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Der Wechselpoker um Werders Kapitän Junuzovic ist noch nicht beendet.

Zlatko Junuzovic reist am Donnerstag mit ins Zillertal

Der Kapitän bleibt – zumindest vorerst

Bremen - Wenn Werder morgen Mittag am Bremer Flughafen in den Flieger steigt und sich auf den Weg ins Trainingslager ins Zillertal macht, wird auch Zlatko Junuzovic der großen grün-weißen Reisegruppe angehören. 

Werders Kapitän ist weiter an Bord, einen Blitz-Wechsel zum türkischen Erstligisten Trabzonspor, dessen Präsident Muharrem Usta zu Wochenbeginn für Transfer-Gespräche in Bremen war, wird es nicht geben. „Wir wollen Zladdi nicht abgeben, wir wollen ihn behalten“, sagte Werders Sportchef Frank Baumann gestern. Eine Aussage, die im ersten Moment eindeutig klang, im nächsten jedoch schon entscheidend relativiert wurde. „Im Fußball kann man nie etwas ausschließen“, sagte Baumann. Heißt im Klartext: Der Wechselpoker um Junuzovic ist längst nicht beendet – im Gegenteil: Er hat gerade erst begonnen.

Ein Autogramm hier, ein Selfie da

Etwa zwei Stunden nachdem alles über seine Person gesagt war, nachdem Werder verkündet hatte, dass er den Club nicht Hals über Kopf in Richtung Türkei verlässt, kam Zlatko Junuzovic gestern Nachmittag gemächlichen Schrittes aus dem Weserstadion. Ein schnelles Autogramm hier, ein Selfie da, die wartenden Fans kamen durchaus auf ihre Kosten – die Journalisten, die auf dem Parkplatz ausgeharrt hatten, hingegen nicht. Junuzovic stieg ohne Kommentar in seinen weißen Dienstwagen und fuhr davon. 

Die drängenden Fragen an den 29-Jährigen, sie blieben also unbeantwortet – vor allem jene, ob er das Werder-Trikot, das er auf dem Weg zu seinem Auto unter dem linken Arm getragen hatte, auch in der neuen Saison noch überstreifen wird. Sicher ist das nämlich keinesfalls. Auch wenn Frank Baumann zuvor betont hatte: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Zladdi in der kommenden Saison bei uns bleibt, ist sehr, sehr groß.“

Junuzovic einem Wechsel gegenüber weiterhin nicht abgeneigt

Klar ist: Trabzonspor ist nach wie vor an einer Verpflichtung Junuzovics interessiert, und der Österreicher einem Wechsel gegenüber weiterhin nicht abgeneigt – vorausgesetzt, dass ihm tatsächlich der womöglich letzte dicke Vertrag seiner Karriere winkt. Zustande gekommen ist der Transfer nach Informationen dieser Zeitung bisher nicht, weil sich die Seiten finanziell nicht einigen konnten. Werder verlangt acht Millionen Euro Ablöse, würde seinen Kapitän dann ziehen lassen, bevor die Aussicht droht, ihn im kommenden Sommer nach Auslaufen des Vertrags ablösefrei zu verlieren. Bisher bietet Trabzon nur 3,5 Millionen Euro. Auch Junuzovic soll mit der ersten Gehaltsofferte aus der Türkei nicht glücklich sein. So oder so dürfte ihm der Poker am Ende helfen, und das Interesse der Türken seinen Marktwert verbessern.

Frank Baumann wird sich im Zillertal mit dem Nationalspieler zusammensetzen und ihm seinerseits ein Angebot zur Vertragsverlängerung unterbreiten. Auf die Frage, ob Junuzovic sich einen Verbleib bei Werder vorstellen könne, entgegnete der Sportchef zunächst nur ein knappes „Ja“, ehe er etwas genauer wurde. „Er weiß, dass er hier seit Jahren eine sehr hohe Wertschätzung genießt. Die ist mit Sicherheit nicht dadurch kleiner geworden, dass wir ihn zum Kapitän gemacht haben“, sagte Baumann.

Schon 2016 wollte Junuzovic Werder verlassen

Dass Junuzovic sich trotz dieser Wertschätzung mit Wechselgedanken beschäftigt, ist nicht neu. Schon im Sommer 2016 wollte er Werder verlassen – ein Wunsch, der nach einer für den Österreicher wegen einer Verletzung völlig verkorksten EM in Frankreich letztlich platzte. Er bekam schlicht kein passendes Angebot.

Das könnte dafür in diesem Sommer folgen. Frank Baumann legte zwar Wert auf die Feststellung, dass er sich mit Trabzon-Chef Usta über einen Junuzovic-Verkauf nur ausgetauscht und nicht etwa darüber verhandelt habe. Er wirkte dabei aber so, als wollte er das Thema kleiner machen, als es ist. Wie Werder denn am Ende mit den Türken verblieben sei, wollte ein Journalist gestern gerne wissen. Baumanns Antwort: „Es war ein sehr netter Austausch, und Trabzon hat sich danach für den Kaffee bedankt.“ Na dann ist ja gut.

Der Werder-Mittwoch

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