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Werder-Trainer Alexander Nouri steht gegen den 1. FC Köln unter Druck.

Auf der Suche nach Impulsen

Wie Nouri in Köln die Kehrtwende schaffen könnte

Bremen - Alexander Nouri steht am Sonntag im Krisengipfel gegen den 1. FC Köln mächtig unter Druck. Aber was kann der Werder-Trainer eigentlich ändern?

Inhaltlich kennt er sie ohne Frage bestens, die Werte seines Vereins mit Sicherheit sogar auswendig - und dennoch: Frank Baumann nahm sich während der Pressekonferenz vor Werders Auswärtsspiel beim 1. FC Köln (Sonntag, 13.30 Uhr) ein paar Sekunden Zeit, um sich die aktuelle Bundesliga-Tabelle auf einem der großen Monitore im Medienraum des Weserstadions anzusehen.

Dafür musste sich der 41-Jährige in seinem Stuhl ein kleines Stück zurücklehnen, seine Miene veränderte sich beim Blick auf das Tableau allerdings nicht. Gelassener Gesichtsausdruck, in sich ruhend. Fast so, als wäre es nicht sein Verein, der da fast ganz unten steht. Innerlich dürfte es etwas anders aussehen: Baumann weiß, dass sich auf dem Platz einiges ändern muss, wenn der Erfolg zu Werder zurückkehren soll.

Hauptverantwortlich dafür ist Trainer Alexander Nouri, der öffentlich längst in der Kritik steht und während der Pressekonferenz den mit Abstand größten Redeanteil hatte. Werder muss liefern bedeutet Nouri muss liefern. Doch welche Möglichkeiten hat der 38-Jährige vor dem Köln-Spiel noch, um mit neuen Impulsen die Kehrtwende zu schaffen?

Eine Änderung im ansonsten obligatorischen Bremer Ablaufplan vor Auswärtsspielen hat Nouri bekanntlich schon veranlasst: Die Mannschaft reist bereits am Freitag, sprich zwei Tage vor dem Spiel und damit einen Tag früher als sonst in Richtung Köln. Zuletzt hatte Werder das im Februar gemacht, damals mit dem Ziel Mainz - und vor allem: mit Erfolg. Durch einen 2:0-Erfolg gelang dem Team damals die Wende, es folgten zehn weitere Spiele am Stück ohne Niederlage.

Mini-Trainingslager ohne besondere Team-Events

Hätten die Bremer in Mainz verloren, Nouri wäre womöglich seinen Job los gewesen. „Ich vergleiche die Situationen nicht“, sagte der Coach und hob hervor: „Wir wissen, dass wir liefern wollen, liefern müssen und liefern werden.“ Während des Mini-Trainingslagers in Köln wird die Mannschaft am Freitag und Samstag trainieren, dazu sind viele Gespräche geplant. „Wir werden uns miteinander beschäftigen, um uns einzuschwören“, erklärte Nouri. Es gehe darum, dass sich alle Spieler „voll fokussiert und außerhalb des normalen Alltags“ auf die Partie vorbereiten. Besondere Team-Events sind allerdings nicht geplant, auch Sportpsychologe Andreas Marlovits fährt nicht mit.

Mit der früheren Abreise bricht Nouri den gewohnten Trott auf. Aber reicht das schon? In der Vorsaison war es eine große Stärke des Trainers, dass er seine Mannschaft aber vor allem den Gegner immer wieder überraschen konnte. Das ist ihm in der laufenden Serie bisher nicht gelungen. Eine Option vor Köln wäre es, vom bevorzugten 3-5-2-System abzuweichen, beispielsweise schon zu Beginn in einem 3-4-3 zu agieren wie in der Schlussphase gegen Gladbach.

Izet Hajrovic (v.l.), Alexander Nouri und Frank Baumann standen bei der Pressekonferenz Rede und Antwort.

Mit einer offensiveren Grundausrichtung bei einem verunsicherten Gegner der eigenen Torflaute beikommen zu wollen, wäre schließlich nicht abwegig. „Ich habe schon oft betont, dass wir flexibel sind und verschiedene Grundordnungen spielen können“, sagte der Trainer, der sich aber nicht weiter in die Karten schauen lassen wollte. Izet Hajrovic könnte von einer Umstellung profitieren, womöglich nach langer Zeit mal wieder in die Startelf rücken.

„Das entscheidet der Trainer“, sagte der Flügelstürmer, der erst kürzlich doppelt für die bosnische Nationalmannschaft getroffen hatte („Das hat mir gut getan“). Generell ist das für Nouri eine Option: personell überraschen. In seinen ersten Wochen als Werder-Trainer ist ihm das mit Ousman Manneh schließlich auch gelungen. Reingeworfen, belohnt worden. Johannes Eggestein wartet nur auf seine Chance.

Nouri will bei Standards für mehr Gefahr sorgen

Am Mittwoch haben die Bremer gleich zwei Mal unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert, was die Vermutung nahe legt, dass unter anderen Standards auf dem Programm standen. Im Vorjahr unter der Federführung des damaligen Co-Trainers Florian Bruns noch eine gefährliche Waffe, entsteht nach ruhenden Bällen bei Werder inzwischen kaum noch Gefahr. „Daran arbeiten wir jede Woche intensiv“, sagte Nouri, der weiß, „dass wir da weiter zulegen müssen“.

Frank Baumann hat sich die Ausführungen des Trainers aufmerksam angehört, ehe er das Vertrauen in Nouri ein weiteres Mal unterstrich. „Unsere Situation ist nicht rosig, aber eben auch nicht aussichtslos“, sagte er. „Wir werden unseren Weg so weitergehen.“ In der Hoffnung, dass der Blick auf die Tabelle demnächst wieder mehr Grund zur Freude bietet.

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