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Marco Bode (l., gegen Rigobert Song) erzielte gegen Kamerun das letzte Tor seiner Karriere.

Neue Serie: Werder-Momente bei der WM

Bode: Kamerun, Karriereende, verpasste Krönung

Von Hans-Günter Klemm. In diesen Tagen weilt er wieder in jenem Land, das einen Meilenstein in seiner Laufbahn darstellt: Marco Bode betreut in Japan eine Mädchenmannschaft von Werder beim Nations-Cup.

Es ist ein Termin, den der Aufsichtsratsvorsitzende gerne wahrnimmt – der Flug nach Japan kommt für ihn schließlich einer Reise in die Vergangenheit gleich: Im asiatischen Inselreich ließ Bode vor 16 Jahren seine aktive Karriere ausklingen.

„Mein letztes Spiel als Profi“, erinnert der 48-Jährige an die Weltmeisterschaft 2002, die erstmals in Asien und erstmals in zwei Ländern ausgetragen wurden. Bei diesem historischen Wettbewerb in Japan und Südkorea war Bode dabei – und zwar bis zum Schluss des Turniers, dem Finale in Yokohama, zu dem sich die deutsche Nationalelf durchgekämpft hatte.

Der Bremer stand beim 0:2 gegen Brasilien in der Startelf, wurde in der 84. Minute durch Christian Ziege ersetzt. Das Spiel markiert seinen Abschied als Berufsfußballer. „Schon etwas Besonderes für mich. Ein Höhepunkt zum Schluss der aktiven Laufbahn. Wer kann schon von sich behaupten, mit einem WM-Endspiel aufgehört zu haben“, sagt Bode. Das Einzige, was ihn ein wenig gestört hat: „Natürlich das Ergebnis. Als Weltmeister abzutreten, wäre die Krönung gewesen.“

Bodes Tor gegen Kamerun ebnet Weg ins Achtelfinale

Alles in allem war es aber ein versöhnlicher Abschluss für den heutigen Werder-Boss, für den es in Ostasien anfangs gar nicht gut lief. Bundestrainer Rudi Völler vertraute anderen in den ersten Spielen, Bode war nur Ersatz. Bis zum letzten Gruppenspiel, Deutschland gegen Kamerun. „Eine nicht ganz unkritische Situation für uns“, formuliert es Bode. Die Ausgangslage: Bei einer Niederlage wäre Deutschland ausgeschieden.

Und ein Aus drohte, zumal Carsten Ramelow kurz vor der Pause des Feldes verwiesen wurde und sich die Völler-Elf in Unterzahl den Afrikanern erwehren musste. Der Moment für Marco Bode. Völler wechselte ihn in der zweiten Hälfte für Carsten Jancker ein. Marco drehte auf und avancierte zum Matchwinner: Mit seinem Tor zum 1:0 drehte er die Partie. „Nach tollem Zuspiel von Miro Klose“, wie er heute noch weiß. Wenig später traf Klose – 2:0 für Deutschland. Der Europameister Bode hatte den Europameister Deutschland bei der WM vor dem Aus in der Gruppenphase gerettet.

Das WM-Finale gegen Brasilien war für Marco Bode (r., gegen Cafu) das letzte Spiel der aktiven Karriere.

Fortan hatte Bundestrainer Völler den Linksfuß auf der Rechnung. Im Achtelfinale, beim 1:0 gegen Paraguay, stand Bode in der Startelf, im Viertelfinale, beim 1:0 gegen die USA, wurde er für Oliver Neuville eingewechselt. Beim Halbfinale gegen Südkorea, in dem ebenfalls ein minimalistischer 1:0-Erfolg gelang, sowie im Endspiel zählte er wieder zur Startformation. „Aus sportlicher Sicht war diese WM für mich ganz okay“, rekapituliert Bode.

Und sonst? Seine Eindrücke vom Fußball im Land der aufgehenden Sonne? Die Atmosphäre in den Stadien ist bei ihm haften geblieben. Ein gewaltiger Lärmpegel, lauter als in den europäischen Arenen. Und vor allem anders, wie er berichtet: „Wenn ein hoher Ball in Richtung Strafraum flog, haben die japanischen Fans gebrüllt und geschrien. Sie hatten wohl gedacht, dass im nächsten Moment ein Tor fällt. So etwas kannte ich noch nicht. Es war schon gewöhnungsbedürftig.“

Premiere gegen Saudi-Arabien unter geschlossenem Dach

Und eine Premiere erlebte Bode auch noch. Im japanischen Ibakari fand das erste Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien in einem Stadion statt, dessen Dach geschlossen war. Heutzutage auch hierzulande, beispielsweise in der Arena auf Schalke, eine gängige Variante, war es damals noch eine absolute Rarität. Der deutschen Elf schienen diese außergewöhnlichen Rahmenbedingungen zu gefallen.

Sie gewann gegen die überforderten Saudis mit 8:0 in der „Fußball-Halle“. Bode blieb bei diesem Kantersieg zwar noch außen vor, dafür war sein Werder-Kollege Torsten Frings mittendrin. Die Hauptrolle ging allerdings an einen Mann, der zwei Jahre später ebenfalls das grün-weiße Trikot tragen sollte: Miroslav Klose steuerte drei Treffer bei.

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