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Karl-Heinz Riedle wurde 1990 mit Deutschland Weltmeister. Im Halbfinale schaltete sein Team England aus.

Neue Serie: Werder-Momente bei der WM

Riedle und die kuriose Premiere vom Punkt

Von Hans-Günter Klemm. Einmal ist immer das erste Mal. Dies trifft auch auf Fußball-Nationalspieler zu. Alles wie im richtigen Leben. So auch bei Karl-Heinz Riedle, der seine außergewöhnliche Premiere noch in bester Erinnerung hat.

„Ein ganz besonderer Moment in meiner Kariere“, sagt der frühere Torjäger von Werder Bremen über seine Erstaufführung, den ersten geschossenen Elfmeter als Profi. Der gebürtige Allgäuer verwandelte den Strafstoß bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien und schoss so eines seiner wichtigsten Tore beim legendären Schießen vom Punkt beim Halbfinal-Erfolg gegen England. Dank Riedle ging der italienische Traum weiter, bis zur Nacht von Rom und dem dritten Titelgewinn.

Riedle: „Da war ich schon ein wenig cooler“

Was nur wenigen, selbst eingefleischten Fans nicht mehr so bewusst ist, verrät der 52-Jährige: „Es war mein erstes Mal, mein erster Elfer.“ Premiere in solch einem bedeutenden Match bei dem finalen Elferschießen. Keine Anzeichen von Nerven? „In dem Moment“, sagt der Schütze, der zum zwischenzeitlichen 4:4 ausglich, „war ich ganz ruhig.“ Anders als zwei Engländer, die dafür sorgten, dass das berüchtigte Nervenflattern vom Punkt seitdem die Kicker aus dem Mutterland des Fußballs begleitet. Stuart Pearce und Chris Waddle – Riedle kennt noch die Namen der englischen Fehlschützen: „Da war ich schon ein wenig cooler.“

Auf „Air Riedle“, wie der Mittelstürmer wegen seiner Stärke beim Kopfballspiel genannt wurde, war nun mal Verlass. Riedle, vier Jahre später auch bei der leidigen WM in den USA dabei, absolvierte für die deutsche Nationalelf 42 Länderspiele und markierte dabei 16 Tore. Das bedeutendste, der souverän verwandelte Strafstoß im Turiner Stadion Delle Alpi, geht dabei nicht diese Statistik ein.

Karl-Heinz Riedle verwandelte seinen Schuss vom Punkt im Elfmeterschießen gegen England.

„Ein besonderes Erlebnis“, so Riedle heute, sei dieses Turnier für ihn gewesen. Zwei Jahre zuvor hatte der Stürmer mit der Olympia-Mannschaft die Bronzemedaille gewonnen. Als dritter Angreifer hinter den gesetzten Rudi Völler und Jürgen Klinsmann war er ins WM-Aufgebot gerutscht. In Italien kam er zu seinen Einsätzen, zumal Völler nach dem Spuck-Vorfall mit Frank Rijkaard gesperrt wurde. So zählte er im Viertelfinale gegen die CSSR zur Startelf, wurde im besagten Semifinale gegen England eingewechselt. „Schade, dass ich nicht im Endspiel zum Einsatz gekommen bin. Doch es machte nichts, weil wir am Ende den Titel geholt haben.“

Auf die Tage in Erba am Comer See blickt der Werder-Akteur, der nach der Weltmeisterschaft für 13 Millionen Mark ins damals gelobte Fußballland zu Lazio Rom wechselte, gerne zurück. Fünf Italien-Legionäre standen im deutschen Kader. Heimvorteil für die DFB-Auswahl, der Franz Beckenbauer die lange Leine gewährte. Locker und lässig ging es im hübsch gelegenen Quartier zu.

Champions-League-Triumph für Riedle höherwertig als WM-Titel

 Für Riedle eines der Erfolgsrezepte: „Die gute Stimmung war mitentscheidend. Zudem sind wir perfekt ins Turnier gekommen, sind so in einen Flow geraten. Wir hatten eine überragende Mannschaft mit einer Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern. Alles passte.“

Am Ende durfte sich der kaltschnäuzige Strafstoß-Künstler Riedle sogar Weltmeister nennen. Was nur wenigen Profis vergönnt ist. Somit erstaunt wie Kalle, der seit dem Ende seiner aktiven Zeit ein Vier-Sterne-Hotel in Oberstaufen betreibt, die Wertigkeit dieses Titelgewinns einordnet: „Ich schätze den Sieg in der Champions League mit Borussia Dortmund sogar noch höher ein.“

1997 gewannen die Westfalen die europäische Königsklasse. 3:1 gegen Juventus Turin. Zweifacher Torschütze: der aus Italien nach Deutschland zurückgekehrte Riedle, der in dieser Weise argumentiert: „Ein Triumph mit der Clubmannschaft, für den man ein ganzes Jahr gearbeitet hat, ist noch schöner.“

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