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Ein stolzer Zlatko Junuzovic: Der Ex-Bremer holte mit Red Bull Salzburg in seinem ersten Jahr gleich zwei Trophäen.

Ex-Werder-Kapitän über erste Titel und das Bremen-Gefühl

Junuzovic im DeichStube-Interview: „Es war wirklich krass“

Salzburg – Auf diese Momente hat Zlatko Junuzovic in seinem Leben als Fußball-Profi lange warten müssen: Mit 31 Jahren holte der ehemalige Kapitän von Werder Bremen seine ersten Titel.

Nach dem Pokal gab es für seinen Club Red Bull Salzburg am Sonntag auch die Meisterschale. Der Wechsel vor einem Jahr von Bremen nach Salzburg hat sich also gelohnt. Im Gespräch mit der DeichStube beschreibt Junuzovic den besonderen Weg zur Meisterschaft, verspricht der Bundesliga und Borussia Mönchengladbach in Marco Rose einen besonderen Trainer und erzählt von seiner speziellen Beziehung zu Werder.

Erst Pokalsieger, dann auch noch Meister – Herr Junuzovic, sind Sie nur noch am Feiern?

Das kann man schon so sagen (lacht). Das waren wirklich ganz besondere Momente für mich. Es ist einfach cool, nach dem Spiel noch etwas zu bekommen – sozusagen als Bestätigung für all’ das, was du mit deinem Team in der Saison geleistet hast.

Sie persönlich mussten in der Karriere lange darauf warten. Wie fühlen sich Ihre ersten Titel an?

Gut natürlich. Aber ganz ehrlich: Mir ging es nie nur um Titel. Da war immer diese Freude und Spaß am Fußball. Und ich habe so viele Erfahrungen im Fußball machen dürfen, die sind mehr wert als Titel. Das hat mich als Mensch geprägt. Trotzdem genieße ich diese Momente natürlich und feiere mit der Mannschaft. Dazu gehören auch Trainer und Betreuer. Dieser Zusammenhalt ist für mich das Größte im Fußball. Wir haben es in Bremen geschafft, auch in schlechten Zeiten an einem Strang zu ziehen – und hier in Salzburg ist es genauso gut. Das war eine tolle Saison – auch in der Europa League. Da sind wir im Achtelfinale unglücklich am SSC Neapel gescheitert.

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Zlatko Junuzovic freut sich auf die Champions League mit RB Salzburg

Wie lebt es sich als Profi-Fußballer, wenn Niederlagen – anders als noch in Bremen – die totale Ausnahme sind?

Es war wirklich krass. Wir haben erst im Februar unser erstes Spiel verloren. Natürlich schweißt dieser Erfolg noch mehr zusammen. Die Stimmung ist super. Aber man darf auch nicht unterschätzen: Der Druck ist anders, jeder will der Erste sein, der dich schlägt. Unsere Mannschaft hat aber eine unglaubliche Mentalität, deswegen haben wir viele Spiele noch in der Schlussphase für uns entschieden. Wir sind alle geil darauf, zu gewinnen.

Wie ist die Stimmung im Stadion und in der Stadt?

Das ist nicht vergleichbar mit Deutschland. Aber es geht aufwärts. In der Liga ist das Stadion nicht ganz so voll, in der Europa League aber fast immer ausverkauft – und dann ist die Stimmung vor 30.000 echt phänomenal. Ich freue mich schon auf die Champions League.

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Diesmal kann auch in der Qualifikation für Red Bull Salzburg nichts mehr schiefgehen, Österreich hat jetzt einen Startplatz sicher.

Das war auch richtig knapp. Wäre Ajax gegen Tottenham weitergekommen und hätte auch das Finale gewonnen, hätten die Holländer den Platz bekommen. Da haben wir beim späten Tor von Tottenham natürlich alle gejubelt. Aber der Verein hat sich das auch verdient. Es war vor allem Red Bull Salzburg, das durch die guten Ergebnisse in der Europa League die nötigen Punkte für die Fünf-Jahres-Wertung geholt hat. Ich bin gespannt, wie unsere Mannschaft für die neue Saison aussehen wird.

Warum?

Ich denke schon, dass einiges passieren wird.

Bei Ihnen auch?

Nein, nein, bei mir nicht. Ich bleibe! Meine Familie und ich fühlen uns hier in Salzburg sehr wohl. Die Lebensqualität ist enorm – im Sommer wie im Winter. Aber bei Red Bull ist einiges los. Wir bekommen zum Beispiel einen neuen Trainer: Jesse Marsch. Ich habe schon mit ihm gesprochen und freue mich auf ihn. Und die Bundesliga kann sich auf unseren alten Trainer, Marco Rose, freuen. Vor allem auf seine Interviews (lacht).

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Zlatko Junuzovic über Marco Rose: „Guter Fang“ für Gladbach

Wieso?

Er ist charismatisch und authentisch – hat immer mal wieder einen guten Spruch auf Lager. Er macht das wirklich gut, ist ein super Typ und ein sehr guter Trainer. Da hat Borussia Mönchengladbach einen sehr guten Fang gemacht. Marco ist hier seit zwei Jahren Trainer bei den Profis und hat kein einziges Heimspiel verloren. Das ist schon ein Ausrufezeichen.

Kommen wir zu Werder: Stimmt es, dass Ihr Freund Theodor Gebre Selassie vor allem deshalb seine Karriere in der Nationalmannschaft beendet hat, um mit Ihnen Urlaub zu machen?

(lacht) Nein, nein, ich denke die Familie und die Gesundheit waren ausschlaggebend.

Sie waren sehr stolz, Werder-Kapitän zu sein – und sind trotzdem nach einem Jahr gegangen. Bei Max Kruse ist es nun ähnlich. Ist das Amt zu anstrengend?

Das könnte man schon meinen (lacht). Nein, eigentlich ist es nicht zu anstrengend. Obwohl es mich am Ende schon gestresst hat, dass ich immer wieder auf meine Zukunft angesprochen wurde. Dabei wollte ich als Kapitän nur meine Pflicht erfüllen und nach den Spielen für Interviews bereitstehen. Ich weiß nicht, wie es bei Max war. Mal schauen, was er macht, ich bin gespannt.

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Zlatko Junuzovic reckt bei Red Bull Salzburg zum ersten Mal eine Meisterschale in die Höhe.

Wer wird neuer Werder-Kapitän?

Vom Gefühl her würde ich Niklas Moisander sagen. Er war bereits in der finnischen Nationalmannschaft Kapitän.

Für Werder hat es ganz knapp nicht für Europa gereicht. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Die Punkteausbeute ist wirklich enorm gut. Schade, dass das nicht genug war für Europa. Aber Werder hat mit dem Fußball und der Leidenschaft einfach Spaß gemacht.

Wenn Sie zugeschaut haben, wären sie dann gerne live auf dem Platz dabei gewesen?

Ich denke da mehr an die Atmosphäre im Weserstadion. Denn ich weiß, wie es da ist. Dieses Gefühl werde ich nie vergessen, das steckt in mir drin. Und ich sehe es vor dem Fernseher den Jungs an, was sie da fühlen. Das ist großartig.

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Zlatko Junuzovic bei Werder Bremen beeindruckt von Johannes Eggestein

Welcher Spieler hat Sie am meisten überrascht?

Johannes Eggestein! Er hat für mich den größten Sprung gemacht. Das hat mich für ihn extrem gefreut. Er hatte davor keine leichte Zeit. Jetzt ist er richtig im Profi-Fußball angekommen. Er hat vor allem körperlich gut zugelegt. Sein Bruder Maxi war auch in der Saison davor schon richtig gut. Er wird seinen Weg machen. Bei Milot Rashica war es nur eine Frage der Zeit, bis er explodiert. Seine Schnelligkeit und seine Schusstechnik sind einfach Waffen im Fußball. Die hat er nun super eingesetzt. Na ja, und was Jiri Pavlenka alles hält, das ist der Wahnsinn. Und nicht zu vergessen die Legende schlechthin.

Sie meinen Claudio Pizarro.

Genau! Der ist auch Wahnsinn. Mit 40 Jahren noch so zu spielen, es ist unglaublich. Dieses Tor gegen Leipzig macht er überragend. Was für eine geile Geschichte. Das ist Werder.

Klingt fast ein bisschen wehmütig.

Bitte nicht falsch verstehen! Ich fühle mich bei RB Salzburg total wohl. Es war die absolut richtige Entscheidung. Aber ich war ja nicht nur ein Jahr in Bremen, sondern sechseinhalb. Ich weiß, was da los ist, wie sich dieser Club anfühlt. Das ist etwas Besonderes, das wirst du nie mehr los. Das ist einfach schön!

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