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Spiel verloren, Selbstvertrauen nicht: Werders Profis um (von links) Theodor Gebre Selassie, Thomas Delaney und Zlatko Junuzovic waren zwar enttäuscht nach der 3:4-Niederlage beim 1. FC Köln, aber sie waren auch stolz, ihren Teil zum großen Spektakel beigetragen zu haben.

Werder nach Niederlage noch entschlossener

Jetzt erst recht!

Köln - Manchmal, da sind es ja die kleinen, flüchtigen Szenen, die hinterher irgendwie ganz gut als Sinnbild taugen. So eine fand sich auch am Freitagabend während Werders 3:4-Auswärtsniederlage beim 1. FC Köln.

Es lief die 70. Minute, und kommen sehen hat es Alexander Nouri nicht, dafür ging es auch viel zu schnell. Nachdem der Werder-Trainer einen ins Seitenaus geflogenen Ball gefangen hatte, rauschte er mit Anthony Modeste zusammen, der vergeblich versuchte, noch an die Kugel zu kommen. Modeste ist 1,87 Meter groß, wiegt 84 Kilogramm, er ist eine Urgewalt von Stürmer – zu Fall brachte er den Trainer jedoch nicht. Nouri strauchelte, das schon, ging aber nicht zu Boden. Er nahm den Franzosen noch kurz in den Arm, und weiter ging’s. Erst bedrängt, dann befreit und dabei eine ziemlich gute Figur gemacht – das ließ sich am Ende auch über die Bremer Mannschaft sagen. Und so kam es, dass es nach der Partie zwar einen Gewinner gab, aber irgendwie keinen Verlierer.

Mannschaftsleistung macht Junuzovic gute Laune

Hätte man am späten Freitagabend in den Katakomben des Kölner Stadions nur anhand des Gesichtsausdrucks von Zlatko Junuzovic das Ergebnis erraten müssen – ein 2:0 oder 3:2 für die Gäste, das wären ziemlich gute Tipps gewesen. Der Kapitän strahlte, war bestens gelaunt, obwohl Werders Erfolgsserie gerade nach elf Spielen ohne Niederlage gerissen war. Warum also die gute Stimmung? „Weil ich zufrieden bin mit der Mannschaftsleistung“, erklärte Junuzovic. „Wir haben alles reingeworfen, alles probiert. Ich glaube, wir können erhobenen Hauptes nach Hause fahren.“

In der Tat hatte Werder einen beträchtlichen Teil dazu beigetragen, dass aus dem Spiel ein Spektakel wurde. 0:2 hinten, beim 2:2 wieder voll da, und auch nach dem 2:4 noch lange nicht tot. „Klar kann man stolz sein auf die Leistung“, sagte Torhüter Felix Wiedwald, „aber jeder ist auch enttäuscht, dass wir am Ende nichts mitgenommen haben.“ Klar, im Kampf um das internationale Geschäft, da sei es ein Sechs-Punkte-Spiel gewesen, wusste auch Junuzovic. Vor den beiden noch ausstehenden Saisonspielen gegen Hoffenheim und in Dortmund sieht er sein Team aber noch immer in „einer guten Position“.

Ende der Erfolgsserie fühlt sich nach Aufbruch an

Werder ist durch die Niederlage auf den siebten Tabellenplatz abgerutscht, die Protagonisten wirkten danach aber fast noch entschlossener als zuvor. „Wir haben immer noch ein Ziel vor Augen und glauben daran, dass wir es schaffen können“, betonte Sportchef Frank Baumann. Deutlicher hatte sich der 41-Jährige zum Thema Europa League zuvor noch nicht geäußert. Im letzten Heimspiel gegen Hoffenheim, da werde die Mannschaft eine Reaktion zeigen, kündigte Baumann schon mal an. Trainer Nouri erinnerte derweil daran, womit sich der SVW in dieser Saison lange Zeit hatte beschäftigen müssen. „Das großartige Ziel Klassenerhalt haben wir geschafft. Alles was jetzt noch kommt, wäre einfach ein Bonus“, hob er hervor.

Felix Wiedwald klang da deutlich offensiver. Über die Bremer Europa-Chancen sagte er: „Wenn wir die zwei Spiele gewinnen, sind wir dabei.“ Ob das bei den namhaften Gegnern denn realistisch sei, wurde der Schlussmann noch gefragt. Seine Antwort: „Ja, klar!“ Das war prägnant, klang entschlossen und machte deutlich: Bei Werder wissen sie, was sie können, das Selbstvertrauen ist auch nach Köln unverändert groß – vielleicht sogar noch etwas größer. Das war die Erkenntnis von Köln: Wenn sich das Ende einer Erfolgsserie gar nicht so sehr nach Ende, sondern irgendwie viel mehr nach Aufbruch und Anfang anfühlt, dann kann das so schlecht nicht sein.

Einzelkritik: Wiedwald bärenstark, Delaney ungewohnt schwach

Felix Wiedwald: Rettete gleich mehrfach bärenstark gegen Modeste (13./27./86.) und Bittencourt (13.). Vor dem 2:4 (48.) ließ er sich von Modeste übertölpeln, dessen – zugegeben – knallharter Schuss im kurzen Eck einschlug. Note 2,5
Felix Wiedwald: Rettete gleich mehrfach bärenstark gegen Modeste (13./27./86.) und Bittencourt (13.). Vor dem 2:4 (48.) ließ er sich von Modeste übertölpeln, dessen – zugegeben – knallharter Schuss im kurzen Eck einschlug. Note 2,5 © nordphoto
Milos Veljkovic (bis 81.) : Hob vor dem dritten Kölner Treffer das Abseits auf, wodurch ihn eine Mitschuld traf (44.). Seine starken Diagonalbälle spielte er dieses Mal nicht, er war einfach zu sehr mit Defensivarbeit beschäftigt, wobei er keineswegs immer sicher wirkte. Note 4,5
Milos Veljkovic (bis 81.) : Hob vor dem dritten Kölner Treffer das Abseits auf, wodurch ihn eine Mitschuld traf (44.). Seine starken Diagonalbälle spielte er dieses Mal nicht, er war einfach zu sehr mit Defensivarbeit beschäftigt, wobei er keineswegs immer sicher wirkte. Note 4,5 © nordphoto
Lamine Sane: Der zentrale Mann in der Dreierkette war von Beginn an unsicher. Ermöglichte Köln den ersten Abschluss des Spiels (6.) und sah auch vor dem 0:1 (13.) nicht gut aus. Das 2:4 leitete er später zudem mit einer verunglückten Kopfballabwehr ein. Note 5
Lamine Sane: Der zentrale Mann in der Dreierkette war von Beginn an unsicher. Ermöglichte Köln den ersten Abschluss des Spiels (6.) und sah auch vor dem 0:1 (13.) nicht gut aus. Das 2:4 leitete er später zudem mit einer verunglückten Kopfballabwehr ein. Note 5 © nordphoto
Niklas Moisander: Der Finne trug anders als zuletzt wenig zum Bremer Spielaufbau bei und agierte in vielen Situationen ungewohnt fahrig. So auch vor dem 0:2, als er Flankengeber Klünter nicht entschieden genug störte. Holte sich zudem die fünfte Gelbe Karte ab und fehlt nun gegen Hoffenheim. Note 4
Niklas Moisander: Der Finne trug anders als zuletzt wenig zum Bremer Spielaufbau bei und agierte in vielen Situationen ungewohnt fahrig. So auch vor dem 0:2, als er Flankengeber Klünter nicht entschieden genug störte. Holte sich zudem die fünfte Gelbe Karte ab und fehlt nun gegen Hoffenheim. Note 4 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie: Wich für Bauer auf die linke Seite aus und agierte zunächst unglücklich. Rutschte vor dem 0:1 im Strafraum weg und blieb dann zu lange liegen, sodass Modeste frei zum Schuss kam. Leitete dann mit einem Ballverlust auch noch das 0:2 ein. Schön sein Kopfballtreffer zum 2:2. Note 4
Theodor Gebre Selassie: Wich für Bauer auf die linke Seite aus und agierte zunächst unglücklich. Rutschte vor dem 0:1 im Strafraum weg und blieb dann zu lange liegen, sodass Modeste frei zum Schuss kam. Leitete dann mit einem Ballverlust auch noch das 0:2 ein. Schön sein Kopfballtreffer zum 2:2. Note 4 © nordphoto
Thomas Delaney (bis 54.): Der Däne war für Maximilien Eggestein in die Startelf zurückgekehrt und spielte eine ganz schwache Partie. Kaum eine Aktion gelang ihm. Zudem war er an den Gegentoren zum 0:2 und 2:3 direkt beteiligt. Seine frühe Auswechslung nach der Pause war da nur folgerichtig. Keine Frage: Es war seine bis dato schwächste Leistung im Werder-Trikot. Note 5,5
Thomas Delaney (bis 54.): Der Däne war für Maximilien Eggestein in die Startelf zurückgekehrt und spielte eine ganz schwache Partie. Kaum eine Aktion gelang ihm. Zudem war er an den Gegentoren zum 0:2 und 2:3 direkt beteiligt. Seine frühe Auswechslung nach der Pause war da nur folgerichtig. Keine Frage: Es war seine bis dato schwächste Leistung im Werder-Trikot. Note 5,5 © nordphoto
Florian Grillitsch: Nach ganz schlechter Anfangsphase, in der er mehr lamentierte als Fußball spielte, kam er im Laufe der ersten Hälfte etwas besser in die Partie. War nach der Pause darum bemüht, für Stabilität in Werders Spiel zu sorgen, was ihm aber nur phasenweise gelang. Note 4
Florian Grillitsch: Nach ganz schlechter Anfangsphase, in der er mehr lamentierte als Fußball spielte, kam er im Laufe der ersten Hälfte etwas besser in die Partie. War nach der Pause darum bemüht, für Stabilität in Werders Spiel zu sorgen, was ihm aber nur phasenweise gelang. Note 4 © nordphoto
Zlatko Junuzovic: Der Kapitän bereitete beide Bremer Tore vor der Pause vor. Perfekt getimed sein Zuspiel auf Bartels, messerscharf seine Flanke auf Gebre Selassie. Ansonsten wie immer als Antreiber im Einsatz. Note 3
Zlatko Junuzovic: Der Kapitän bereitete beide Bremer Tore vor der Pause vor. Perfekt getimed sein Zuspiel auf Bartels, messerscharf seine Flanke auf Gebre Selassie. Ansonsten wie immer als Antreiber im Einsatz. Note 3 © nordphoto
Fin Bartels: Blieb vor dem 1:2 vor Kölns Torhüter Horn ganz cool und streichelte den Ball gefühlvoll ins Tor. Sorgte in der Offensive nach schwachem Beginn für viel Unruhe. Ob es nun ein Torschuss oder ein Pass sein sollte? Egal! Seine Vorarbeit zum 3:4 (62.) war punktgenau. Note 2,5
Fin Bartels: Blieb vor dem 1:2 vor Kölns Torhüter Horn ganz cool und streichelte den Ball gefühlvoll ins Tor. Sorgte in der Offensive nach schwachem Beginn für viel Unruhe. Ob es nun ein Torschuss oder ein Pass sein sollte? Egal! Seine Vorarbeit zum 3:4 (62.) war punktgenau. Note 2,5 © nordphoto
Max Kruse: Zaubern konnte er dieses Mal nicht, in Köln waren andere Qualitäten gefragt. Ließ sich oft ins Mittelfeld zurückfallen und half dort mit. Das ging natürlich zu Lasten seiner Torgefährlichkeit. Note 3,5
Max Kruse: Zaubern konnte er dieses Mal nicht, in Köln waren andere Qualitäten gefragt. Ließ sich oft ins Mittelfeld zurückfallen und half dort mit. Das ging natürlich zu Lasten seiner Torgefährlichkeit. Note 3,5 © nordphoto
Serge Gnabry (ab 54.): Er benötigte nur acht Minuten nach seiner Einwechslung, dann traf er zum 3:4. Eine Belebung für die Offensive, hätte fast noch das 4:4 erzielt (71./76.). Note 2,5
Serge Gnabry (ab 54.): Er benötigte nur acht Minuten nach seiner Einwechslung, dann traf er zum 3:4. Eine Belebung für die Offensive, hätte fast noch das 4:4 erzielt (71./76.). Note 2,5 © nordphoto
Florian Kainz (ab 64.): Wirbelte auf rechts,allerdings ohne Ertrag. Note -
Florian Kainz (ab 64.): Wirbelte auf rechts,allerdings ohne Ertrag. Note - © nordphoto
Claudio Pizarro (ab 81.): Kam für die Schlussoffensive. Ohne Abschluss. Note -
Claudio Pizarro (ab 81.): Kam für die Schlussoffensive. Ohne Abschluss. Note - © nordphoto
Robert Bauer (bis 64.): Spielte überraschend auf der rechten Außenbahn, wo er auf den schnellen Bittencourt traf. Verlor den Kölner vor dem 0:1 aus den Augen, leitete später aber das 2:2 mit einem exakten Einwurf ein. Note 4
Robert Bauer (bis 64.): Spielte überraschend auf der rechten Außenbahn, wo er auf den schnellen Bittencourt traf. Verlor den Kölner vor dem 0:1 aus den Augen, leitete später aber das 2:2 mit einem exakten Einwurf ein. Note 4 © nordphoto (Archivbild)

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