+
Zlatko Junuzovic hat am Dienstag erklärt, warum er Werder Bremen am Saisonende verlassen wird.

Wegen Werder wird neuer Club verschwiegen

Das Geheimnis von Zlatko Junuzovic

Bremen - Rotgeweinte Augen sucht man im Gesicht von Zlatko Junuzovic vergeblich. An Tag eins nach Bekanntgabe seines Weggangs von Werder Bremen wirkt der Teamkapitän total locker, fast gelöst. Er lacht viel beim Medientermin – besonders dann, wenn die Fragen auf seinen neuen, noch unbekannten Club abzielen.

„Ich möchte nicht, dass dieses Thema im Vordergrund steht. Ich mache daraus deshalb bewusst ein Geheimnis“, sagt er. Und einen Spaß macht er sich auch. Bleibt er in Europa? Sahnt er irgendwo anders in der Welt nochmal ab? Wird es ein Verein mit internationalen Ambitionen? Die Fragen perlen an Junuzovic ab wie das Wasser an der Lotusblüte. Und der 30-Jährige lacht sie einfach weg. „Später“, vertröstet er. Später erst gibt es die Antworten, „in ein paar Wochen“. Vielleicht kurz vor Saisonschluss, vielleicht kurz danach.

Junuzovic spielt das Versteckspiel allerdings tatsächlich nicht, um alle auf die Folter zu spannen, sondern um für alle – inklusive sich selbst – den Fokus auf der Beziehung Werder/Junuzovic zu lassen. Denn die sei allen gegenteiligen Vermutungen zum Trotz völlig in Ordnung, betont der Mittelfeldspieler.

Junuzovic: „Man hat schlussendlich nur eine Karriere.“

„Von meiner Seite ist alles okay“, betont Junuzovic, und seine Entscheidung, den am Saisonende auslaufenden Vertrag nach sechseinhalb Jahren in Bremen nicht mehr zu verlängern, habe nichts mit irgendwelchen atmosphärischen Störungen und einem sinkenden sportlichen Stellenwert zu tun. Ganz klar sagt er: „Man hat schlussendlich nur eine Karriere. Und für mich ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, etwas Neues auszuprobieren.“

Woran er erkannt hat, dass nun der Moment da ist zu gehen, kann Junuzovic jedoch nicht an irgendwelchen Faktoren festmachen. „Nur so ein Gefühl“ sei es, das nach vielen Gesprächen mit der Familie und Freunden entstanden sei, meint er. Und dem Gefühl folgt er.

Dass er dies tun wird, hat er Trainer Florian Kohfeldt bereits in der vergangenen Woche mitgeteilt. Der Trainer, der zuvor erklärt hatte, alles tun zu wollen, um den Kapitän zu halten, habe sich tatsächlich nochmal „stark gemacht“ für Junuzovics Verbleib, bestätigt der Spieler, „aber ich will mich jetzt neu orientieren, das versteht er auch“.

Dass Kohfeldt zum ansteigenden Fernweh des Führungsspielers seinen Teil beigetragen hat, ist eine weit verbreitete Vermutung. Schließlich hat der Coach den Kapitän zuletzt immer häufiger auf die Bank gesetzt. Doch Junuzovic ist es wichtig, dass seine Entscheidung nicht als Trotzreaktion gewertet wird: „Ich bin niemand, der gegen die Wand schlägt, weil er mal nicht spielt. Zwischen Florian und mir ist alles gut, wir sind befreundet.“

Angebot an Junuzovic wurde nicht nachgebessert

Obwohl Junuzovic viel dafür tut, dass sein Abgang freiwillig und frohgemut erscheint, bleibt da dennoch ein Fakt, der die Trennung auch in ein anderes Licht taucht. Im Sommer 2017 hatte Werder Junuzovic ein Angebot zur Vertragsverlängerung vorgelegt. Dieses Angebot war aber so, dass Junuzovic es nicht einmal für wert befand, darüber nachzudenken. Nachgebessert wurde es nie.

„Es gab nur weitere Gespräche, aber nie war etwas Finales dabei“, bestätigt er. Weshalb die Interpretation, dass Junuzovic von Vereinsseite elegant zum Abschied verleitet wurde, nicht mal eben so zu entkräften ist. Aber egal, meint der Betroffene, und bilanziert seine Bremer Jahre unbeeindruckt positiv: „Für mich hat es hier immer gepasst.“ Und dabei soll es auch in den letzten Wochen bleiben.

Schon gelesen?

Junuzovic weg - wer wird jetzt der neue Kapitän?

Der Junuzovic-Wechsel und seine Folgen

Kommentar zum Junuzovic-Abgang: Schade, aber dennoch richtig

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare