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Frank Baumann feiert mit Werder Bremen 2009 den Pokalsieg gegen Bayer Leverkusen.

DFB-Pokalspiel gegen Bayer 04 Leverkusen

Bremer Lust auf den Lieblingsgegner

Bremen - Und plötzlich hatte er ihn, den Abschied, von dem wohl jeder Fußballer träumt. Ein letzter Sieg im letzten Spiel, noch einmal alles gegeben, die Kapitänsbinde wie immer um den Arm – und für all das am Ende mit einem Titel belohnt.

Filme enden so, manche Bücher auch – und eben die Karriere von Frank Baumann. Am späten Abend des 30. Mai 2009 reckte der damals 33-Jährige eine goldene Trophäe durch goldenes Konfetti in den Berliner Nachthimmel. Dank eines 1:0-Erfolgs hatte Werder Bremen den DFB-Pokal gegen Bayer Leverkusen gewonnen. „Das sind wirklich schöne Erinnerungen“, sagte Baumann gestern, inzwischen 42 Jahre alt und Sportchef der Bremer, die heute Abend im Pokalviertelfinale wieder auf Leverkusen treffen. Sechs Pokalspiele hat es bisher zwischen beiden Clubs gegeben. 2009 war der Höhepunkt für Werder, und auch die anderen fünf Spiele gingen an Grün-Weiß. Eine schöne Serie, der sie an der Weser in diesen Tagen jedoch keine Bedeutung beimessen.

DFB-Pokal-Finale 2009: Frank Baumann im Duell mit Leverkusens Renato Augusto.

Trainer Florian Kohfeldt geht jedenfalls nicht davon aus, dass der Gegner angesichts der schwarzen Pokal-Statistik gegen Werder in Ehrfurcht erstarrt. „Einschüchtern wird Leverkusen die Serie nicht. Es ist mit der heutigen Situation ja nicht mehr vergleichbar“, sagte er während der Pressekonferenz vor der Partie. Selbst seit dem Liga-Hinspiel in der laufenden Saison, das Werder im Dezember mit 0:1 verlor, habe sich vieles verändert. „Leverkusen hat jetzt noch mehr die Attitüde einer Spitzenmannschaft. Sie spielen ein Stück abgeklärter und haben ein gewisses Selbstverständnis“, berichtete der 35-Jährige – und forderte: „Das müssen wir brechen.“

Leverkusen als Favorit

Kohfeldt weiß natürlich auch, dass sein Team trotz des jüngsten 2:1-Erfolgs auf Schalke nicht unbedingt als Favorit in Leverkusen antritt. Die Gastgeber sind in der Liga Zweiter, Werder 15., daraus lässt sich auch im DFB-Pokal ein gewisses Kräfteverhältnis ablesen – für Kohfeldt gilt es allerdings nur bedingt. „Es ist nur dieses eine Spiel. Für eine Seite gibt es beim Schlusspfiff kein Danach mehr. Entweder du bist weiter, oder eben nicht. Da gibt es keine Interpretationen“, sagte er, um direkt danach zu unterstreichen: „Ich mag das.“

„Kein Danach mehr“ – es war eine sprachlich schöne Beschreibung für das Wesen von K.o.-Spielen. Leverkusens Trainer Heiko Herrlich drückte sich da martialischer aus: „Es geht um Leben oder Sterben.“ Mit seinen nächsten Sätzen relativierte der 46-Jährige diese Aussage zwar. Welche Bedeutung das Pokalspiel gegen Werder für die Werkself hat, war da aber bereits mehr als deutlich geworden. 1993 hat Leverkusen zum bisher einzigen Mal in seiner Vereinsgeschichte den Pokal gewonnen, 2018 soll es möglichst wieder gelingen. Drei Siege sind dafür noch nötig, gegen Werder stellt sich Heiko Herrlich auf starke Gegenwehr ein. „Die Entwicklung der Mannschaft unter Florian Kohfeldt ist gut“, weiß der Ex-Profi. Werder gehöre ganz sicher nicht so weit nach unten in der Tabelle, wo die Mannschaft momentan steht. „Die spielen richtig Fußball“, hat Herrlich festgestellt.

Florian Kohfeldt (li.) und Heiko Herrlich - Zwei Trainer ein Ziel: Berlin.

Genau das will Werder auch heute Abend in der BayArena tun. Mit dem Ball mutig sein, an die eigene Stärke glauben – das hat auf Schalke schließlich auch zum Erfolg geführt. Im Vergleich zur 0:1-Pleite in der Bundesliga wünscht sich Florian Kohfeldt im Pokal etwas mehr Präzision, „um in die Räume zu kommen, in die wir kommen wollen“. Nur so habe seine Elf eine realistische Chance.

„Große Pokaltradition“

Und selbst wenn Kohfeldt die makellose Pokalserie gegen Leverkusen während der kurzen Vorbereitung mit der Mannschaft nicht thematisiert hat – die generelle Bedeutung des Wettbewerbs hat er klar hervorgehoben. „Wir haben uns darauf bezogen, dass Werder Bremen ein Verein ist, der eine große Pokaltradition hat“, erklärte der Trainer, der deswegen auch in dieser Spielzeit wieder „das Maximum“ mit seinen Spielern erreichen möchte. Das wäre streng genommen ein Sieg im Finale am 19. Mai – eine schöne Vorstellung. Wer von den Werder-Profis dazu noch Nachfragen hat, kann sich ja an Frank Baumann wenden.

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