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Viel passieren darf im Kader nicht, damit Florian Kohfeldt den Fußball spielen lassen kann, den er spielen lassen will.

Nach dem 0:1 gegen Bayer 04

Die Lehren von Leverkusen

Leverkusen - Die Niederlage gegen Bayer Leverkusen hat gezeigt: Florian Kohfeldts Idee von Fußball funktioniert, trotzdem müssen neue Spieler her.

In welcher Szene es passiert war, konnte Thomas Delaney hinterher gar nicht sagen – irgendwo auf dem Platz hatte er sich sein ganz persönliches Andenken an das Auswärtsspiel in Leverkusen abgeholt und trug es nun mitten im Gesicht: eine kreisrunde Hautabschürfung, direkt unter dem rechten Auge.

Darauf angesprochen, zuckte Delaney nur kurz mit den Schultern, alles halb so wild, sollte das heißen, nur ein Kratzer, nicht mehr. Es war eine Einschätzung, die sich am späten Mittwochabend ziemlich gut auf Werders allgemeine Stimmungslage übertragen ließ. Mit 0:1 (0:1) hatten die ersatzgeschwächten Bremer verdient verloren, allerdings bei der momentan formstärksten Mannschaft der Bundesliga.

Werder zu harmlos in Leverkusen

Im letzten Hinrundenspiel gegen Mainz kann Werder am Samstag darüberhinaus trotzdem noch den Sprung raus aus der Abstiegszone schaffen. Alles halb so wild also, nur ein Kratzer, nicht mehr. Und dennoch hat dieses 0:1 etwas offenbart, ein Bremer Problem. Es gab sie also, die Lehre von Leverkusen.

Frank Baumann brachte es gleich zu Beginn seines Fazits auf den Punkt. „Unterm Strich muss man festhalten, dass wir heute zu harmlos waren“, sagte Werders Sportchef zu später Stunde im Bauch der BayArena. Ein zu unplatzierter Kopfball von Maximilian Eggestein in der 32. Minute – das war sie auch schon, die beste, weil einzige Bremer Torchance des Abends.

Theodor Gebre Selassie (r.) gegen Leon Bailey - das war eines der Schlüsselduelle bei der 0:1-Niederlage von Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen.

Werder hatte zwar mehr Ballbesitz als der Gegner, schaffte es aber nicht, in die Räume zwischen den Leverkusener Ketten zu kommen, so wie es der Plan von Trainer Florian Kohfeldt gewesen war. „Wir haben es nicht geschafft, Lösungen in der Tiefe zu finden“, sagte der 35-Jährige, „das finde ich schade, aber ich mache den Jungs keinen Vorwurf.“ Das musste er auch nicht. Schließlich sollte die knappe Niederlage bei einem der Spitzenteams der Liga nicht überbewertet werden, zumal Werder auf drei Stammspieler verzichten musste.

Kein Fin Bartels (Achillessehnenriss), kein Philipp Bargfrede und zunächst auch kein Zlatko Junuzovic (beide muskuläre Probleme) – der Abend von Leverkusen hat gezeigt, dass der Bremer Kader diese Fülle an Schwächungen nicht kompensieren kann. Kohfeldts Idee von Fußball sieht vor, hoch zu verteidigen, den Ball sofort dort zu jagen, wo er verloren gegangen ist. In den ersten fünf Spielen unter dem neuen Coach ist Werder das gut gelungen. Leverkusen war nun der erste schwache Auftritt.

Problematik im Sturm begleitet Werder in die Winterpause

Die Bremer Mannschaft ist sehr wohl in der Lage, attraktiv und erfolgreich zu spielen und sich auf diese Weise aus dem Tabellenkeller zu befreien. Nur darf eben nicht viel passieren. Bartels fehlt bekanntlich für den Rest der Saison, und ohne den 30-Jährigen zum überlebenswichtigen Akteur hochjazzen zu wollen – am Mittwochabend wurde deutlich, dass Werder im Winter dringend Ersatz für den Sturmpartner von Max Kruse verpflichten sollte.

„Wir sind gar nicht in den vorderen Bereich gekommen, sodass es auch mit Fin schwierig geworden wäre“, sagte Baumann zwar. Dem Sportchef dürfte allerdings nicht entgangen sein, dass die Alternativen in der Spitze – erst Kainz, später Belfodil und Hajrovic – an diesem Abend keine waren und wohl auch auf Dauer keine Lösungen sein können. Kohfeldt ist im Umgang mit den Medien viel zu clever, um öffentlich Verstärkungen zu fordern. Intern dürfte es zwischen ihm und Baumann längst ein heißes Thema sein.

Bereits am Samstag gastiert Mainz 05 zum Hinrunden-Ausklang im Weserstadion. Kohfeldt nannte das Spiel „eine Chance, mit einem Sieg den direkten Abstiegsplatz auf jeden Fall zu verlassen“. Der Werder-Trainer könnte die Feiertage dann etwas entspannter verbringen – die Problematik mit der offenen Stelle im Sturm würde ihn aber trotzdem weiterhin begleiten.

Einzelkritik: Nur Pavlenka in guter Form

Jiri Pavlenka
Jiri Pavlenka: Ohne Chance beim frühen Gegentor, da hatte ihm Sane übel mitgespielt. Kurz darauf machte ihm Gebre Selassie das Leben schwer. Aber der Keeper blieb ruhig und verhinderte am Ende eine höhere Niederlage. Note 2 © nordphoto
Milos Veljkovic
Milos Veljkovic: Sehr passiv als rechter Innenverteidiger, hätte auch beim 0:1 durchaus mehr eingreifen können. Tat auch wenig für den Spielaufbau. Note 4 © nordphoto
Lamine Sane
Lamine Sane (bis 61.): Nach Erkältungspause gegen Dortmund zurück im Team und überhaupt noch nicht wieder auf der Höhe. Verpasste ungeschickt die Hereingabe von Bailey und schenkte Alario das 1:0. Es wurde nicht besser. Nach einem ungestümen Einsteigen gegen Volland sah er Gelb und kurz danach für sein sehr hohes Bein gegen Bailey fast Gelb-Rot (60.). Deshalb musste Sane schnell runter. Note 5 © nordphoto
Niklas Moisander
Niklas Moisander: Das war ein ganz anderer Finne als sonst – alles andere als cool. Drei schlimme Ballverluste allein in Halbzeit eins, die zum Glück folgenlos blieben. Stabilisierte sich immerhin nach der Pause. Note 4 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie
Theodor Gebre Selassie: Der Tscheche dürfte noch häufiger von Bailey träumen – und zwar schlecht. Der Jamaikaner lief ihm immer wieder weg, wie vor dem 0:1. Aber Gebre Selassie bekam auch kaum Unterstützung. Verhinderte aber auch einmal gegen Bailey das 0:2 (71.). Note 5 © nordphoto
Ludwig Augustinsson
Ludwig Augustinsson: Hatte ebenfalls einen schwierigen Stand – in seinem Fall gegen Bellarabi. Sah dabei aber nicht so schlecht aus wie Gebre Selassie. Nach vorne bemüht, aber praktisch wirkungslos. Note 4 © nordphoto
Thomas Delaney
Thomas Delaney: Als Sechser um Ordnung und Stabilität bemüht, aber zunächst nicht so zweikampfstark wie zuletzt. Rückte in Hälfte zwei ins rechte Mittelfeld, später wieder zurück auf die Sechs. Bis auf Kampf kam da nicht so viel vom Dänen. Note 4 © nordphoto
Ole Käuper
Ole Käuper (bis 74.): Der 20-Jährige begann seine Bundesliga-Premiere etwas nervös. Und als er sich ein bisschen eingelebt hatte, bekam er erst mal von Baumgartlinger eine Hand ins Gesicht verpasst. Konnte im rechten Mittelfeld zwar nur wenige Akzente setzen, hätte Gebre Selassie auch noch mehr gegen Bailey unterstützen können, aber immerhin war seine Fehlerquote für ein Debüt okay. Wechselte nach der Pause auf die Sechs, machte es dort ordentlich. Note 4 © Gumz
Florian Kainz
Florian Kainz (70.): Der Bartels-Ersatz, der (noch) keiner ist. Im linken Mittelfeld zwar bemüht, aber praktisch ohne Durchschlagskraft. Eine gute Flanke vor der Pause, das war es. Und nach hinten spekulierte er zu oft, verzichtete gerne mal auf den notwendigen Sprint. Note 5 © nordphoto
Maximilian Eggestein
Maximilian Eggestein: Begann als Zehner, war aber alles andere als ein Spielmacher. Dafür kam er vor der Pause viel zu selten an den Ball – nur 13 Mal. Immerhin mit einer guten Kopfballchance (32.). Wechselte in Halbzeit zwei ins linke Mittelfeld, tat dort aber auch zu wenig für das Offensivspiel. Note 4,5 © Gumz
Max Kruse
Max Kruse: Das Fehlen seines verletzten Kumpels Bartels war ihm schon anzumerken, fand nur selten den passenden Adressaten für seine Ideen. Tat sich mit Ball allerdings auch selbst etwas schwer und baute immer mehr ab, da muss von einem Kapitän, Kruse vertrat den angeschlagenen Junuzovic, mehr kommen. Note 4,5 © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Zlatko Junuzovic (ab 61.): Sollte trotz Wadenproblemen Schwung ins Bremer Spiel bringen und hatte immerhin eine gute Chance, wurde aber geblockt (86.). Note - © nordphoto (Archiv)
Ishak Belfodil
Ishak Belfodil (ab 70.): Der Stürmer war wirkungslos, bekam aber auch kaum Bälle. Note - © dpa
Izet Hajrovic
Izet Hajrovic (ab 74.): Konnte dem Spiel auch keine Wende mehr geben. Note - © nordphoto (Archiv)

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