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Bitter: Max Kruse und Co. legen einen starken Start hin, mussten aber trotzdem eine Niederlage hinnehmen. 

Pokal-Niederlage gegen Bayer 04

Taktik-Analyse: Bayer-Systemänderung stoppt mutige Bremer 

In der ersten Halbzeit war es einer der taktisch stärksten Werder-Auftritte der Saison. Nach einer Systemumstellung fand aber Bayer Leverkusen zurück ins Spiel. Unsere Taktik-Analyse zum Pokal-Krimi.

Was ein Sieg alles auslösen kann. Nachdem Werder Bremen am Wochenende gegen Schalke erstmals im Jahr 2018 ein Spiel gewinnen konnte, trat die Mannschaft im Pokal-Viertelfinale gegen Bayer Leverkusen voller Selbstvertrauen auf. Schon vor dem Spiel hatte Trainer Florian Kohfeldt angekündigt, den Sieg gegen Schalke als Anlass zu nehmen, das spielerische Fundament der Mannschaft zu stärken. Er hielt sein Wort.

Aggressiv von Beginn an

Kohfeldt schickte seine Elf in einer Mischung aus 4-1-4-1 und 4-2-3-1 auf das Feld. Im Vergleich zum Schalke-Spiel rotierte Kohfeldt auf den Flügeln: Auf links hielt Kainz seine Position, auf der rechten Seite agierte Johannsson etwas zentraler und sprintete ins Sturmzentrum.

Von Beginn an übernahmen die Bremer die Kontrolle über das Spiel. Werder störte Leverkusen früh. Zlatko Junuzovic rückte aus dem zentralen Mittelfeld nach vorne, um zusammen mit Max Kruse die gegnerische Abwehr anzulaufen. Da auch die Außenstürmer aktiv am Pressing teilnahmen, stellten die vier Bremer Angreifer eine Gleichzahlsituation gegen Leverkusens Viererkette her.

Auch im Ballbesitz zeigte sich Werder äußerst risikofreudig. Sie spielten den Ball flach aus der Abwehr heraus, suchten ständig die Kombination mit den Mitspielern. Sie suchten dabei immer wieder die Räume zwischen den Leverkusener Linien. Diese hatten durchaus Lücken innerhalb ihres 4-4-2-Systems. Thomas Delaney und Maximilian Eggestein boten sich hinter Leverkusens Doppelsturm an, Max Kruse im Raum zwischen den Leverkusener Viererketten.

Leverkusen findet erst nach Systemwechsel ins Spiel

In der Anfangsphase schien Leverkusen von der Bremer Mischung aus aggressivem Pressing und gewitztem Spielaufbau überfordert. Bremen lenkte das Spiel auf die linke Seite. Von dort aus verlagerten sie das Spiel auf rechts, wo Johannsson als Abnehmer für Bälle hinter die Abwehr bereitstand. Der Treffer zum 2:0 (8.) stand exemplarisch für diesen Matchplan: Bremen gewann den Ball im Mittelfeld, suchte sofort die flache Kombination auf der halblinken Seite und fand letztlich Johannsson auf der halbrechten Seite.

Leverkusen brauchte zwanzig Minuten, um in die Partie zu finden. Bayer-Coach Heiko Herrlich gab den entscheidenden Impuls von der Bank: Er zog Leon Bailey etwas zurück auf eine Außenverteidiger-Position, Wendell wurde so zum dritten Innenverteidiger. Leverkusen baute nun in einem 3-4-3-System auf, gegen den Ball agierten sie in einem 5-2-3.

Herrlich behob damit die Probleme, die sein Team in der Anfangsphase plagten. Dank einem Innenverteidiger mehr in der letzten Linie konnten sie Bremens Pressing besser umspielen. Gleichzeitig konterte Leverkusen Werders Asymmetrie: Lars Bender blieb auf rechts tiefer und bewachte Kainz, Bailey nahm sich auf links wiederum mehr offensive Freiheiten. Das konnte er sich erlauben, da Johannsson ohnehin ständig ins Zentrum zog.

Leverkusen bestraft Bremer Mut

Die Dynamik des Spiels war dann eine andere: Leverkusen kombinierte nun, während sich die Bremer etwas weiter zurückzogen. Werder verteidigte nun häufig im 4-1-4-1 und ließ Leverkusen das Spiel aufbauen. Diese kamen vor allem über die linke Seite zum Zug. Hier bildete sich ein spielstarkes Dreieck aus Bailey, Wendell und Julian Brandt.

Ironischerweise kam Leverkusen zu Treffern in Situationen, in denen Bremen mutig nach vorne spielte. Vor dem 1:2 versuchten sie, ihr hohes 4-2-4-Pressing aus der Anfangsphase wiederzubeleben, Leverkusen umspielte es aber mit Doppelpässen. Vor dem 2:2 verlor Bremen in einer offensiven Stellung den Ball, Leverkusen fand Freiräume vor Bremens Abwehr vor. So bestrafte Leverkusen die nach der Pause etwas zu mutige Herangehensweise der Bremer. Ansonsten aber neutralisierten sich beide Teams nach der Pause weitgehend. Es kam zur Verlängerung.

Müdigkeit entscheidet Partie

Mit ihrem intensiven und aggressiven Pressing hatte Werder innerhalb der neunzig Minuten mehr Körner gelassen. Leverkusen hingegen hatte besonders in der ersten Halbzeit tiefer gestanden. Gerade das Bremer Mittelfeld war ausgepumpt, sodass sich im Zentrum immer wieder Lücken auftaten.

Herrlich hielt zwar an seinem 3-4-3-System fest, brachte mit frischem Personal jedoch auch frischen Wind in die Partie. Der eingewechselte Alario (für Brandt) ließ sich aus dem Sturmzentrum immer wieder zurückfallen, um die Lücken im Bremer Mittelfeld auszunutzen. Am Ende war es der ebenfalls eingewechselte Karim Bellarabi, der die Partie entschied (111.). Kohfeldts Versuch, mit Sebastian Langkamp einen groß gewachsenen Innenverteidiger in den Sturm zu stellen und so den Ausgleich zu erzwingen, ging nicht auf.

Fazit: Starke Ansätze, starker Gegner

Somit fällt die taktische Bilanz des Spiels zwiespältig aus. Ja, Kohfeldts Team nutzte das neu gewonnene Selbstvertrauen und trat in der ersten Halbzeit absolut dominant auf. Vor den Gegentoren in der regulären Spielzeit verteidigten sie jedoch zu naiv. Es verwunderte zudem, dass Kohfeldt in der Verlängerung keinen frischen Mann für das zentrale Mittelfeld brachte; im DFB-Pokal ist in der Verlängerung eine zusätzliche Auswechslung erlaubt.

Dennoch: Auch in dieser Partie war wieder eine spielerische Weiterentwicklung zu erkennen. Werder darf nur das gewonnene Selbstvertrauen nicht gleich wieder verlieren.

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