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Zlatko Junuzovic führte Werder Bremen als Kapitän zum ersten Saisonsieg.

Kapitän spricht über ersten Sieg, Kohfeldt und Nouri

Junuzovic im Interview: „Kein Grund für eine große Party“

Bremen - Werder-Kapitän Zlatko Junuzovic spricht über den ersten Saisonsieg gegen Hannover 96, lobt den neuen Trainer Florian Kohfeldt, aber auch dessen Vorgänger Alexander Nouri.

Ein Lächeln zur Begrüßung – Zlatko Junuzovic kommt gut gelaunt zum Interviewtermin mit der DeichStube. Endlich kann der Werder-Kapitän mal nach einem Sieg über sich und seine Mannschaft sprechen. Doch trotz des 4:0-Erfolgs gegen Hannover 96 sitzt da nun kein strahlender oder euphorischer Zlatko Junuzovic.

Der 30-Jährige hat als Profi schon so viel erlebt, da lässt er sich von einem guten Ergebnis nicht blenden. Sachlich analysiert der Österreicher die Lage, erklärt, warum Florian Kohfeldt einen guten Job macht, obwohl der neue Coach selbst nie als Profi auf dem Platz gestanden hat. Junuzovic betont zugleich, dass er auch Alexander Nouri für einen „sehr guten Trainer“ hält. Mit seinem Posten als neuer Linksaußen kann er sich nicht so recht anfreunden: „Das ist nicht meine Idealposition.“

Herr Junuzovic, nach dem ersten Saisonsieg gegen Hannover soll Ersatzkeeper Jaroslav Drobny mehrere Paletten Dosenbier in die Kabine getragen haben – wie war die Party?

Zlatko Junuzovic: Das Bier war nicht für uns, sondern für einige Mitarbeiter. Das hat er aus Tschechien für sie mitgebracht. Wir waren da schon längst weg. Wenn man erst am zwölften Spieltag den ersten Sieg schafft, dann ist das kein Grund für eine große Party.

Klingt ziemlich nüchtern. Hat sich die Mannschaft nicht gefreut?

Junuzovic: Doch. Natürlich waren wir erleichtert. Es hat einiges zusammengepasst. Fußballerisch war es wirklich in Ordnung. Wir hatten einen guten Tag erwischt, Hannover einen schlechten. Fakt ist aber auch: Wir stehen auf dem Relegationsplatz. Vier Mannschaften sind da unten drin, der Rest hat sich etwas abgesetzt. Da müssen wir schauen, den Anschluss zu finden. Deswegen müssen weitere Siege her.

Wie wirkt sich der Sieg auf den Alltag aus?

Junuzovic: Du spürst schon die neue Hoffnung im Umfeld. Die Fans haben gesehen, dass wir das Spielen nicht verlernt haben. Wir wissen wieder, dass wir die Qualität haben, Spiele zu gewinnen. Natürlich gibt das auch Selbstvertrauen.

Sie wirken sehr reserviert – machen Sie das als Kapitän ganz bewusst, damit sich nun niemand zurücklehnt?

Junuzovic: Nein, nein. Wir schätzen schon alle die Situation realistisch ein. Ein Sieg ändert noch nicht so viel, er kann uns nur in die richtige Richtung lenken.

Schon im zweiten Spiel unter dem neuen Coach Florian Kohfeldt gab es den ersten Saisonsieg. Lag es also am Trainer?

Junuzovic: Florian Kohfeldt macht eine sehr gute Arbeit. Er hält gute Ansprachen, hat eine klare Linie. Und wir versuchen, Fußball zu spielen. Gegen Frankfurt hat es eine Halbzeit gut geklappt, gegen Hannover haben wir es fast durchziehen können. Das gibt jedem ein gutes Gefühl.

Muss die Mannschaft gerade einen anderen Fußball lernen?

Junuzovic: Nein. Es hat viel mit Überzeugung zu tun – und Florian macht das gut. Er tritt selbstbewusst und überzeugend auf. Er vermittelt seine Dinge sehr gut. Noch passt natürlich nicht alles zu 100 Prozent. Wir machen noch Fehler, müssen aber mutig bleiben – auch in Regionen auf dem Spielfeld, wo es gefährlich werden kann. Aber wir müssen es trotzdem probieren, das wird verlangt.

Im Umkehrschluss könnte man sagen, dass es bei Alexander Nouri mit der Ansprache nicht mehr so gut geklappt hat.

Junuzovic: Klar, wenn ich jetzt etwas Positives über den neuen Trainer sage, dann wird mir das für den alten Trainer negativ ausgelegt. Aber aus meiner Sicht war Alex auch ein sehr guter Trainer. Ich bin noch immer enttäuscht, dass er nicht mehr da ist. Wir hatten mit ihm sehr, sehr gute Spiele. Wir hatten auch einen Plan und eine Organisation. Wir aber haben leider keine Spiele mehr gewonnen. Dann passiert das, was in diesem Business fast immer passiert.

Als Sie 2012 zu Werder kamen, da hieß der Trainer noch Thomas Schaaf. Und der war damals schon seit 13 Jahren im Amt. Seit 2013 geben sich die Trainer hier die Klinke in die Hand, woran liegt das?

Junuzovic: Uns fehlt einfach die Konstanz. Wir hatten mit allen Trainern gute Phasen, aber dann auch Phasen, in denen wir acht, neun Spiele nicht mehr gewonnen haben. In der Zeit gab es aber auch im Kader viele Veränderungen, es war eigentlich ständig ein kleiner Umbruch. Da musste viel improvisiert werden.

Sie haben Florian Kohfeldt schon als Co-Trainer von Viktor Skripnik kennengelernt. Wie sehr hat er sich verändert?

Junuzovic: Ganz einfach: Damals hat Viktor entschieden, jetzt ist Florian der Chef und trifft die Entscheidungen. Natürlich sind die, die gerade nicht spielen, etwas unzufrieden. Das ist doch immer so. Aber wir müssen alle an einem Strang ziehen, und das tun wir auch!

Analytiker oder harter Hund – welcher Trainertyp ist Kohfeldt?

Junuzovic: Das kann man jetzt noch gar nicht sagen. Ich weiß nur, dass er auch laut werden kann, wenn mal etwas nicht so funktioniert oder es Disziplinlosigkeiten gibt. Da wird er durchgreifen. Aber ich hoffe, dass wir jetzt viele Spiele gewinnen, dann ist ohnehin alles angenehmer.

Fühlen sie sich eigentlich gerade an Ihre Zeit bei Austria Wien erinnert?

Junuzovic: Warum?

Sie sind wieder auf der Linksaußenposition angekommen.

Junuzovic: Ein Teufelskreis (lacht).

Spielen Sie dort nicht so gerne?

Junuzovic: Das ist nicht meine Idealposition. Bei der Austria habe ich das zwar auch gespielt, aber es war etwas anders. Ich bin trotzdem auf 100 Ballkontakte im Spiel gekommen. So viele habe ich jetzt bei Weitem nicht mehr.

Wie gehen Sie mit der Rolle um?

Junuzovic: Natürlich professionell. Ich versuche, meine Aufgaben bestmöglich zu erfüllen. Aber die Position ist natürlich komplett anders. Im Zentrum ist das Spiel, außen bist du von anderen abhängig. Es sind auch ganz andere Laufwege. Natürlich kenne ich die Position, aber ich bin nicht der Außenspieler, der in Dribblings geht. Ich versuche, mit ein, zwei Kontakten zu spielen.

Rechnen Sie damit, dass das eine langfristige Lösung ist?

Junuzovic: Ich habe in meinen sechs Jahren hier doch schon alles gespielt – sogar mal links hinten. Ich vertraue dem Trainer und lasse mich überraschen.

Welche Rolle nimmt Co-Trainer Tim Borowski ein?

Junuzovic: Als Jugendspieler habe ich ihn im Fernsehen verfolgt, dann habe ich noch mit ihm zusammengespielt und jetzt ist er mein Co-Trainer. Wahnsinn! Tim ist eine absolute Respektsperson. Ihn kann man immer ansprechen und fragen. Er hat als Ex-Profi einen anderen Blick als der Trainer.

An der Seite von Max Kruse bejubelte Zlatko Junuzovic gegen Hannover 96 den ersten Saisonsieg.

Sie sprechen es an: Kohfeldt war kein Profi, hat es als Torwart nur bis in die Bremen-Liga geschafft. Muss so ein Trainer mehr leisten, um das Vertrauen der Profis zu gewinnen?

Junuzovic: Nein, das glaube ich nicht. Es kommt nur darauf an, wie du dich präsentierst, welche Körpersprache du hast, welche Inhalte du lieferst, wie du diese den Spielern vermitteln kannst. Du musst einen Plan und eine Struktur haben, alles muss nachvollziehbar und sinnvoll sein. Das ist das Fundament. Das hat Florian, das macht er sehr gut. Du musst nicht als Profi gespielt haben, um ein guter Trainer zu sein.

Aber Kohfeldt weiß nicht, wie es ist, vor 40.000 Zuschauern zu spielen, wie groß der Druck da ist.

Junuzovic: Das ist nicht wichtig. Wenn du als Spieler merkst, dass der Trainer dir wirklich helfen kann, dann ist es dir egal, vor wie vielen Zuschauern er früher gespielt hat. Der Inhalt ist wichtig. Und der Trainer muss entscheiden, dafür ist er da.

Haben Sie als Kapitän ein besonderes Verhältnis zum Trainer, sind Sie sein verlängerter Arm auf dem Platz?

Junuzovic: Als mich Alexander Nouri vor der Saison zum Kapitän gemacht hat, habe ich schon gesagt: Das ist eine große Ehre für mich, aber ich bin jetzt nicht der Einzige, der zum Trainer geht, oder in der Kabine die Ansprachen macht. Dafür haben wir einen Mannschaftsrat mit Thomas Delaney, Max Kruse, Niklas Moisander und mir. Wir entscheiden die Dinge gemeinsam und sprechen das auch gerne mit den anderen ab. Eine Diktatur brauchen wir innerhalb der Mannschaft nicht (lacht).

Sie waren in der Vergangenheit immer ein Garant für Tore und Vorlagen. In dieser Saison steht – sicher auch bedingt durch Ihre Verletzung – in beiden Bereichen noch die Null. Wie sehr ärgert Sie das?

Junuzovic: Das nervt schon ein bisschen. Aber eine bessere Statistik würde mir auch nichts bringen, wenn wir dann nicht gewinnen. Also bin ich als erstes auf Punkte aus. Aber ich helfe gerne mit Toren (lacht).

Am Ende der Saison läuft Ihr Vertrag aus. Im vergangenen Sommer haben Sie ein Angebot von Werder abgelehnt. Gab es neue Verhandlungen?

Junuzovic: Mein Berater hat kurz mal mit Werder gesprochen, aber es gibt kein neues Angebot. Im Moment haben wir hier aber auch ganz andere Sorgen.

Bis wann wollen Sie Klarheit?

Junuzovic: Darüber mache ich mir aktuell keine Gedanken. Ich denke erst mal an die nächsten Spiele, die werden schwierig genug.

Im Sommer wollte Trabzonspor Sie unbedingt verpflichten, ist für Sie im Winter ein Wechsel denkbar?

Junuzovic: Wie gesagt, ich denke darüber im Moment nicht nach. Was öffentlich spekuliert wird, dafür bin ich nicht verantwortlich.

Samstag geht es nach Leipzig. Haben Sie den RB-Sieg am Dienstag in der Champions League gegen Monaco gesehen?

Junuzovic: Natürlich, das war eine gute Performance. Leipzig hat eine große Qualität im Umschaltspiel, im Pressing, die sind dynamisch und spritzig. Sie sind einfach geil auf den Ball.

Ihre Mannschaft inzwischen aber auch wieder.

Junuzovic: Ja, wenn wir das Selbstvertrauen aus dem Hannover-Spiel mitnehmen, dann können wir uns auch dort Chancen erspielen. Die Leipziger haben durchaus Lücken in ihrem System. Du musst aber hellwach sein, sie sind wirklich sehr schnell und attackieren mit zwei, drei, vier Leuten. Wenn du das überspielst, dann hast du Räume. Dafür müssen wir mutig sein und dürfen keine Angst vor Fehlern haben.

Zlatko Junuzovic: Seine Karriere in Bildern

Zlatko Junuzovic
Zlatko Junuzovics Karriere begann in seiner Heimat Österreich. Nach seiner Jugendzeit in Graz wechselte „Zladdi“ im Sommer 2007 zu Austria Kärnten. Dort verweilte er zwei Jahre.  © imago
Zlatko Junuzovic
Dann schloss er sich dem 24-fachen Meister Austria Wien an, wo er für drei Jahre spielte. © imago
Zlatko Junuzovic
Im Januar 2012 holten Ex-Trainer Thomas Schaf und Ex-Manager Klaus Allofs den Mittelfeldallrouner Junuzovic an die Weser. Bei Werder unterschrieb er zunächst bis Sommer 2015. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Der Österreicher war bei Werder direkt gefordert... © nordphoto
Zlatko Junuzovic
...und stand in der Rückrunde 15 Mal auf dem Platz - meistens über die volle Spielzeit. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
In der Saison 2013/14 schoss der Österreicher den 1:0-Siegtreffer im Nordderby gegen den Hamburger SV. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Im Februar 2015 verlängerte Junuzovic seinen Vertrag vorzeitig bis 2018. Werder-Anhänger machten sich zuvor mit Sprechchören und Plakaten für den Verbleib von Junuzovic stark. Unter dem Hashtag #JunobleibtBremer fanden viele Fans zusammen. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Seine bisher beste Saison bei den Grün-Weißen hatte der Mittelfeldspieler 2014/15. Am Ende dieser Spielzeit standen sechs Treffer und 16 Torvorlagen auf Junuzovics Konto. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Der österreichische Nationalspieler biss immer auf die Zähne und zählt mittlerweile zu den Führungsspielern in Bremen. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Nach dem Karriereende von Clemens Fritz wurde Junuzovic von Cheftrainer Alexander Nouri sogar zum Kapitän ernannt. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Ab der Saison 2017/18 trägt er nun die Binde als neuer Spielführer. Ganz neu ist das für den Profi aber nicht. Zuvor war er schon Vizekapitän gewesen. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Am 13. Oktober 2017 gab Junuzovic überraschend sein Karriere-Ende in der österreichischen Nationalmannschaft bekannt. © imago

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