osako will zum Olympischen Fußball-Turnier in seinem Heimatland Japan.

Baumann: „Es ist ein schwieriges Thema“

Olympia-Anfrage für Osako - Werder zögert noch

Bremen – Osako und Olympia – kann daraus wirklich ’was werden? Werder-Profi Yuya Osako hat zuletzt klar gemacht, wie gerne er dabei wäre, wenn in 247 Tagen das Olympische Fußball-Turnier in seiner Heimat Japan angepfiffen wird.

Eine Teilnahme wäre „ein Traum“, sagte Osako. Eine einmalige Chance auch. Für Werder Bremen, Osakos Arbeitgeber hätte das Ganze aber überhaupt nichts Traumhaftes – im Gegenteil: Osako würde die komplette Saisonvorbereitung verpassen, die Abläufe im Sommer wären empfindlich gestört. Werder könnte es sich also leicht machen und einfach seine Macht ausspielen und eine Freigabe schon mal verweigern, bevor das Thema wirklich heiß wird. Doch das mag der Club nicht tun. Das gute Verhältnis zu Osako wäre in Gefahr.

Werder Bremen: Japanischer Verband fraqt mögliche Freistellung ab

Längst ist Osakos Olympia-Berufung kein theoretisches Modell mehr. Denn Werder-Sportchef Frank Baumann bestätigt gegenüber der DeichStube, dass der japanische Verband bereits bei den Bremern die mögliche Freistellung des 29-Jährigen abgefragt hat. Osako, in seiner Heimat ein Volksheld, soll demnach einer der drei Spieler werden, die im Olympia-Kader älter als 23 Jahre sein dürfen. Schön für ihn. Aber nicht schön für den Club.

Werder Bremen: Baumann will jetzt noch nicht entscheiden 

„Es ist ein schwieriges Thema“, sagt Baumann. Weil für Olympische Spiele keine Abstellungspflicht besteht, könnte Werder Osako an die Kette legen. Das gilt auch für Johannes Eggestein, der als Kapitän mit der U21 des DFB in Tokio antreten darf. Doch die harte Linie will Baumann nicht. „Man muss auch betrachten, dass Olympische Spiele etwas Besonderes sind – auch für Fußball-Profis“, sagt er und fragt sich: „Was bedeutet es für die Beziehung zwischen Spieler und Verein, wenn man die Chance verbaut?“

Natürlich im Zweifel nichts Gutes. Eine Entscheidung wird aber nicht schon jetzt gefällt. „Es ist noch zu früh, die Situation zu besprechen“, meint Baumann und vertagt das Thema um einige Wochen Richtung Jahreswechsel. (csa)

Zur letzten Meldung vom 15. November 2019

Werder-Stürmer Osako träumt von Olympia

Bremen – Normalerweise wäre Yuya Osako gerade gar nicht in Bremen, sondern in Japan. Doch der Profi des SV Werder Bremen hat auf diese Länderspielreise verzichtet. Für ihn und seinen Club ist das gut, für seine Kollegen nicht, denn sie müssen nun noch etwas länger auf ein spezielles Geschenk von Osako warten.

Der 29-Jährige ist bei einem seiner seltenen Medientermine durchaus für Überraschungen gut, träumt ein wenig von Olympia und präsentiert zur aktuellen sportlichen Situation von Werder Bremen eine klare Meinung. „Nein, das war viel schlimmer!“, grätscht Yuya Osako sofort dazwischen, als er auf seine Abstiegssaison mit dem 1. FC Köln angesprochen wird. „Da hatten wir nur sechs Punkte nach der Hinrunde. Es war ganz anders.“ 

Zwei Jahre ist das her. Werder hat nach elf Spieltagen immerhin schon elf Punkte auf dem Konto und damit noch die Chance, bis zur Winterpause nachzulegen. „Es ist wirklich eine schwierige Zeit für Werder“, verschließt Osako nicht die Augen vor der Realität, betont aber zugleich: „Es hängt von uns ab. Wir haben die Qualität. Wenn wir machen, was wir machen müssen, dann geht es nach oben. Ich bin mir da sicher, ich habe keine Angst!“

Yuya Osako: „Fühle mich verantwortlich“, dass Werder Bremen gewinnt

Der so zurückhaltend und schüchtern wirkende Japaner nimmt sich dabei selbst gehörig in die Pflicht. „Ich übernehme gerne Verantwortung und fühle mich auch verantwortlich dafür, dass wir gewinnen“, sagt er. Und wer den Angreifer bei der 1:3-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach etwas genauer beobachtet hat, dem ist nicht entgangen, wie emotional Osako bei der Sache war. In Köln hieß es oft, der Japaner würde sich gerne auf dem Platz verstecken, wenn es nicht läuft. In Gladbach sah das nun ganz anders aus.

Werder braucht einen starken Osako. Nach den beiden Siegen gegen Augsburg und Union Berlin fehlte der Japaner fünf Spiele wegen einer Oberschenkelverletzung – Werder blieb in der Zeit sieglos. Das änderte sich zwar auch nicht nach Yuya Osakos Comeback, aber dessen Klasse war gegen Freiburg und in Mönchengladbach nicht zu übersehen. Er ist die Anspielstation im Sturmzentrum, verteilt die Bälle und ist torgefährlich. Sein vierter Saisontreffer gegen die Borussia wurde ihm per Videobeweis etwas unglücklich aberkannt.

Yuya Osako verzichtete für Werder Bremen auf Reise zur Nationalmannschaft - und träumt von Olympia

„Es geht mir wieder gut. Ich bin bei 80, 90 Prozent“, sagt Osako und prophezeit: „Jetzt habe ich ein bisschen Zeit zum Trainieren, nächste Woche kann ich bei 100 Prozent sein.“ Dafür hat er schweren Herzens auf die Reise in seine Heimat verzichtet, das WM-Qualifikationsspiel gegen Kirgisistan (2:0) verpasst und wird auch beim Test gegen Venezuela fehlen. „Die Nationalmannschaft ist etwas ganz Besonderes für mich, da will ich eigentlich immer spielen. Aber ich muss immer sehr lange fliegen, das ist sehr anstrengend. Nach den Länderspielpausen war ich oft verletzt. Ich war immer sehr müde, diese Müdigkeit ging einfach nicht weg“, erklärt Osako. Deswegen habe er mit Nationaltrainer Hajime Moriyasu und Werder-Coach Florian Kohfeldt gesprochen – und sich letztlich für den Verbleib in Bremen entschieden.

Als Fußballer des Jahres in Japan klingt das einfacher, als es ist. Osako wird in der Heimat verehrt. Und schon längst wird dort darüber gesprochen, dass der Stürmer im Sommer bei den Olympischen Spielen in Tokio die U23-Auswahl der Gastgeber als einer von drei älteren Spielern verstärken könnte. Und Osako träumt da gerne mit, wenn auch mit einer respektvollen Vorsicht: „Es wäre etwas ganz Besonderes für mich, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Aber das entscheide nicht ich, sondern der Trainer. Wir haben noch nicht darüber gesprochen.“ Für Werder hätte das weitreichende Folgen. Denn Osako würde die komplette Vorbereitung verpassen. Aber das ist Zukunftsmusik.

Yuya Osako ist bei Werder Bremen endlich voll angekommen - und zeigt das auch im lockeren Umgang mit den Teamkollegen.

Werder Bremen: Yuya Osako wirbt für Sake-Brauerei - und verspricht Teamkollegen eine Kostprobe

Die Gegenwart erlebt einen Yuya Osako, der nach gut einem Jahr in Bremen endlich angekommen wirkt. „Vielleicht brauche ich einfach etwas länger dafür“, sagt er und lacht. Die Stadt gefalle ihm gut. Die Aussage ist aber wohl mehr seiner Höflichkeit geschuldet, denn gefragt nach seinem Lieblingsort in Bremen antwortet der 29-Jährige: „Zuhause, ich bleibe immer zuhause.“ Seine Familie mit den zwei Kindern geht ihm über alles.

Seit knapp sechs Jahren ist Osako in Deutschland, hat vor Köln noch bei 1860 München gespielt. Ziemlich begeistert ist er vom deutschen Essen. Schnitzel haben es ihm besonders angetan, berichtet er. Ob es dazu dann einen Sake, den berühmten japanischen Reiswein gibt, sagt er nicht. Immerhin macht Osako in Japan Werbung für dieses Getränk. „Eine Sake-Brauerei in der Region, in der ich geboren bin, hat mich immer sehr unterstützt. Jetzt unterstütze ich diese Brauerei. Das ist ein sehr guter Sake, den ich in ganz Japan bekannt machen möchte.“ Und nicht nur dort – Pizarro und Co. können sich schon mal freuen. „Im Winter fliege ich nach Japan, dann bringe ich meinen Teamkollegen in Bremen Sake mit.“ (kni)

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