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Frank Baumann ist mit Werders Ausbeute unzufrieden, hält den Weg mit Trainer Nouri aber weiter für richtig.

Wie Baumann mit dem Fehlstart umgeht

Um Ruhe bemüht

Bremen - Sein Tonfall liefert in der Regel keinen Hinweis, das kann er auch gar nicht, weil er sich praktisch nie ändert.

Egal, ob Werder wie in der letzten Rückrunde Erfolg an Erfolg reiht, oder ob die Mannschaft wie derzeit seit Wochen auf den ersten Saisonsieg wartet – Frank Baumann klingt gleich. Ruhig und besonnen, diese Wörter fassen die öffentlichen Auftritte des 41-Jährigen wohl am besten zusammen. Es ließe sich auch sagen: Euphorie ist dem Bremer Sportchef ebenso fremd wie Panik.

Spätestens seit dem 0:0 gegen den SC Freiburg ist es an der Weser wieder ungemütlich geworden – für Baumann ist es bereits die dritte sportlich-schwierige Phase seit seinem Amtsantritt im Mai 2016. Er kennt das: Krisen moderieren, Kritik wegstecken, den Krach im Umfeld von Trainer und Team fernhalten. „Das Nordderby ist ein gutes Spiel, um die Dinge zum Guten zu wenden“, sagt er vor dem Duell beim HSV. Er wird aber auch wissen, dass es sich bei einem Misserfolg mit der Ruhe endgültig erledigt hat.

„Absolut überzeugt von Alexander Nouri“

Die Gesetze der Branche sind am Ende dann doch überall gleich, und so kam auch Frank Baumann vor wenigen Tagen um eine Aussage nicht herum, an der sich gut ablesen lässt, dass es bei einem Verein überhaupt nicht läuft. „Wir sind absolut überzeugt von Alexander Nouri“, sagte Baumann bei „Sky“.

Es war ein Satz, mit dem sich der Sportchef klar hinter seinen Trainer stellte – den er bei sportlichem Erfolg aber nie und nimmer hätte sagen müssen. Nouris Plan mit der Bremer Mannschaft ist seit Sommer bekannt: Aus einer stabilen defensiven Grundordnung soll das Team sein Spiel entwickeln. Das ist auf dem Platz zu erkennen. Angesichts der zahlreichen Gegentore in den Vorjahren sowie der aktuellen Kaderstruktur ist es wohl auch der richtige Weg – das Problem: Er funktioniert bisher nur zur Hälfte.

Bilder aus Baumanns Spieler-Karriere

Defensiv sieht es bei Werder schon gut aus, nach vorne geht dafür (fast) nichts. Baumann hat trotzdem die Überzeugung, dass Nouri bald die richtige und so wichtige Balance findet. „Wir müssen natürlich an vielen Dingen arbeiten“, sagte der Manager nach dem Spiel gegen Freiburg, betonte aber auch, dass ihm grundsätzlich einiges am Auftritt seiner Mannschaft gefallen hatte: „Wichtig ist, dass wir uns ins Spiel gekämpft haben und bis zum Schluss versucht haben, das Spiel zu gewinnen.“

Baumann weiß, dass der Punkt gegen die Breisgauer am Ende zu wenig war, er weiß auch, dass drei Punkte nach sechs Spieltagen viel zu wenig sind. Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel zur Saison 1995/1996 stand Werder zu diesem Zeitpunkt der Saison noch nie mit weniger Zählern da. Alarm schlägt der Sportchef deswegen aber nicht, er bemüht sich weiterhin um Ruhe, denn Baumann weiß noch etwas: Dass Nouris Kurs auch sein Kurs ist.

Baumann selbst unter Druck

Der Sportchef hat den 38-Jährigen erst zum Interims-, dann zum Cheftrainer gemacht. Er hat ihn strittige Personalentscheidungen (Pizarro, Wiedwald, Bruns) treffen lassen. Und nicht zuletzt hat er mit ihm gemeinsam den aktuellen Kader zusammengestellt. Klar ist: Scheitert der Plan mit Nouri, dann nimmt auch der Double-Sieger von 2004 Schaden. Nach Viktor Skripnik hätte dann schon sein zweiter Trainer nicht lange funktioniert.

Baumann setzt bisher darauf, dass sich Werders Probleme von selbst lösen, dass der erste Saisonsieg – am besten beim HSV – Kräfte freisetzt, die momentan nicht frei sind. Und dass es dann wieder so läuft wie in der vergangenen Rückrunde, als nach dem Erfolg in Mainz wochenlang alles wie von alleine ging. Klar: Das kann funktionieren. Nach dem Hamburg-Spiel warten Gladbach (15. Oktober) und Köln (22. Oktober) als Gegner, bei denen es bisher ebenfalls nicht rund läuft. Riskant ist es aber auch. Die bisherigen Argumente, um den Fehlstart zu erklären – schwere Gegner, fehlendes Glück, dafür aber gute Leistungen – sind bereits von Woche zu Woche schwächer geworden. Bei einer Niederlage im Derby zählen sie gar nicht mehr.

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