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Von großen Tüchern abgeschirmt kämpfen die Ärzte um das Leben von Ajax-Profi Abdelhak Nouri.

Werder-Spieler nach Ajax-Drama „sehr mitgenommen“

Zwischen Erschütterung und Erleichterung

Zell am Ziller - Nach dem Drama um Abdelhak Nouri ist nicht nur Ajax Amsterdam geschockt. Auch die Spieler von Werder Bremen sind „sehr mitgenommen“, sagte Kapitän Zlatko Junuzovic.

Die gute Nachricht kam noch in der Nacht: Abdelhak Nouri ist außer Lebensgefahr. Das teilte sein Club Ajax Amsterdam mit. Nouri, der beim Testspiel zwischen Werder Bremen und Ajax am Samstag plötzlich zusammengebrochen war, wird aber noch im künstlichen Koma gehalten. Nach einem Herzstillstand musste der 20-Jährige auf dem Platz reanimiert werden. Mit einem Rettungshubschrauber kam er ins Krankenhaus, sein Zustand galt zunächst als kritisch.

Eine Gefahr für sein Leben besteht nun offenbar nicht mehr. Ajax teilte mit, dass Nouris Herz selbstständig schlage. „Wir hoffen, dass alles gut wird“, sagte Trainer Marcel Keizer: „Die ganze Mannschaft ist tief erschüttert.“ Das Team werde über alle Entwicklungen hinsichtlich Nouris Gesundheitszustand auf dem Laufenden gehalten. Es sei jedoch noch zu früh, um etwas über die Aussichten auf eine vollständige Genesung Nouris zu sagen, sagte Keizer im Gespräch mit dem Sender NOS. Ajax war nach dem Spiel wie geplant nach Amsterdam zurückgereist, am Sonntag hatte die Mannschaft frei, ein für Montag angesetztes öffentliches Training wurde abgesagt.

Auch bei Werder Bremen wirkte das schlimme Erlebnis nach. Cheftrainer Alexander Nouri – mit Abdelhak Nouri nicht verwandt – bat die Spieler am späten Vormittag zwar zu einer regenerativen Radtour, doch der Rest des Tages war frei. Wer wollte, konnte die Hilfe des Team-Psychologen Prof. Dr. Andreas Marlovits in Anspruch nehmen. „Wir waren alle sehr mitgenommen, das hat man gespürt“, sagte Kapitän Zlatko Junuzovic, der den Nachmittag mit einigen Kollegen verbringen wollte: „Die Gespräche von Spieler zu Spieler sind jetzt sehr wichtig.“

Abdelhak Nouri erlitt im Testspiel gegen Werder Bremen einen Herzstillstand.

Eine totale Aufarbeitung des Erlebten wird jedoch kaum möglich sein. Die Spieler beider Teams standen nur wenige Meter entfernt, während die beiden Teamärzte und ein Notarzt mehr als eine halbe Stunde lang um das Leben von Abdelhak Nouri kämpften. Als klar war, dass das nach 73 Minuten unterbrochene Spiel nicht mehr angepfiffen würde, verließen viele mit Tränen in den Augen den Platz. „In einem solchen Moment wird dir klar, wie schnell alles anders sein kann im Leben“, sagte Junuzovic, der den dramatischen Zwischenfall zunächst gar nicht mitbekommen hatte. Er war zur Halbzeit ausgewechselt worden, saß in der Kabine. Niklas Moisander, der während seiner Zeit bei Ajax (2012-2015) noch mit U21-Nationalspieler Nouri trainiert hatte, war sogar bereits auf dem Weg zurück ins Hotel.

Ludwig Augustinsson: „Ein ganz schlimmes Gefühl“

Auch Werder-Neuzugang Ludwig Augustinsson macht die Situation um Abdelhak Nouri betroffen: „Es war schrecklich, ein ganz schlimmes Gefühl. Die Spieler beider Mannschaften waren geschockt“, sagte der Linksverteidiger in seinem ersten Interview auf „werder.de.“ „Eine solche Situation möchte ich kein zweites Mal erleben.“ Wichtig sei es für ihn jetzt, „so schnell wie möglich wieder in die tagtägliche Routine überzugehen“.

Und so macht es Werder jetzt auch: Am Montag geht der Trainingsbetrieb bei Werder normal weiter. Die Gedanken bleiben aber bei Abdelhak Nouri. Junuzovic: „Wir wünschen ihm, dass er sich durchkämpft, dass er wieder gesund wird. Wir sind erleichtert, dass es nicht zu der ganz großen Tragödie gekommen ist.“

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