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Worms-Coach Steven Jones outet sich als heimlicher Werder-Fan.

1. Runde im DFB-Pokal

Werder-Gegner Worms: Kleiner Pokalschreck mit großer Baustelle

Worms/Bremen - Um Verbindungen zwischen Werder Bremen und Wormatia Worms zu finden, muss man schon ein bisschen wühlen.

Dann entdeckt man, dass Bernhard Trares, von 1997 bis 2001 beinharter Werder-Verteidiger, in Worms mal zum Erfolgstrainer wurde. Er führte den Club 2008 zurück in die Regionalliga Südwest. Dort spielt Wormatia Worms immer noch – das elfte Jahr in Folge in der Viertklassigkeit steht an. Und es wird mit einem Kracher in der ersten DFB-Pokalrunde beginnen. Worms empfängt Werder – „wir freuen uns riesig“, sagt Sportvorstand Marcel Gebhardt: „Ich merke schon, wie in der Stadt eine kleine Euphorie um dieses Pokalspiel entsteht.“ Gespielt wird am Wochenende 17. bis 20. August.

Pflichtaufgabe für Werder

Für die Bremer wird die am Freitagabend im Deutschen Fußball-Museum in Dortmund ausgeloste Partie wie immer eine Pflichtaufgabe sein. Theoretisch. Praktisch sei es aber eine „Herausforderung, die wir sehr ernst nehmen“, sagt Trainer Florian Kohfeldt. Sportchef Frank Baumann verspricht, die „Aufgabe sehr seriös bestreiten“ zu wollen: „Ich bin sicher, dass keiner das Team unterschätzt.“

Das wäre auch besser so. Denn Wormatia Worms war schon einmal eine kleine Überraschungsmannschaft. 2012 warf das Team den damaligen Zweitligisten Hertha BSC mit 2:1 aus dem Wettbewerb. In Runde zwei kam gegen den 1. FC Köln (zu der Zeit ebenfalls in Liga zwei beheimatet) erst im Elfmeterschießen das Aus. Und wenn in zwei Monaten Werder Bremen in Worms antritt, werden natürlich die Geister aus diesem Jahr wieder heraufbeschworen. „Ich hoffe, wir bleiben ein bisschen Pokalschreck“, sagt Pressesprecher Jens Silex.

2012 schafften die Wormser die Sensation und schossen Hertha aus dem DFB-Pokal.

Worms freut sich natürlich auf Werder, meint Sportvorstand Marcel Gebhardt: „Ich spüre schon ein bisschen Euphorie für diese Partie. Es ist ein sehr attraktives Los für uns. Werder ist auch ein extrem sympathischer Bundesligist.“ Trainer Steven Jones, erst 40 Jahre alt, aber schon die Hälfte seines Lebens im Verein, outet sich sogar als kleiner Werder-Fan: „Es gibt nicht viele Vereine in der Bundesliga, die interessanter sind. Bremen ist doch eine Legende. Dieser Gegner wird Glanz nach Worms bringen.“

Regenwurmplage, Schwarzgeld, Steuerfahndung

Ziemlich sicher wird die Partie im altehrwürdigen Wormser Stadion ausgetragen. Aktuell trägt es den Namen EWR-Arena und fasst 5.600 Zuschauer. Als aber 2007 der Nachbar Mainz 05 mit Trainer Jürgen Klopp der Gegner im DFB-Pokal war (Ergebnis 1:6), wurde die Kapazität auf stolze 12.500 Besucher erhöht. „Ich gehe davon aus, dass wir wieder in diese Richtung gehen werden“, sagt Silex. Um die Qualität des Rasens müssen sich die Bremer dabei übrigens keine Sorgen mehr machen. Nachdem Worms mit einer Regenwurmplage im Stadion Schlagzeilen machte, wurde ein Hybridrasen installiert. Alles picobello also in Worms.

Das war nicht immer so. In den späten 70er-Jahren erlebte der Club seine beste, aber auch seine dunkelste Zeit. In der Saison 1978/79 war Wormatia lange Spitzenreiter in der 2. Bundesliga Süd, pochte an die Tür zum Oberhaus. Blöd nur, dass gleichzeitig die Steuerfahndung bei Verein und Spielern anklopfte. Es war viel Schwarzgeld geflossen, der Club musste deshalb Strafe zahlen und als Konsequenz Spieler verkaufen. So ging sie dahin, die historische Chance auf die Bundesliga.

Aktuell ist Wormatia Worms ein Team im Umbruch. Nach dem erst am letzten Spieltag geschafften Klassenerhalt steht eine Verjüngungskur an. Bislang haben nur elf Spieler für die kommende Saison zugesagt, der kleine Bremer Auftaktgegner im DFB-Pokal ist also noch eine große Baustelle.

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