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Die DeichStube hat mit VfL-Sportdirektor Olaf Rebbe über Werder gesprochen.

VfL-Manager vor Spiel gegen Ex-Club Werder 

Rebbe im Interview: Bestmögliche Ausbildung unter Allofs

Wolfsburg. Es darf unterstellt werden, dass Olaf Rebbe Stress hatte. Samstag Niederlage in Stuttgart, Sonntag Krisensitzung mit der Geschäftsführung, Montag Entlassung von Trainer Andries Jonker und Einstellung von Martin Schmidt

Es war fraglos gut zu tun für den Sportchef des VfL Wolfsburg. In gerade mal neun Monaten auf dem Posten hat der 39-Jährige nun schon zwei Trainer entlassen hat. Erst Valerien Ismael, dann Andries Jonker. Und es ist längst klar, dass der Mann, der so harmlos aussieht und so schüchtern auftritt, keine harten Entscheidungen scheut.

Von wem er das gelernt hat? Vielleicht von Klaus Allofs. Wahrscheinlich sogar. Denn von dem hat Rebbe so ziemlich alles gelernt, was man im Fußball-Geschäft können muss. Als Allofs noch der Vorsitzende der Werder-Geschäftsführung war, entwickelte sich Rebbe zum Marketingleiter und zur rechten Hand des Chefs. Seither kennt er bei Werder so ziemlich alles und jeden. DeichStube-Reporter Timo Strömer hat sich vor dem Duell der Wolfsburger mit dem SV Werder mit Olaf Rebbe unterhalten – über die Unterschiede zwischen den Clubs, über alte Zeiten, Bremer Wegbegleiter und den neuen Transfer-Wahnsinn im Fußball.

Einschub: Fragen und Antworten aus der Presserunde in Wolfsburg am Montag

Andries Jonker musste gehen, Martin Schmidt ist gekommen und feiert am Dienstag gegen Werder Bremen sein Debüt auf der Bank des VfL Wolfsburg. In einer Journalistenrunde erklärte VfL-Sportchef Olaf Rebbe den Trainerwechsel. Die fünf wichtigsten Fragen zum Thema:

Wieso ging es nicht mehr weiter mit Andries Jonker, wieso der fliegende Wechsel zu Martin Schmidt?

Olaf Rebbe: Die Mannschaft hat nicht die Entwicklung genommen, die wir uns vorstellen. Dann ist es unsere Pflicht, darauf zu reagieren. Es war schon ein Drahtseilakt, dass es so mit der Verpflichtung von Martin Schmidt funktioniert hat. Es war uns auch wichtig, dass kein Vakuum auf der Position entsteht.

Erst Werder, dann Bayern – ist es nicht eine Gefahr, ausgerechnet in der englischen Woche den Trainer zu wechseln?

Rebbe: Der Zeitpunkt birgt mehr Chancen als Gefahren. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass wir speziell das Spiel in München verlieren. Dennoch: Wenn man die Entscheidung getroffen hat, muss man sie auch umsetzen. dafür stehe ich auch als Sportdirektor. In dieser Situation auf Taktik zu spielen, wäre der falsche Ansatz gewesen.

Wolfsburg hat nun den vierten Trainer in zwölf Monaten. Ist der VfL ein Chaos-Club?

Rebbe: Ich glaube nicht, dass er das ist. Vier Trainer in zwölf Monaten hört sich brutal an. Aber wir alle hier arbeiten daran, dass wir die Ruhe und Kontinuität wieder herstellen können. Ich denke, dass unsere Entscheidung jetzt ein Schritt in diese Richtung ist.

Haben Sie persönlich Schaden genommen durch den Trainerwechsel? Andries Jonker war den von Ihnen verpflichtete Trainer.

Rebbe: Darüber mache ich mir keine Gedanken.

Wieso ist die Entscheidung auf Martin Schmidt gefallen?

Rebbe: Er hat einen klaren Plan, wie er spielen lassen will. Und wir haben einen breiten Kader, den er entfalten kann.

Interview der DeichStube vor Wolfsburg - Werder

Herr Rebbe, es geht gegen Ihren Ex-Club Werder. Ein Spiel wie jedes andere?

Olaf Rebbe: Nein, ich habe knapp zehn Jahre in Bremen gelebt und bei Werder gearbeitet. Insofern habe ich natürlich eine besondere Beziehung zum SV Werder – das ist ja klar.

Wieviel Werder steckt noch in Ihnen?

Rebbe: Ich habe sehr gute Erinnerungen an Werder, ich hatte dort eine tolle Zeit, aber ich lebe im Hier und Jetzt und das bedeutet: Ich bin zu 100 Prozent VfL Wolfsburg!

Zu wem haben Sie noch regelmäßig Kontakt?

Rebbe: Zu einigen ehemaligen Kollegen von Werder Bremen. Aber auch außerhalb des Vereins sind über die Jahre Freundschaften entstanden.

Am Dienstagabend werden Sie auf diese Freundschaften vermutlich keine Rücksicht nehmen...

Rebbe: Richtig! Wir haben in der letzten Saison beide Spiele gegen Werder verloren. Das soll nicht wieder vorkommen.

Betrachtet man die wirtschaftlichen Voraussetzungen beider Clubs, dürfte Werder eigentlich keine Chance haben...

Rebbe: Wer das ernsthaft glaubt, lebt nicht in der Realität! Wir sind mit der Relegation nur knapp in der Liga geblieben und haben einen großen Umbruch hinter uns. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten beider Clubs haben mit dem Ausgang des Spiels am Dienstagabend nur bedingt zu tun. Wir sollten jetzt nicht darüber diskutieren, ob Geld Tore schießt. Wir alle wissen, dass am Dienstagabend in 90 Minuten auf dem Platz alles möglich ist.

Hat Frank Baumann dennoch den schwierigeren Job beim SV Werder, weil er mit deutlich weniger Mitteln auskommen muss?

Rebbe: Ich kenne das Budget von Werder nicht, insofern kann und will ich das gar nicht beurteilen. Frank Baumann macht einen hervorragenden Job und hat sowohl im Winter als auch im Sommer sehr interessante Transfers getätigt.

Wie ist denn ihr Verhältnis zu Frank Baumann?

Rebbe: Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Logischerweise haben wir berufliche Schnittmengen, treffen uns hin und wieder oder telefonieren wegen des einen oder anderen Themas – aber wir tauschen uns auch mal privat aus.

Sie haben beide unter Ex-Werder-Manager Klaus Allofs gelernt. Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Rebbe: Ja, wir stehen noch in Kontakt und haben uns gerade erst neulich wieder getroffen.

Allofs war über Jahre für seine gute Spürnase bei Transfers bekannt. Gibt es so etwas wie einen allofsschen Manager-Stil?

Rebbe: Sein Stil steht für Erfolg. Zahlreiche Titel und die Teilnahmen an der Champions League sprechen da für sich. Klaus Allofs ist ohne Frage einer der erfolgreichsten Bundesliga-Manager.

Hatten Sie und Baumann demnach die bestmögliche Ausbildung?

Rebbe: Für mich persönlich kann ich das bejahen, aber der Lernprozess ist nie abgeschlossen. Man schaut auch darauf, was die Konkurrenz macht und insbesondere, was sie gut macht.

Was hat Ihr Bundesliga-Konkurrent Baumann zuletzt gut gemacht?

Rebbe: Er hat wieder einen sehr interessanten Kader zusammengestellt. Schon in der letzten Saison hat er mit Ruhe und Geduld der Konstellation in Bremen Vertrauen geschenkt und ist dafür belohnt worden. Am Ende hätte es ja fast noch für die Europa League gereicht.

Der VfL Wolfsburg hat Divock Origi vom FC Liverpool ausgeliehen. Werder war auch interessiert. Sind Sie Baumann in die Quere gekommen?

Rebbe: Das weiß ich nicht. Im Wartezimmer haben wir uns jedenfalls nicht getroffen (lacht).

Und wie sieht’s bei der Verpflichtung von Davie Selke aus? Werder wollte ihn holen, hatte aber gegenüber der Hertha das Nachsehen, von der Sie für 17 Millionen Euro Anthony Brooks geholt haben. Mit dem Geld aus dem Brooks-Deal wurden Mittel für den Selke-Transfer frei. Werder wurde überboten, Selke ging nach Berlin.

Rebbe: Das ist mir zu konstruiert.

War dieser Domino-Effekt denn kein Thema zwischen Ihnen und Baumann?

Rebbe: Nein.

Wie schwer ist es in solchen Fällen, Freundschaft und Business zu trennen?

Rebbe: Mir fällt das leicht. Ich bin generell ein Freund davon, Privates und Berufliches zu trennen.

Baumann ist wie viele Manager ein Ex-Profi, Sie haben einen betriebswirtschaftlichen Background. Oft heißt es, es sei für einen Coach ein Vorteil, Profi gewesen zu sein. Gilt das auch für den Manager-Job?

Rebbe: Ich glaube nicht, dass man das pauschal beantworten kann. Es gibt in der Bundesliga aber einige erfolgreiche Manager, die keine aktive Karriere hatten.

Bei Werder waren Sie eher im Hintergrund tätig, in Wolfsburg stehen Sie seit Dezember 2016 als Sportdirektor öffentlich in größtmöglicher Verantwortung. Wie hat sich Ihr Leben verändert?

Rebbe: Mein privates Leben hat sich nicht groß verändert. Ich muss beim Bäcker zwar schon mal das Ergebnis vom Wochenende erklären – aber sonst ist alles beim Alten.

Wie gehen Sie mit dem öffentlichen Druck um?

Rebbe: Gelassen.

Und das gelingt Ihnen immer?

Rebbe: Meistens. Der Druck ist Teil des Jobs. Das gilt für die Profis und auch für die Verantwortlichen, die nicht auf dem Rasen stehen.

Wie schalten Sie ab?

Rebbe: Ich gehe gerne laufen oder schwimmen. Außerdem tut es mir gut, mit der Familie zusammen zu sein. Da gibt es auch mal andere Themen als Fußball.

Während Freunde und Bekannte versuchen, Sie über die neusten Transfer-Gerüchte auszufragen?

Rebbe: Das kommt vor, ja. Aber ich kann gut die Klappe halten (lacht).

Zuletzt wurde viel über Rekord-Transfer-Summen diskutiert. Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung?

Rebbe: Ich empfinde sie in Teilen als gefährlich, weil es kein Gleichgewicht mehr gibt. Ein Beispiel: 2004 hat Werder Miroslav Klose für fünf Millionen Euro vom 1. FC Kaiserslautern geholt. Das war damals eine unfassbare Summe für einen Nationalspieler. Heute reden wir selbst bei normalen Bundesliga-Transfers von einem Vielfachen – von internationalen Wechseln ganz zu schweigen.

Aber die Bundesliga-Clubs – und damit auch der VfL Wolfsburg – spielen das Spiel doch mit...

Rebbe: Bei aller Solidarität der Clubs, die über Verbände gewährleistet werden soll, schaut jeder auf sich selbst. Am Ende wollen sich die Clubs bestmöglich aufstellen, schließlich werden wir alle daran gemessen, wie wir spielen. Jeder versucht im Rahmen seiner Möglichkeiten das beste Ergebnis herauszuholen – das ist doch klar. Wichtig ist, dass es verbindliche Regeln gibt, die einen fairen Wettbewerb sicherstellen.

Wie das Financial Fairplay...

Rebbe: Genau. Aber das wird leider immer mehr ad absurdum geführt. Es bringt nichts, wenn sich nicht alle daran halten.

Wann platzt die Blase?

Rebbe: Da wage ich keine Prognose. Es muss aber zwingend an den Regeln gearbeitet werden, damit es ein fairer Wettbewerb bleibt.

Wäre es für einen fairen Wettbewerb von Vorteil, die Transferphase zu verkürzen wie es jetzt in England beschlossen wurde?

Rebbe: Ich halte das für sinnvoll, aber auch nur, wenn andere Ligen – sagen wir die Top-5-Ligen Europas – mitziehen. Wir dürfen uns nicht voreilig anderen Märkten verschließen, da braucht es eine einheitliche Lösung.

Fußball wird unterdessen immer mehr zum Geschäft. Viele Werder-Fans befürchten, dass ihr Verein langfristig von Werks- und Investoren-Clubs aus der Bundesliga verdrängt wird. Verstehen Sie die Sorge?

Rebbe: Die Frage stellt sich aus meiner Sicht gar nicht. Werder ist in Deutschland eine große Marke und muss sich nicht verstecken.

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