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Alexander Nouri war am Samstagabend Gast im „Aktuellen Sportstudio“.

Sympathischer Auftritt im „Aktuellen Sportstudio“

Nouri spricht Bayerisch und trifft doppelt

Mainz - Ein bisschen Bammel vor diesem Termin hatte Werder-Coach Alexander Nouri schon. Aber nicht vor dem Interview auf dem legendären Mainzer Lerchenberg, sondern mehr vor der Anreise.

Das ZDF holte ihn mit einem kleinen, aus Nouris Sicht sogar einem sehr kleinen Flugzeug nach dem 4:2-Sieg aus Ingolstadt ab: „Ich hoffe, wir überleben den Flug, die Maschine hat nur vier Plätze. Ich bin noch nie mit so einem kleinen Ding geflogen. Flugangst habe ich eigentlich keine, aber vor der Geschichte habe ich Respekt.“ Doch Nouri meisterte auch diese Aufgabe – genauso wie am späten Samstagabend dann auch den Auftritt im altehrwürdigen Sportstudio, dabei zeigte er sogar ganz neue Qualitäten als Unterhaltungskünstler.

Zu Beginn war Nouri noch etwas nervös. Der große Beifall bei seinem Einmarsch – unterlegt mit Disco-Musik – machte ihn schon etwas verlegen. Doch im Laufe der Sendung taute der 37-Jährige mehr und mehr auf und es wurde ein nettes Gespräch mit Moderator Sven Voss. Höhepunkt: In einem Einspieler verriet Hoffenheim-Coach Julian Nagelsmann, dass Nouri einst den Trainerlehrgang beim DFB mit seinen Parodie-Fähigkeiten bestens unterhalten habe. Er sei von Nouri zum Beispiel gerne auf Bayerisch angesprochen worden, ein anderer Kollege immer auf Italienisch. Nouri lachte im Studio und gab auf Bitte von Voss dann sogar eine kleine Kostprobe seiner bayerischen Mundart. Trotz der vielen Österreicher in seiner Mannschaft wie Zlatko Junuzovic, Florian Kainz und Florian Grillitsch könne er leider noch kein Österreichisch: „Aber da bin ich dran.“

Nouri: Keine Sorge, nicht abgeholt zu werden

Gleiches gilt für seine Zukunft. Schon nach dem 4:2-Erfolg in Ingolstadt mit dem vorzeitig eingetüteten Klassenerhalt hatte Nouri seine Position selbst gestärkt und angekündigt, in den nächsten Tagen würden mit Werder die Gespräche über seine Vertragsverlängerung beginnen. Und der Coach, der den Job nach dem dritten Spieltag von Viktor Skripnik übernommen hatte, ist ziemlich selbstbewusst: „Ich mache mir keine Sorgen, dass ich an der Bushaltestelle nicht abgeholt werde.“ Will heißen: Wenn Werder keinen Bus mit einem neuen Vertrag schickt, dann steigt Nouri eben woanders ein. Durch seine Serie von zehn Spielen ohne Niederlage und den Sprung auf Platz sechs, einen Europapokal-Rang, fühlt sich Nouri im Bundesliga-Geschäft nun ziemlich sicher.

Aber der Werder-Coach wirkte dabei nicht abgehoben. Dazu passte auch ein besonderer Gast. Das ZDF hatte extra Nouris guten Freund Mansur Faqiryar aus Bremen nach Mainz geholt. Die beiden ehemaligen Teamkollegen vom VfB Oldenburg betreiben eine Stiftung, die sich um Migranten in Deutschland und Menschen in Afghanistan kümmert. „Wir wollen etwas zurückgeben“, erklärte Faqiryar – und Nouri bestätigte dies mit einem Nicken.

Strukturreform gegen „viel Unzufriedenheit“

Zwischendrin wollte Moderator Sven Voss natürlich noch wissen, wie Werder eigentlich diesen sensationellen Aufschwung geschafft hat, diese Kehrtwende vom Abstiegskandidaten zum Europa-League-Aspiranten. Für Nouri sei ein langer Prozess entscheidend – und eine Strukturreform. „Wir haben eine Mannschaft vorgefunden, wo sehr, sehr viele Spieler da waren – natürlich auch sehr viel Unzufriedenheit“, berichtete Nouri über seinen Start im September als Nachfolger von Viktor Skripnik. „Wir brauchten eine andere Struktur, um den Spielern eine realistische Perspektive auf Spielzeit zu geben.“

Nouri dünnte den Kader also erheblich aus. Außerdem habe er trotz des laufenden Saisonbetriebs an konditionellen Defiziten arbeiten lassen. Werder driftete im neuen Jahr zwar zunächst dennoch in eine Ergebniskrise, für Nouri gab es aber „nie einen Grund zu zweifeln und meine Art zu ändern“, betonte der Trainer: „Das ist etwas, was ich nie tun werde.“

Zum Schluss des „Sportstudios“ ging es noch an die Torwand – und nach zwei Treffern konnte Nouri zufrieden die Heimreise antreten. Wieder in der kleinen Maschine, die ihn nun nach Ganderkesee brachte, denn so spät in der Nacht gibt es in Bremen keine Landeerlaubnis mehr. Auch nicht für einen gerade so erfolgreichen Werder-Trainer wie Nouri.

Viererpacker Kruse lässt Werder jubeln

FC Ingolstadt gegen Werder Bremen
Für Robert Bauer war das Spiel beim FC Ingolstadt ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Der Verteidiger wechselte vor der Saison von den "Schanzern" an die Weser. © dpa
FC Ingolstadt gegen Werder Bremen
Der FC Ingolstadt hatte in der ersten Hälfte Vorteile. Werder-Keeper Felix Wiedwald hielt zweimal gut gegen Almog Cohen und Marcel Tisserand. © nordphoto
FC Ingolstadt gegen Werder Bremen
Und dann fiel es doch: Dario Lezcano entwischte Lamine Sane und verwertete eine Tisserand-Flanke völlig freistehend. © dpa
FC Ingolstadt gegen Werder Bremen
Die stark abstiegsgefährdeten Ingolstädter feierten das 1:0 ausgelassen. © dpa
FC Ingolstadt gegen Werder Bremen
Kurz vor der Pause aber noch der Ausgleich: Tisserand legte Fin Bartels im Strafraum, der Schiedsrichter entschied auf Elfmeter. © nordphoto
FC Ingolstadt gegen Werder Bremen
Max Kruse verwandelte sicher - und Werder bejubelte den Ausgleich mit dem Pausenpfiff. © nordphoto
FC Ingolstadt gegen Werder Bremen
Die zweite Hälfte gestaltete sich relativ ausgeglichen mit wenigen Chancen auf beiden Seiten. Eine der besten vergab Fin Bartels. © nordphoto
FC Ingolstadt gegen Werder Bremen
Nach gut einer Stunde zeigte Schiedsrichter Markus Schmidt erneut auf den Punkt. Er war auf eine Schwalbe von Almog Cohen hereingefallen. Pascal Groß brachte Ingolstadt mit seinem platzierten Strafstoß wieder in Führung. © nordphoto
FC Ingolstadt gegen Werder Bremen
Der FC Ingolstadt bejubelte die erneute Führung. Aber die Rechnung hatten die "Schanzer"... © dpa
FC Ingolstadt gegen Werder Bremen
...ohne Max Kruse gemacht. Der Werder-Stürmer ist einfach in überragender Form: Mit zwei weiteren Treffern drehte er das Spiel. Werder gewann 4:2 - und sprang zumindest vorübergehend auf Tabellenrang 6. © nordphoto
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