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Klaus Filbry ist mit dem Trainingslager in Südafrika zufrieden.

Werder-Boss bringt Kohfeldt als Kronzeugen

Die Zufriedenheits-Demo: Filbry verteidigt Südafrika-Trip

Johannesburg – Er ist der Boss, der Werder-Boss – als solcher bat Klaus Filbry die deutschen Medienvertreter in Südafrika zum Gespräch. Ein ungewöhnlicher Vorgang, zumal der Vorsitzende der Geschäftsführung auch noch Trainer Florian Kohfeldt mitgebracht hatte – quasi als Kronzeugen.

Filbry missfällt die aus seiner Sicht zu negative Berichterstattung in Deutschland über das Trainingslager in Johannesburg, gemeinsam mit Kohfeldt verkündete er deshalb: „Wir sind sehr zufrieden mit dem Trainingslager.“

Dabei war längst nicht alles glatt gelaufen. Die Wetterkapriolen machten den Bremern sehr zu schaffen, das erste Testspiel gegen die Kaizer Chiefs am Sonntag wurde in der Halbzeit bei Blitz und Donner abgebrochen. Wegen zu viel Regens musste Werder zwischenzeitlich den Trainingsplatz wechseln. Und da sich das öffentliche Interesse vor Ort doch sehr in Grenzen hielt sowie die Testspiele wegen eines TV-Vertrags unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden müssen und in Südafrika auch nicht übertragen werden dürfen, steuerte das Bremer Abenteuer inklusive einer fast 14-stündigen Anreise auf einen Flop zu. Doch diesem Eindruck widersprach Filbry vehement.

Filbry: Nicht im Auftrag der DFL in Südafrika

Allerdings begann er seine Ausführungen mit einer durchaus interessanten Information: „Wenn Florian Kohfeldt alleine hätte entscheiden können, wäre er sicher lieber nach Spanien oder Portugal gereist.“ Doch im Fußball entscheidet eben auch das Geld, in diesem Fall das TV-Geld. Das sammelt die Bundesliga inzwischen auch im Ausland ein. Dafür müssten die Clubs aber Präsenz zeigen. „Wir nehmen alle gerne das TV-Geld entgegen, also haben wir auch einen gewissen Beitrag zu leisten, das haben wir hier gemacht“, sagte Filbry.

Er betonte ausdrücklich, nicht im Auftrag der Deutschen Fußball-Liga (DFL) nach Südafrika gereist zu sein, obwohl die DFL die Reise zu großen Teilen finanziert hat. „Wir haben uns als Verein für Südafrika entschieden, weil wir die Internationalisierung der Bundesliga für sehr wichtig halten. Wir stehen da im Wettbewerb mit der englischen, spanischen und italienischen Liga. Wenn sich die Vereine und die Liga diesen Herausforderungen nicht stellen, dann haben wir auf der internationalen Seite weniger Erlöse.“

Ein Großteil der Clubs würde da wie Werder gut mitwirken. Filbry nannte dabei den FC Bayern und Borussia Dortmund an erster Stelle, aber auch Eintracht Frankfurt, Hertha BSC, den FC Schalke 04, den 1. FC Köln, den VfB Stuttgart und 1899 Hoffenheim.

Das Problem in Südafrika: Von außen betrachtet spielt Werder dort quasi keine Rolle. Warum unterstützt die DFL überhaupt so eine Reise, wenn es vor Ort derart strikte Beschränkungen wie das Zuschauer-Verbot gibt? Filbry befindet sich da als Präsidiumsmitglied der DFL in einer nicht ganz einfachen Rolle, will das vielleicht auch deshalb nicht öffentlich kritisieren, bezeichnet es nur als unglücklich. Es wäre aber durch andere Maßnahmen absolut kompensiert worden. Es geht um Content, Filbrys Lieblingswort im Mediengespräch.

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Wohin reist Werder nächstes Mal? USA, Mittlerer Osten, Indien, China?

Diesen Content habe Werder mit dem südafrikanischen Medienpartner der DFL in Hülle und Fülle produziert. Mal waren es Filmchen mit Werder-Profis für die sozialen Medien, mal ein Auftritt von Aufsichtsratschef Marco Bode in der wichtigsten Sportsendung. Sieben Millionen Südafrikaner hätten das am TV verfolgt, so Filbry. „Es ist für uns gut gelaufen – für Werder und für die DFL“, lautete das Fazit des 52-Jährigen. Wohin es beim nächsten Mal geht, sei offen: USA, Mittlerer Osten, Indien, China – vieles sei denkbar.

Kohfeldt darf das zwar nicht entscheiden, aber zumindest Forderungen stellen: „Ich habe einen Plan vorgelegt, was ich sportlich umsetzen möchte.“ Mit der Umsetzung in Südafrika sei er zufrieden und von einer Sache sogar noch positiv überrascht: „Der Township-Besuch hat bei den Jungs wirklich etwas ausgelöst. Diesen Mehrwert hast du in Marbella nicht.“ Filbry hob den Besuch des Armenviertels ebenfalls hervor: „Wir wollen den Spielern auch für ihre persönliche Weiterentwicklung etwas bieten.“ Am Samstag geht es zurück nach Bremen, eine Woche später ist Hinrundenstart in Hannover. Dann zählt nur noch der Content auf dem Rasen – und der wird weiterhin in Toren und Punkten gemessen.

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